Personenfreizügigkeit: Schweizer Vogelschutz kritisiert SVP-Raben
Aktualisiert

PersonenfreizügigkeitSchweizer Vogelschutz kritisiert SVP-Raben

Auf den SVP-Plakaten gegen die Personenfreizügigkeit nehmen drei listige Raben die kleine Schweiz in den Schnabel. Das gefällt dem Schweizer Vogelschutz (SVS) gar nicht.

Raben seien weder listig noch aggressiv, hält er fest. Die SVP habe den Rabenvögeln mehrere falsche Wesenszüge untergeschoben. Nun wolle man das Image der Raben mit Fakten wiederherstellen, sagte SVS-Geschäftsführer Werner Müller auf Anfrage. «Wir möchten verhindern, dass die Raben im Volksmund plötzlich als verschlagen und aggressiv gelten.»

In den kommenden Wochen wird der SVS deshalb Porträts von Rabenvögeln an alle Schweizer Medien verschicken. Dies teilte der SVS am Freitag mit. Den Anfang macht der SVS mit dem Kolkraben, danach soll auch der gute Ruf von Rabenkrähe, Saatkrähe, Nebelkrähe sowie der Turm- und Alpendohle wiederhergestellt werden.

Dass die SVP mit Raben gegen die Personenfreizügigkeit antritt, findet Müller auch inhaltlich unglücklich. «Raben sind gar keine Zugvögel, sondern sehr standorttreu», sagte er. «Es werden also sicher keine rumänischen Kolkraben in die Schweiz kommen.»

Intelligent, lernfähig und treu

Der Kolkrabe sei sehr intelligent, lern- und anpassungsfähig und ausserdem ein geschickter Flugakrobat, schreibt der SVS. Insbesondere bei seinen Balzflügen vollführe er waghalsige Loopings. Finden sich zwei Tiere, bleiben sie meist ihr ganzes Leben lang zusammen.

Mit einer Grösse von gut 60 Zentimetern ist der Kolkrabe der grösste Singvogel überhaupt, auch wenn sein charakteristisch tiefer «Korrk-korrk»-Ruf nur entfernt als «Gesang» bezeichnet werden kann.

Raben gelten als sehr verspielt. Laut SVS wurden diese Vögel schon oft beim Herumtollen im Schnee und beim Herunterrutschen von Hängen und Sanddünen beobachtet. Auch das Kopfüberhängen und Schaukeln an Ästen bereitet ihnen grosse Freude. Mit ihrer Intelligenz schaffen sie es zudem, Äste als Werkzeuge einzusetzen, um an Nahrung zu gelangen.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und bis zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurde der Kolkrabe in der Schweiz fast ausgerottet. Er habe als Schädling gegolten und sei rücksichtslos verfolgt worden, weil er gelegentlich geschwächtes Jungwild überwältige. Seit den 50er-Jahren hat sich der Bestand aber wieder erholt. (sda)

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