«Riesenschweinerei»: Schweizer Wilderer auf Treibjagd in Österreich
Aktualisiert

«Riesenschweinerei»Schweizer Wilderer auf Treibjagd in Österreich

Schweizer haben in Österreich brutal gewildert. Mit einem Quad trieben sie die Tiere vor sich her, schossen auf sie und liessen sie verbluten. Jetzt wird gegen sie ermittelt.

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Mehrere Schweizer Jäger haben im österreichischen Sibratsgfäll (Bregenzerwald) am Mittwoch, 11. Februar 2015, die Wildruhezone gestört und auf brutale Weise Tiere getötet.

Mehrere Schweizer Jäger haben im österreichischen Sibratsgfäll (Bregenzerwald) am Mittwoch, 11. Februar 2015, die Wildruhezone gestört und auf brutale Weise Tiere getötet.

Screenshot ORF
Mit einem Quad wie diesem hier haben die Jäger einen Rehbock und zwei trächtige Gämsen durch den eineinhalb Meter tiefen Schnee gejagt, angeschossen und dann verbluten lassen.

Mit einem Quad wie diesem hier haben die Jäger einen Rehbock und zwei trächtige Gämsen durch den eineinhalb Meter tiefen Schnee gejagt, angeschossen und dann verbluten lassen.

Keystone/AP/Jesus Diges
Die Spuren des Pistengeräts sind noch immer zu sehen.

Die Spuren des Pistengeräts sind noch immer zu sehen.

Screenshot ORF

Die Vorwürfe gehen von Wilderei bis hin zu Tierquälerei: Mehrere Schweizer sollen gemeinsam mit einem einheimischen Jagdaufseher vergangene Woche im Gemeindegebiet von Sibratsgfäll im Bregenzerwald in Österreich brutal und illegal gewildert haben. Der Vorfall beschäftigt derzeit die Vorarlberger Staatsanwaltschaft, Polizei und Bezirkshauptmannschaft, wie der «Kurier» schreibt.

«Drei bis vier Jäger, möglicherweise aus der Schweiz, sollen die Grenzen ihres Reviers überschritten haben, für das sie Jagdberechtigungen hatten», sagt Elmar Zech, Chef der Bezirkshauptmannschaft Bregenz, zur Zeitung. Laut ORF haben die Schweizer einen Rehbock und zwei trächtige Gämsen getötet. Was die Gemüter jedoch am meisten erhitzt, ist die Art und Weise der Jagd. «Sie haben die Tiere mit einem Quad von einer Futterstelle heraus durch den Schnee gejagt und abgeknallt», sagt Voralbergs Landesjägermeister Ernst Albrich. Laut Augenzeugen wurden nicht nur Reviergrenzen überschritten, sondern auch Ruhezonen missachtet.

«Aus Tierschutzsicht eine Katastrophe»

Albrich spricht von einer «Riesenschweinerei» und ortet «bei manchen Jägern eine Verrohung und den Verlust der guten Sitten». Aus Tierschutzsicht sei das eine Katastrophe. Es gehöre zu den Grundprinzipien der Jagd, dem Wild so wenig Angst und Schmerz wie möglich zu bereiten. Auch der Bürgermeister Konrad Stafelmann verurteilte das Vorgehen der Jäger scharf. Die Jäger hätten sich weder an die Jagdethik noch an das Recht der Jagd gehalten.

In der Jägerschaft regt sich inzwischen ebenfalls starker Unmut über die Schweizer Jäger und den Jagdaufseher. Für eine Treibjagd im tiefsten Winter fehlt das Verständnis. «In eineinhalb Metern Schnee verfolgten sie das Wild auf einem Pistengerät», so der Augenzeuge und Jäger Reinhold Penz. Von einem fremden Hochsitz sollen sie mehrere Tiere angeschossen und verbluten lassen haben. Für Penz sind die Beschuldigten «Schurken». Zurzeit sollte das Wild aus Gründen des Tierschutzes möglichst in Ruhe gelassen werden. Der Vorfall sei nur die Spitze des Eisbergs.

Entzug der Jagsberechtigung

Der zuständige Landesrat Erich Schwärzler fordert die lückenlose Aufklärung des Vorfalls von Sibratsgfäll. Überprüft wird zudem, ob auch der zuständige Jagdaufseher bei dem Treiben dabei war. Ihm droht wie auch den Schweizern der Entzug der Jagdberechtigung. Die beschuldigten Jäger wollten sich bisher zu den Vorwürfen nicht äussern. Sie sollen sich beim Besitzer der betroffenen Eigenjagd entschuldigt und eine Entschädigung gezahlt haben. Polizeiliche Ermittlungen wurden trotzdem eingeleitet.

Hier gehts zum Beitrag von ORF.

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