Schweizer Wirtschaft wächst nur verhalten
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Schweizer Wirtschaft wächst nur verhalten

Der Schweizer Wirtschaft fehlen die Impulse für einen kräftigen Wachstumsschub. Gebremst wird sie vor allem von Deutschland, dem wichtigsten Handelspartner.

Die Konjunkturforscher von BAK Basel Economics haben ihre Prognosen daher erneut gesenkt.

Im laufenden Jahr wird das Bruttoinlandprodukt (BIP) demnach bloss um 1,4 Prozent zulegen, wie die BAK-Auguren am Freitag an einem Seminar in Basel bekannt gaben. Anfang Jahr hatten sie noch ein Wachstum von 1,6 Prozent vorhergesagt.

Mit einer Beschleunigung ist erst nächstes Jahr zu rechnen. Die BAK erwartet 2006 ein BIP-Wachstum von 1,6 Prozent. Anfang Jahr war eine Expansionsrate von 1,8 Prozent in Aussicht gestellt worden.

Pessimistischer als Zürcher KOF

Die Basler Konjunkturforscher haben ihre Erwartungen bereits im Januar und im Oktober letzten Jahrs zurückgeschraubt. Nun zeigen sie sich sogar pessimistischer als die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF).

Die KOF senkte ihre Prognose für 2005 am Donnerstag von 1,8 auf 1,6 Prozent. Einiges zuversichtlicher sieht die KOF hingegen die Aussichten für 2006: Sie hob ihre BIP-Schätzung von 1,5 auf 2,1 Prozent an.

Im Unterschied zur KOF würden die Aussichten für die Euro-Zone, namentlich für Deutschland, negativer beurteilt, sagte BAK-Direktor Christoph Koellreuter. Pessimistischer sei man auch mit Blick auf die Staatsausgaben, von denen kaum Impulse erwartet würden.

Nach Ansicht der Basler Ökonomen dürften auch die hohen Ölpreise das Wachstum stärker bremsen, als es ihre Zürcher Kollegen befürchten. Laut Koellreuter werden die Ölpreise aber bis Ende 2006 wieder zurückgehen - bei dieser Einschätzung sind sich die beiden Institute einig.

Export-Industrie verliert Dynamik

Die von der BAK erwartete schwächere Nachfrage aus der Euro-Zone wird sich direkt auf die Schweizer Exportindustrie auswirken. Die Dynamik lasse deutlich nach, sagte Ökonom Alexis Körber. Auch bei den Investitionsgütern schwäche sich die Entwicklung ab.

Das Wachstumspotenzial der privaten Konsumausgaben sei begrenzt, sagte Körber weiter. Er verwies auch die nur zögerliche Erholung auf dem Arbeitsmarkt und die verhaltene Entwicklung der Einkommen.

BAK Basel Economics geht für 2005 von einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 3,7 Prozent aus, nach 3,9 Prozent im letzten Jahr. Erst 2006 ist eine Abnahme auf 3,4 Prozent zu erwarten. Dann dürfte auch der private Konsum die Wirtschaft wieder stärken, neben den Ausrüstungsinvestitionen.

Sorgen wegen US-Bilanzdefizit

Trotz des Wachstums sei «kein grosser Optimismus» angebracht, sagte Koellreuter und verwies auf die Risiken. Neben den Ölpreisen, die in den USA der Konsumentenstimmung zusetzen könnten, habe das US-Zahlungsbilanzdefizit «eine beängstigende Höhe erreicht».

Der Fehlbetrag, der bereits knapp 6 Prozent des BIP beträgt, ist laut Koellreuter langfristig nicht zu finanzieren. Die Gefahr, dass der Dollar noch stärker ins Rutschen kommen könnte, laste auf der gesamten Weltwirtschaft. - «Unsere Prognosen stehen und fallen mit den USA», machte Körber deutlich. (sda)

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