Golf von Mexiko: Schweizer Vlies soll Strände vor Öl schützen
Aktualisiert

Golf von MexikoSchweizer Vlies soll Strände vor Öl schützen

Auch wenn BP das Bohrloch erstmals verschliessen konnte: Das bereits ausgelaufene Öl verschmutzt weiterhin die Strände. Bald könnte ein Schweizer Vlies helfen – erste Test sind erfolgreich.

von
Lukas Mäder

Die weissen Strände der amerikanischen Küste des Golfs von Mexiko sind schwarz: Öl aus dem Bohrloch bildet mit dem Sand eine zähe Masse. Helfer versuchen, das Schlimmste zu verhindern. Eine Hoffnung kommt aus der Schweiz: Oilguard, ein Vlies, das Öl aufsaugt und Wasser abstösst. Damit können Strände bedeckt und so vor angespültem Öl geschützt werden.

Die Entwicklung von Oilguard ist auf der Zielgeraden. Seit Wochen testet die Schweizer Firma HeiQ am Golf von Mexiko ihr Vlies, am Orange Beach in Alabama. «Wir stehen kurz vor dem Abschluss der Tests», sagt Barbara Schädler, Sprecherin des Projekts Oilguard. Diese verliefen bisher erfolgreich. «Das Vlies macht auch unter realen Bedingungen, was wir erwartet hatten.»

Bis zur Präsentation des fertigen Produkts in den nächsten Tagen fehlen zwei Komponenten des Gesamtpakets. Noch sind nicht alle Fragen zur Befestigung und zur Entsorgung geklärt. Diese Arbeiten übernimmt zwar nicht Oilguard direkt. «Aber wir wollen potentiellen Nutzern des Vlies sagen können, an wen sie sich mit diesen Fragen wenden können», sagt Schädler. Deshalb sei man nun auf der Suche nach Partnern. Für die Befestigung laufen noch Test in den USA und an der Küste Deutschlands.

Lebendig begraben im Öl

Umweltfreundliche Verbrennung

Bei der Entsorgung steht eine Verbrennung im Vordergrund. Denn an den Küsten des Golfs von Mexiko werden drei verschiedene Arten von Öl angeschwemmt: Rohöl, verklumptes Öl und chemisch zersetztes Öl. Das macht eine Extraktion des Öls aus dem Vlies, die grundsätzlich möglich ist, unsinnig. «Es geht darum, die Verbrennung möglichst umweltfreundlich auszugestalten», sagt Schädler.

In den nächsten Tagen will Oilguard, an dem neben der Firma HeiQ aus dem aargauischen Bad Zurzach auch der deutsche Vlies-Hersteller TWE beteiligt ist, über die Tests detaillierter informieren. Über mögliche Interessenten schweigt sich Schädler noch aus: «Sie können ganz sicher sein, dass wir mit allen reden, die am Schutz der Strände beteiligt sind.» Bereits Anfang Juni haben Vertreter der amerikanischen Armee und der US-Botschaft die Firma HeiQ in Bad Zurzach besucht. Weitere Behörden und Organisationen sollen sich für Oilguard interessieren.

Lizenzproduktion in den USA

Tatsächlich ermöglicht Oilguard den Schutz vor allem von Stränden vor dem Öl. Allerdings muss das Vlies regelmässig ausgewechselt werden, bei starker Verschmutzung laut Schädler bereits nach wenigen Stunden. «Die Alternative wäre, den Sand abzutragen», sagt sie. Denn darin versickert ansonsten das Öl. Prognosen, wann Oilguard zum Einsatz kommen wird, kann Schädler noch nicht machen. Doch die beteiligten Firmen sind bereit: «Wir haben eine sofortige Produktionskapazität von 20 000 Quadratmeter pro Tag», sagt Schädler. Diese könnte aber innerhalb von Tagen massiv hochgefahren werden. Dabei müsste das Vlies nicht unbedingt bei TWE in Deutschland produziert werden. Oilguard könnte laut Schädler auch unter Lizenz direkt in den USA hergestellt werden.

Die Anwendung von Oilguard im Labor:

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