Aktualisiert 09.05.2020 09:40

Earth Overshoot DaySchweizer verbrauchen zu viele Ressourcen

Die Schweiz bräuchte fast drei Erden, um ihren Ressourcenbedarf zu decken. Hauptursache für den grossen Fussabdruck ist der Konsum fossiler Energien.

von
Stephanie Sigrist
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Ab dem 8. Mai 2020 übersteigt die Nachfrage der Schweizer nach nachwachsenden Rohstoffen das Angebot und die Kapazität der Erde.

Ab dem 8. Mai 2020 übersteigt die Nachfrage der Schweizer nach nachwachsenden Rohstoffen das Angebot und die Kapazität der Erde.

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Nach dem Earth Overshoot Day lebt die Schweiz also in einem Ressourcendefizit, weil sie ihr ganzes jährliches Ressourceneinkommen bereits aufgebraucht hat und deswegen ein Darlehen von der Erde bezieht.

Nach dem Earth Overshoot Day lebt die Schweiz also in einem Ressourcendefizit, weil sie ihr ganzes jährliches Ressourceneinkommen bereits aufgebraucht hat und deswegen ein Darlehen von der Erde bezieht.

KEYSTONE / Jasper Juinen
Der Verbrauch fossiler Energie macht fast drei Viertel des ökologischen Fussabdrucks der Schweiz aus.

Der Verbrauch fossiler Energie macht fast drei Viertel des ökologischen Fussabdrucks der Schweiz aus.

KEYSTONE / Laurent Gillieron

Am 8. Mai ist in der Schweiz Earth Overshoot Day. Dies bedeutet, dass hierzulande die Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen das Angebot und die Kapazität der Erde ab heute übersteigt. Das jeweilige Datum wird berechnet, indem der ökologische Fussabdruck der globalen Biokapazität – die Menge der weltweiten Regeneration von biologischen Ressourcen innerhalb eines Jahres – gegenübergestellt wird. Ab dem Earth Overshoot Day lebt die Schweiz also in einem Ressourcendefizit, weil sie ihr ganzes jährliches Ressourceneinkommen bereits aufgebraucht hat und deswegen ein Darlehen von der Erde bezieht.

Der ökologische Fussabdruck misst den Verbrauch natürlicher Ressourcen und drückt die Fläche aus, die für die Produktion dieser Ressourcen notwendig wäre. Er zeigt auf, welche ökologische Produktionsfläche erforderlich wäre, damit eine Region, ein Land oder die gesamte Menschheit die eigenen Bedürfnisse decken und die Abfälle neutralisieren kann. Der ökologische Fussabdruck erlaubt eine Aussage darüber, ob die Nutzung des Umweltkapitals nachhaltig ist oder nicht. Würde die ganze Menschheit auf so grossem Fuss leben wie die Schweizer, wären knapp drei Erden nötig.

Übernutzung globaler Güter wie der Atmosphäre

Das Ungleichgewicht zwischen dem ökologischen Fussabdruck der Schweiz und der weltweiten Biokapazität besteht seit Jahrzehnten. Dieser Konsum ist nur dank des Imports von natürlichen Ressourcen und der Übernutzung der globalen Güter wie etwa der Atmosphäre möglich. Der Verbrauch fossiler Energie macht fast drei Viertel des ökologischen Fussabdrucks der Schweiz aus. Dieser Anteil ist in den vergangenen Jahrzehnten ausserdem am stärksten gewachsen. Mit rund 25 Prozent des gesamten Fussabdrucks stellt auch unser Bedarf an Ackerland, Wald und Naturwiesen einen wichtigen Anteil dar.

Der schweizerische Pro-Kopf-Fussabdruck liegt im Durchschnitt der westeuropäischen Länder. Der Earth Overshoot Day für die EU ist am 10. Mai, zwei Tage später als in der Schweiz. Katar, Luxemburg, die Vereinigten Arabischen Emirate, die Mongolei, Bahrain, die Vereinigten Staaten, Kanada, Kuwait, Dänemark, Estland, Australien, Neuseeland und Bermuda haben über viermal mehr Ressourcen verbraucht als weltweit an Biokapazität verfügbar ist. Das Extrembeispiel Katar erreichte den Earth Overshoot Day dieses Jahr bereits am 11. Februar. Die Länder des indischen Subkontinents, Südostasiens und Afrikas hingegen verbrauchen weniger als einen Planeten Erde. Der Druck auf die natürlichen Ressourcen dürfte sich gemäss dem Bundesamt für Umwelt künftig noch verschärfen, da das Wirtschaftsvolumen und die Weltbevölkerung weiterwachsen werden.

Es gilt, weniger fossile Energien zu verbrauchen

Wie können wir unseren ökologischen Fussabdruck verkleinern? Die wichtigste Rolle spielt die Reduktion des Verbrauchs fossiler Energien. Jedes dritte Gebäude in der Schweiz ist beispielsweise mit einer Öl- oder Erdgas-Heizung ausgestattet. Würden pro Jahr 30'000 solcher Heizungen durch erneuerbare Heizsysteme ausgetauscht, wäre die Schweiz bis 2050 klimaneutral. Der Verkehr ist hierzulande für rund 40 Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich. Carpooling, der Verzicht auf das Auto für Kurzstrecken, oder Arbeiten im Homeoffice auch nach Ende der Corona-Krise könnten die durch den Pendlerverkehr verursachten Umweltbelastungen reduzieren.

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