Schweizer wollen Härte - aber auch mehr Erziehung
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Schweizer wollen Härte - aber auch mehr Erziehung

Junge Ausländer, die schwere Straftaten begangen haben, sollen ohne Verzug ausgeschafft werden. Diese Haltung vertreten laut einer Umfrage 69 Prozent der Schweizer Bevölkerung. Jeder Zweite findet nebst Strafen auch die Erziehung wichtig.

Für die im «SonntagsBlick», «Le Matin Dimanche» und «Il Caffe» publizierte Umfrage hat das Institut Demoscope am 6. und 7. Februar 913 Personen befragt - wenige Tage, nachdem am Karneval von Locarno ein 22-jähriger Tessiner Student zu Tode geprügelt worden war.

Die drei mutmasslichen Täter sind zwischen 19 und 21 Jahre alt. Zwei stammen aus Bosnien und einer aus Kroatien, wobei zwei einen Schweizer Pass haben.

Auf die Frage, ob man ausländische Jugendliche nach schweren Straftaten ausweisen soll, sprechen sich 69 Prozent für «Sofort ausweisen» aus, 26 Prozent äussern sich dagegen, 5 Prozent machten dazu keine Angabe. Die Zustimmung zur sofortigen Ausweisung ist in der Deutschschweiz mit 72 Prozent höher als im Tessin (67 Prozent) und in der Romandie (60 Prozent).

Strafen allein genügt den Befragten aber nicht: 50 Prozent sprechen sich dafür aus, nicht nur zu strafen, sondern auch zu erziehen. Nur 23 Prozent sehen in härteren Strafen das Mittel gegen Jugendgewalt. 21 Prozent meinen, auch die Eltern müssten bestraft werden.

Mehrheit fühlt sich nicht bedroht

Eine Mehrheit sieht die öffentliche Sicherheit nicht in Gefahr. 59 Prozent sind der Meinung, dass die Polizei die öffentliche Sicherheit aufrechterhalten kann. 30 Prozent traut dies der Polizei nicht zu, 11 Prozent äusserten dazu keine Meinung.

Fast drei Viertel gehen abends ohne Unbehagen auf die Strasse. 51 Prozent der Befragten fühlen sich am Abend und in der Nacht draussen «ziemlich sicher», 22 Prozent sogar «sehr sicher». «Ziemlich unsicher» fühlen sich 21 Prozent, «sehr unsicher» 3 Prozent.

Die Frauen fühlen sich jedoch unsicherer: Während sich bei den Männern nur 12 Prozent ziemlich oder sehr unsicher fühlen, erreicht dieser Anteil bei den Frauen 34 Prozent.

Tatsächlich Opfer von Jugendgewalt wurden aber nur wenige. 4 Prozent der Befragten gaben an, je von einem Jugendlichen attackiert geworden zu sein. Höher liegt der Anteil bei der Altersgruppe der 15- bis 34-Jährigen (9 Prozent) und bei den Männern (7 Prozent).

Die Fehlerquote der Umfrage liegt bei +/- 3,3 Prozent. (sda)

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