Schweizer WM-Lager: Lustrinelli ist frustriert
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Schweizer WM-Lager: Lustrinelli ist frustriert

Schlechte News aus dem Schweizer WM-Lager: Stürmer Mauro Lustrinelli ist mit seiner Rolle unzufrieden. Er wirft Nati-Coach Köbi Kuhn sogar Ungerechtigkeit vor.

Die guten News aus dem Schweizer WM-Lager zuerst: Philippe Senderos hat sich nach seiner Oberschenkelzerrung völlig erholt. Auch Verteidiger Valon Behrami nahm am Training teil, ist aber nach Angaben von Teamsprecher Pierre Benoit erst zu 95 Prozent fit.

Die Kunde vom Rücktritt Otto Pfisters erreichte das Schweizer WM-Camp bereits frühmorgens. Gross thematisiert wurde das Chaos à la Togo nicht. «Ich gehe nicht davon aus, dass sie deswegen schwächer sind als vorher», kommentierte Köbi Kuhn den Abgang von Pfister lakonisch. Alex Frei, der von französischen Journalisten umlagerte Starstürmer der Schweizer, interessierte das Theater im Lager der Afrikaner nicht. «Wir haben es erfahren, aber es ist im Team überhaupt kein Thema. Von Interesse ist nur das Spiel gegen die Franzosen. Mit den Problemen der anderen befasse ich mich nicht», stellte Frei klar. Nationalcoach Kuhn sah es wie Frei. Eine «wunderbare» Geschichte sei es gewiss, aber «sie interessiert uns jetzt nicht». Der Zürcher wirkte beim Austausch mit den Journalisten gelassen. Auch das Bulletin der ärztlichen Abteilung brachte ihn nicht aus der Ruhe. Die (zu) geringen Fortschritte von Valon Behrami beunruhigen ihn nicht - noch nicht. Eine weitere MRI-Untersuchung soll Klarheit bringen, ob der an einer Adduktorenentzündung leidende Tessiner am Dienstag einsatzbereit ist.

«Das war nicht in Ordnung»

Fast nichts trübt derzeit die Atmosphäre im Camp der Schweizer. Nur einer gibt zu, dass er schon erfreulichere Zeiten erlebt habe: Mauro Lustrinelli. Keine Minute Einsatzzeit bekam der in Prag engagierte Stürmer in den drei Testspielen vor der WM zugestanden. Damit hatte der 30-Jährige nicht gerechnet. «Ich weiss, dass ich hinter Alex (Frei) und Marco (Streller) die Nummer 3 bin. Aber Kuhn erklärte öffentlich, er werde in der Vorbereitung alle einsetzen. Das war nicht in Ordnung.»

Mit dem gebrochenen Versprechen bekundet Lustrinelli nach wie vor Mühe, den Meinungswechsel Kuhns empfindet er gar als Respektlosigkeit. Deshalb habe er das Gespräch mit dem Trainer gesucht. Er wollte wissen, was Kuhn sich dabei überlegt hatte. «Es war ein ehrliches Gespräch. Aber eine klare Erklärung habe ich nicht erhalten.» Man spürt beim obligaten Medientermin, wie sehr ihm seine undefinierte Rolle im Team zu schaffen macht.

Lustrinelli müht sich weiterhin täglich ab. Gefreut haben ihn die positiven Worte der Copains, geholfen hat ihm vor dem Transfer nach Deutschland das Gespräch mit seinem Mentalcoach Giovanni Besomi. «Ich akzeptiere die Situation nun einfach als Profi. Aber ich habe auch ein Herz.» Und das Herzproblem mag Lustrinelli gar nicht wegdiskutieren. «Es ist schwierig, immer bereit zu stehen», gibt er zu. (dapd)

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