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UmfrageSchweizer wollen einfacher in die Höhe bauen

Dem Nein zur Zersiedelungsinitiative zum Trotz: Eine Mehrheit will die Bauvorschriften lockern, um das verdichtete Bauen zu erleichtern.

von
daw
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Die Schweizer sprechen sich dafür aus, bessere Voraussetzungen für ein verdichtetes Bauen zu schaffen: 61 Prozent sind der Meinung, dass dafür die Bauvorschriften gelockert und das Einspracherecht eingeschränkt werden sollen.

Die Schweizer sprechen sich dafür aus, bessere Voraussetzungen für ein verdichtetes Bauen zu schaffen: 61 Prozent sind der Meinung, dass dafür die Bauvorschriften gelockert und das Einspracherecht eingeschränkt werden sollen.

Keystone/Steffen Schmidt
Während die Zersiedelungsinitiative bloss auf links-grüner Seite auf Sympathie stiess, kommt eine Liberalisierung der Bauvorschriften laut der Umfrage auch bei bürgerlichen Wählern an.

Während die Zersiedelungsinitiative bloss auf links-grüner Seite auf Sympathie stiess, kommt eine Liberalisierung der Bauvorschriften laut der Umfrage auch bei bürgerlichen Wählern an.

Keystone
In Münsingen BE wollte ein Bauherr ein Wohnhaus von vier auf fünf Stöcke erhöhen. Das Projekt scheiterte: Die Mehrheit der Einwohner sprach sich im November des vergangenen Jahres gegen eine Änderung des Baureglements aus.

In Münsingen BE wollte ein Bauherr ein Wohnhaus von vier auf fünf Stöcke erhöhen. Das Projekt scheiterte: Die Mehrheit der Einwohner sprach sich im November des vergangenen Jahres gegen eine Änderung des Baureglements aus.

Nicht-hoeher.ch

In Münsingen BE wollte ein Bauherr ein Wohnhaus von vier auf fünf Stöcke erhöhen. Das Projekt scheiterte: Die Mehrheit der Einwohner sprach sich im November des vergangenen Jahres gegen eine Änderung des Baureglements aus.

Solche Fälle sollte es nach Ansicht einer Mehrheit nicht mehr geben: So spricht sich in einer Umfrage von Tamedia eine Mehrheit von 61 Prozent dafür aus, dass einfacher in die Höhe gebaut werden kann – durch eine Lockerung der Bauvorschriften oder weniger Einspracherechte.

Während die Zersiedelungsinitiative, die einen Bauzonenstopp verlangte, bloss auf links-grüner Seite auf Sympathie stiess, kommt eine Liberalisierung der Bauvorschriften laut der Umfrage auch bei bürgerlichen Wählern an.

«Gewisse Gesetze müssen vereinfacht werden»

«Die Umfrage zeigt, dass die Bevölkerung nicht gegen eine Verdichtung der Quartiere gegen innen ist», sagt Luzian Franzini, Co-Präsident der Jungen Grünen. Tatsächlich seien die Bauvorschriften in vielen Kantonen und Gemeinden heute zu rigide: «Gewisse Gesetze müssen vereinfacht werden. Wir brauchen nachhaltige Quartiere mit höheren Ausnutzungsziffern.»

Ideal seien 5- bis 6-stöckige Wohnhäuser, wodurch das Ortsbild nicht verschandelt werde. Die demokratischen Mitspracherechte von Bevölkerung und Verbänden will er dagegen nicht einschränken: «Gute Projekte intelligenter Architekten, die auch bezahlbaren Wohnraum schaffen, finden eine Mehrheit.»

«Wird eigene Aussicht zugebaut, ändert man Meinung»

Auch Matthias Engel, Sprecher des Baumeisterverbands, sagt: «Verdichtetes Bauen muss einfacher werden. Solche Projekte haben immer wieder hohe Hürden zu nehmen.» Wolle man verdichtet bauen, sei dies vor allem eine Frage des politischen Willens, nicht der Mitspracherechte: «Um Bauverordnungen zu ändern oder Blockaden durch Einsprachen zu verhindern, muss das Umdenken in den Köpfen stattfinden.» Auch die Politik müsse mitspielen: «Gerade links-grüne Kreise bekämpfen immer wieder mustergültige Verdichtungsprojekte.»

Nick Raduner, der den Widerstand in Münsingen gegen die Aufstockung des Hauses organisiert hat, sagt zum Resultat: «In einer Umfrage kann man sich leicht für höheres Bauen aussprechen. Wird aber die eigene Aussicht zugebaut oder liegt der eigene Balkon plötzlich wegen eines hohen Gebäudes im Schatten, wird die Meinung schnell geändert.» In Münsingen etwa führe die Verdichtung dazu, dass insbesondere die Strassen-Infrastruktur nicht Schritt halten könne. «Unter der Verdichtung leidet die Lebensqualität. Darum ist es richtig, dass die Einwohner in jeder Gemeinde mitreden können.»

Zur Umfrage

10'162 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 8. und 10. Februar online an der Tamedia-Nachbefragung zur eidgenössischen Abstimmung vom Wochenende teilgenommen. Die Umfragen werden in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 2,2 Prozentpunkten. Weitere Informationen zu den Tamedia-Umfragen gibts hier.

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