LCD-Erfinder geehrt: Schweizer «Vater des Pixels» erhält Erfinderpreis
Aktualisiert

LCD-Erfinder geehrtSchweizer «Vater des Pixels» erhält Erfinderpreis

Der Baselbieter Physiker Martin Schadt ist mit dem Europäischen Erfinderpreis ausgezeichnet worden. 1970 hatte er das Patent angemeldet. Heute finden sich LCDs in nahezu allen Alltagsgeräten.

von
owi

Er hat die LCD-Technik vor 43 Jahren als Erster patentieren lassen. Heute steckt die Technologie in jedem TV, Smartphone oder Laptop.

Der Schweizer Erfinder der LCD-Technologie für Flachbildschirme wurde am Dienstag in Amsterdam für sein Lebenswerk mit dem Preis des Europäischen Patentamtes (EPO) geehrt.

Bereits 1970 hatte Schadt das erste Patent für Flüssigkristalle angemeldet. «Die Erfindung von Martin Schadt hat unser Leben verändert und eine ganze Industrie begründet», sagte der Präsident des Patentamtes, Benoît Battistelli.

Flüssigkristalle sind organische Verbindungen, die sowohl die Eigenschaften von Flüssigkeiten als auch von Festkörpern haben. Der aus Liestal BL stammende Physiker Martin Schadt sei einer der Ersten gewesen, die ihr Potenzial für die Elektronikindustrie erkannt hätten, schreibt das EPO in einer Mitteilung.

Unter elektrischer Spannung ändern Flüssigkristalle ihre Lichtdurchlässigkeit. Bei LCDs (Englisch: liquid crystal display) werden diese Kristalle zwischen zwei Scheiben in ein Raster gepresst. Die Rastersegmente, die Pixel, können einzeln angesteuert und hell oder dunkel geschaltet werden. Heute finden sich Flüssigkristallanzeigen in nahezu allen Alltagsgeräten.

Störsender gebaut

Neugier für Elektronik zeigte der heute 74-jährige Martin Schadt schon als junger Mann: Aus Teilen alter Radios baute er als 16-Jähriger als Hobby rudimentäre Kurzwellensender zusammen, mit denen er den örtlichen Funkempfang stören konnte - sehr zum Leidwesen der Nachbarn.

Nach einer vierjährigen Lehre als Elektriker in Basel besuchte Schadt zunächst Abendkurse und machte dann den Hochschulabschluss in Experimentalphysik. «Ich bin ein sehr neugieriger Mensch und interessiere mich dafür, wie Dinge funktionieren. Aus diesem Grund habe ich Physik studiert», sagte Schadt in einem Bericht der EPO.

Patent für Drehzellen-Effekt

Schadt arbeitete von 1970 bis 1994 bei der damaligen F. Hoffmann-La Roche in Basel. 1970 meldeten er und sein Kollege Wolfgang Helfrich ein Patent für den sogenannten Drehzellen-Effekt an, der die LCD-Industrie begründete, die allein im Jahr 2012 einen Umsatz von rund 100 Milliarden US-Dollar verzeichnen konnte.

«Dieser durchschlagende Erfolg war in den 1970er-Jahren nicht voraussehbar», sagte Schadt, der bis 1994 Leiter der Forschungsabteilung für Flüssigkristalle bei Roche blieb. Diese wurde dann als eigenständiges Unternehmen unter dem Namen Rolic Ltd. ausgegliedert, dessen CEO und Vorstandsmitglied Schadt bis zu seiner Pensionierung im Oktober 2002 war.

Heute hält Schadt 110 Patente und gewann zahlreiche Wissenschaftspreise. Der Erfinderpreis wurde ihm an einer Gala in Amsterdam verliehen, der die niederländische Prinzessin Beatrix und rund 500 internationale Gäste beiwohnten.

Weitere Erfinderpreise

Die internationale Jury zeichnete weitere herausragende Leistungen auf den Gebieten Technik, Gesundheits- und Computertechnologie aus: sanft schliessende Möbelscharniere (Österreich), Nano-Kapseln zur Krebstherapie (Frankreich, Italien), ein kostengünstiges und einfaches Verfahren in der Genforschung (Schweden) sowie die USB-Technologie (USA).

Der Europäische Erfinderpreis wird seit 2006 jährlich vom Europäischen Patentamt in München verliehen. (owi/sda)

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