Venedig, Paris, Luzern: Schweizer will ganze Städte kopieren, um Übertourismus zu stoppen
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Venedig, Paris, LuzernSchweizer will ganze Städte kopieren, um Übertourismus zu stoppen

Bruno Frey ist der globale Massentourismus ein Dorn im Auge. Der Schweizer Wirtschaftsprofessor schlägt vor, Touristen-Hotspots wie Venedig nachzubauen – und so die richtigen Städte zu entlasten.

von
Reto Heimann
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Ein Schweizer Professor will das Problem des Übertourismus anpacken.

Ein Schweizer Professor will das Problem des Übertourismus anpacken.

imago images/Pacific Press Agency
Tourists in Piazza San Marco square for the Traditional Venice Carnival, Veneto, Italy, Europe PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY ÂMauroFlamini/REDA&CO 1028_11_MFL10572

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Frey fordert: Städte wie Venedig sollten für die Touristen andernorts als Kopie nachgebaut werden.

Frey fordert: Städte wie Venedig sollten für die Touristen andernorts als Kopie nachgebaut werden.

imago images/Filippo Carlot Phot

Darum gehts

  • 1,4 Milliarden Menschen bereisen jährlich als Touristen die Welt.

  • Städte wie Venedig, Paris, Rom oder auch Luzern wurden vor Corona regelrecht von Touristen überrannt.

  • Der Schweizer Professor Bruno Frey fordert deshalb: Die Städte sollen für die Touristen als Kopien nachgebaut werden.

2018 bereisten 1,4 Milliarden Touristen die Welt. 1950 sei diese Zahl erst bei 25 Millionen gelegen. Diesen Vergleich zieht Bruno Frey, emeritierter Schweizer Wirtschaftsprofessor. Das bereitet ihm Sorgen, wie er im Interview mit dem «Spiegel» sagt.

Am Beispiel von Venedig führt Frey aus, welche Probleme der Übertourismus mit sich bringt. Vor der Corona-Pandemie «überrannten an manchen Tagen 130’000 Besucher die Altstadt. Pro Jahr waren es teils über 30 Millionen Touristen», so Frey. Gleichzeitig leben in Venedig nur noch rund 50’000 Menschen.

Gerade jetzt, während der Pandemie, wo der internationale Tourismus zum Erliegen kommt, sei es wichtig, umzudenken, sagt Frey. «Genau jetzt sollten wir die Zeit nutzen, um einen schonenderen Tourismus zu entwerfen», fordert er.

Frey zeichnet die Folgen des Übertourismus nach: «Der Wohnraum wird unbezahlbar teuer, die Lebensqualität sinkt, aber auch der Erlebniswert der Besucher», erklärt Frey. Das grösste Problem – Frey spricht von einer «Zumutung» – seien die Kreuzfahrtschiffe: «450 Schiffe überschwemmen Venedig mit 1,6 Millionen Besuchern jährlich, die aber dort kaum etwas konsumieren, weil sie ja Vollpension an Bord haben.»

«Kopien besser als das Original»

Ähnlich wie Venedig gehe es vielen Städten auf der Welt, die von Touristen nur so überrannt werden. Frey nennt als Beispiele Paris, den Vatikan, Kopenhagen, Salzburg oder auch Luzern. Oft sei es so, dass die einheimische Bevölkerung alles andere als begeistert sei von den Tourismus-Massen. «In der Schweiz macht sich teils Unmut in der ansässigen Bevölkerung breit, wie etwa in Zermatt und Luzern. Die Zufahrtswege zur Rigi oder auf das Jungfraujoch, auf das 900’000 Menschen im Jahr transportiert werden, sind überlastet.» Für Bruno Frey, der bis 2012 Volkswirtschaft in Basel, Chicago und Konstanz lehrte, ist klar: Es muss etwas geschehen.

Frey schlägt vor, die überlaufenen Touristenorte durch Kopien zu ersetzen: «Wir brauchen ein neues Venedig. Das könnte sogar besser sein als das Original, speziell für Touristen entworfen. Man könnte es ganz in der Nähe anlegen, vielleicht sogar an derselben Lagune, das Klima und die Gerüche wären ganz ähnlich», so Frey.

Das hätte laut Frey nur Vorteile: Die Anreise könnte ökologischer durchgeführt werden, die an Ort erlebte Kultur durch Augmented Reality und multimediale Mittel erweitert werden, ist er überzeugt. Er vergleicht seine Idee mit Kopien von Originalen in Museen: «Diese neuen Originale bieten ja oft ein viel intensiveres Erlebnis, man darf sie berühren, sie können elektronisch mit Zusatzinformationen bespielt werden. Die alten Originale dagegen werden oft hinter Vitrinen weggeschlossen, die Besucher müssen Abstand halten, da ist ein riesiges Gedrängel und Geschubse.»

Frey hat die Hoffnung, dass dadurch diejenigen Touristen abgeholt werden könnten, die eh nur für ein Selfie anreisen. Diese würden «in der Kopie mehr erlebt haben als im Original – und zufrieden wieder heimreisen», sagt der Professor.

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82 Kommentare
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NoNicknameIdea

11.02.2021, 19:14

Die Chinesen machen das schon seit jahren

Auf den Mond tschüss.

11.02.2021, 18:23

Diese Art Mensch nimmt sich viel zu wichtig.

Wär chläpft ihm eis

11.02.2021, 11:56

Mann oh Mann....sind das Nebenwirkungen der Coronaimpfung oser des Lockdowns?!