Regulierungswahn: Schweizer wollen keine weiteren Verbote
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RegulierungswahnSchweizer wollen keine weiteren Verbote

Nach dem Rauchverbot in der Öffentlichkeit könnte dem blauen Dunst nun sogar auf Privatpartys das Aus drohen. Dabei gibt es schon genügend Verbote in der Schweiz, finden die User von 20 Minuten Online.

von
hes

Als absoluten «Hirnpups» würde die überwiegende Mehrheit der Bürger in der Schweiz die restriktive Auslegung des Rauchverbots bezeichnen, nach der auch Privatpartys von dem Verbot betroffen wären. So finden 88 Prozent «was ich zuhause mache, geht niemanden was an». Überhaupt wollen die Eidgenossen keine weiteren Regeln mehr und finden, dass die Freiheit schon mehr als genug eingeschränkt wird. Das zumindest ist das Ergebnis einer nicht repräsentativen Web-Umfrage von 20 Minuten Online.

Verbote verbieten

Essen im Tram, Betteln, Botellones und sogar Sterben auf Wunsch – für fast alle möglichen und unmöglichen Bereiche des Lebens gibt es Regeln und somit zwangsläufig auch Verbote. «Es reicht!», ist daher auch der vorherrschende Tenor. Wenn sie könnten, würden die Teilnehmer daher auch nur noch ein einziges Verbot erlassen: neue Verbote in das Gesetzbuch aufzunehmen. 58 Prozent sind der Meinung, dass in der Schweiz bereits zuviel gemassregelt, bevormundet und untersagt wird. Nur 17 Prozent gaben an, dass hierzulande noch zu viele Missstände herrschen, die es mit Hilfe des Gesetzes auszubügeln gilt.

Von wegen Bünzli

Wie tolerant die Schweiz wirklich ist, zeigt sich auch bei vielen Fragen des Alltags. So polarisiert das Stillen in der Öffentlichkeit zwar und wird immer wieder diskutiert, dennoch scheiden sich hier die Geister weniger als erwartet. 86 Prozent der User finden, dass das die natürlichste Sache der Welt ist und stören sich überhaupt nicht am Anblick eines mehr oder minder entblössten Busens. Ebenso kann die Schweinegrippe nur bedingt mehr Befürworter für Verbote finden: 57 Prozent der Umfrageteilnehmer wollen gesetzlich verpflichtend vorschreiben lassen, dass die Hand beim Husten oder Niesen gefälligst vors Gesicht zu halten ist.

Wenn's sein muss, dann auch Macchiato

Die Leser zeigen sich aber nicht nur offen, sondern auch humorvoll. So sind neun von zehn Befragten trotz langer Schlangen vor dem Kaffeeautomaten der Kantine oder in den Cafés dafür, dass auch weiterhin Latte Macchiato angeboten wird. Die Befürworter für einen «Rülps- und Nasenbohr-Paragraphen» im Gesetzbuch befinden sich ebenfalls in der Minderheit (15 Prozent resp. 29 Prozent). Und auch wenn es mehr als eklig ist, wenn der Zeigefinger des Nebensitzers im Tram tief in dessen Nase verschwindet und einen grossen Böög zu Tage fördert, sind 71 Prozent gegen ein entsprechendes Verbot. Ob aus Eigenschutz oder aus Verständnis: Ein Seitensprung-Verbot kommt ebenfalls nicht in die Tüte. 77 Prozent sind der festen Meinung: «Wer fremdgehen will, soll das auch tun dürfen.»

Freiheit für Stehpinkler

Bei der Umfrage wurden insgesamt 1808 Leser befragt, darunter 1269 Männer und 539 Frauen. Letztere stimmten wohl auch geschlossen für ein Pinkelverbot im Stehen: Weil es meist die Frauen sind, die den Männern hinterherputzen müssen, wären 30 Prozent dafür, dass sich die Herren der Schöpfung nicht nur für grosse, sondern auch für kleinere Geschäfte hinsetzen müssen. Die Männer kontern prompt: Sieben von zehn sind der Überzeugung, dass Frauen es auch tun würden, wenn sies könnten. Somit wird auch mit dem Stehpinkel-Verbot auf absehbare Zeit wohl eher nichts – es sei denn, es wird dabei geraucht.

Die ausführlichen Umfrage-Ergebnisse finden Sie hier.

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