28.05.2016 15:49

Beauty-Doc«Schweizer verschweigen Schönheits-OPs gern»

Der Verband Swiss Plastic Surgery will mit einer Informationsoffensive sensibilisieren. Ein Chirurg warnt vor falschen Beauty-Docs.

von
B. Zanni
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Thomas Fischer: «Ich behandle oft Patienten, die mir im Gespräch gestehen, vor zehn Jahren sei eine Schönheitsoperation für sie niemals infrage gekommen.»

Thomas Fischer: «Ich behandle oft Patienten, die mir im Gespräch gestehen, vor zehn Jahren sei eine Schönheitsoperation für sie niemals infrage gekommen.»

zvg
Ab 40 Jahren unterziehen sich in Thomas Fischers Praxis viele Patienten einem Facelifting. (Symbobild)

Ab 40 Jahren unterziehen sich in Thomas Fischers Praxis viele Patienten einem Facelifting. (Symbobild)

AP/Jacquelyn Martin
Thomas Fischer behandelt viele Patientinnen zwischen 20 und 30 Jahren, die sich ihre Lippen aufspritzen lassen, weil sie von Natur aus eine schmale Lippe haben. (Symbolbild)

Thomas Fischer behandelt viele Patientinnen zwischen 20 und 30 Jahren, die sich ihre Lippen aufspritzen lassen, weil sie von Natur aus eine schmale Lippe haben. (Symbolbild)

Ruslan Olinchuk | Olinchukr@gmai

Herr Fischer, wie reagieren die Leute, wenn Sie sagen, dass Sie Menschen für die Schönheit operieren?

Bei vielen löst mein Beruf Neugier aus. Manche reagieren aber auch negativ und sagen, Schönheitsoperationen und -behandlungen seien nicht nötig und sie würden sich solchen nie unterziehen. Doch meine Erfahrung ist eine andere.

Welche?

Ich behandle oft Patienten, die mir im Gespräch gestehen, vor zehn Jahren sei eine Schönheitsoperation für sie niemals infrage gekommen. Aber dann schauten sie eines Tages in den Spiegel und blickten in ein müdes Gesicht, obwohl sie sich fit fühlten.

Anfang Juni führt die Fachgesellschaft Swiss Plastic Surgery einen Tag der offenen Tür durch. Geht es dabei um Image-Politur oder Kundenakquisition?

Weder noch. Wir wollen die Bevölkerung informieren und sensibilisieren. Unter meinen qualifizierten Berufskollegen kenne ich keinen einzigen, der zu wenig Arbeit hat! In der Branche gibt es einen Wildwuchs an nicht ausgebildeten Ärzten, die sich Schönheitschirurgen nennen. Wir wollen die Patienten ermahnen, kritisch zu sein und sich unbedingt über den Arzt zu informieren.

Was kann ein unprofessioneller Arzt anrichten?

Man riskiert ungenügende oder falsche Aufklärung, Narben am falschen Ort und etwa falsch gewählte oder falsch platzierte Brustprothesen. Bei Augenlid-Operationen kann es zu schlimmen Verziehungen der Lider kommen – bis hin zu Entstellungen.

Reden die Schweizer gern über ihre Eingriffe?

Nein. Schönheitsoperationen sind etwas sehr Persönliches. So wie wir nicht über andere Operationen oder Geld reden, behalten wir diese für uns.

Lässt sich ein Eingriff so einfach verstecken?

Manche steigen etwa nach einem Augenlid-Lifting mit einer grossen Sonnenbrille in ein Taxi und lassen sich vor die Haustür chauffieren. Üblich ist auch, dass die Patienten zuhause bleiben, bis die Wunden ausgeheilt sind. Männer sind da manchmal etwas lockerer. Die Selbstbewussten gehen mit Pflästerchen im Gesicht sogar in den Ausgang und stehen offen zu ihrer OP.

Sind diese Menschen eitel?

Nicht alle. Erstaunlich ist, dass ich auch viele Patienten habe, die sich etwa von der Kleidung oder der Frisur her wenig aus ihrem Aussehen machen.

Welche Wünsche haben Ihre Patienten?

Ich stelle eine grosse Zunahme im Bereich von Filler- und Botoxbehandlungen fest. Ich habe viele Patientinnen zwischen 20 und 30 Jahren, die sich ihre Lippen aufspritzen lassen, weil sie von Natur aus eine schmale Lippe haben. Bei den Patienten um die 30 Jahre werden Zornesfalten ein Thema. Oft haben sie schon richtige Furchen auf der Stirn. Das kommt vom konzentrierten Arbeiten am PC. Ab 40 Jahren unterziehen sich viele einem Facelifting. Auch Fettabsaugen ist sehr gefragt. Immer wieder Thema sind Brustoperationen. Kürzlich legte mir eine Patientin ein Bikini-Foto von Michelle Hunziker vor.

Sehen Sie einem Menschen einen dezenten Eingriff an?

Eine gut ausgeführte dezente Behandlung, die die natürliche Ästhetik unterstreicht, ist sogar für mich als Profi nicht immer offensichtlich.

Wie kann das Gegenteil aussehen?

Dazu kommt es, wenn der Chirurg einen Patienten operiert, der die Voraussetzungen für den Eingriff nicht mitbringt. Der Klassiker ist die Brustvergrösserung. Einer sehr schlanken Frau, die von Natur aus flach wäre, sieht man auch bei Körbchengrösse B an, dass nachgeholfen worden ist.

Thomas Fischer (53) ist Facharzt für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie an der Centerclinic in Bern.

Tag der offenen Tür

Am 4. Juni 2016 öffnen die Kliniken, Spitäler und Praxen des Verbands Swiss Plastic Surgery ihre Türen. Interessierte können den Fachspezialisten an diesem Tag Fragen rund um die Wiederherstellung, aber auch die ästhetische Chirurgie stellen, Ratschläge einholen, über Möglichkeiten und Grenzen diskutieren und in Erfahrung bringen, warum es wichtig ist, bei ästhetischen Eingriffen einen vom Bund anerkannten Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie aufzusuchen. Der Tag der offenen Tür findet statt zwischen 9 und 15 Uhr. Weitere Informationen unter: www.plasticsurgery.ch und der Telefonnummer 021 963 21 39

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