Verrückte Rallye-Dakar-Teilnahme – Schweizer wollen mit russischem Oldtimer durch die arabische Wüste rasen
Publiziert

Verrückte Rallye-Dakar-Teilnahme Schweizer wollen mit russischem Oldtimer durch die arabische Wüste rasen

Mit einem alten, umgebauten Lada wollen zwei Schweizer Anfang Jahr bei der legendären Rallye Dakar an den Start gehen. Bei ihrem Projekt kann das Duo sogar auf die Unterstützung des russischen Fernsehens zählen.

von
Lucas Werder

Mit diesem Lada wollen Mario Jacober und Sladjan Miljic an der Rallye Dakar starten.

alpineracer.ch

Darum gehts

  • Mario Jacober (44) und Sladjan Miljic (28) starten am 2. Januar bei der Rallye Dakar.

  • In nur einem Jahr haben die beiden Schweizer ihren Traum verwirklicht.

  • Von der Schweiz aus hat das Duo einen Lada in Russland umgebaut.

  • Dort hatten die Rallye-Fans sogar bereits einen TV-Auftritt.

Es ist das Abenteuer ihres Lebens. Am 2. Januar starten die beiden Schweizer Mario Jacober (44) und Sladjan Miljic (28) am saudi-arabischen Hail zur 44. Ausgabe der legendären Rallye Dakar. Das Spezielle daran: Die beiden Hobby-Rennfahrer nehmen die 8500 Kilometer Sand und Wüste in einem russischen Lada aus dem Jahr 1984 in Angriff. «Ich habe schon verrückte Sachen gemacht», sagt Co-Pilot Miljic zu 20 Minuten. «Aber das ist nochmals eine ganz andere Sache!»

Auf die verrückte Idee gekommen ist Fahrer Jacober erst im Januar dieses Jahres. Beim Eisfischen in Russland bei minus 35 Grad fielen dem Zürcher die vielen alten Lada-Autos auf. Sofort fragte sich der Rallye-Fan, ob die Oldtimer neben der sibirischen Kälte auch der arabischen Wüste standhalten würden. Die Idee einer Dakar-Teilnahme war geboren.

Auftritt im russischen TV

Innerhalb von wenigen Wochen planten und konstruierten die beiden den Umbau ihres Rallye-Autos in einer russischen Werkstatt – aus der Schweiz. «Mit unzähligen E-Mails, Video-Calls und Whatsapp-Nachrichten hat das alles irgendwie geklappt», erklärt Pilot Jacober. Im Juni reisten beide nach Russland und konnten sich selbst ein Bild ihres fertiggebauten Fahrzeugs machen. Verrückt: Zu diesem Zeitpunkt wissen Jacober und Miljic noch gar nicht, ob sie überhaupt zur wohl berühmtesten Rallye der Welt zugelassen werden. «Wir haben schon etwas gepokert», gibt der Beifahrer zu.

Nach den ersten Testfahrten landeten die beiden Schweizer im russischen TV. «Von da an ging unser Projekt plötzlich viral», erzählt Jacober. Das Duo war sogar plötzlich im Staatsfernsehen zu sehen und wurde so berühmt, dass der Automobilhersteller Lada selbst auf die Schweizer aufmerksam wurde. Mittlerweile ist das Unternehmen Hauptsponsor des Projekts.

8500 Kilometer in zwölf Tagen

Als Dakar-Hauptprobe überführten die beiden im September das Auto selbst innert sechs Tagen aus dem 3500 Kilometer entfernten Toljatti in die Schweiz. «Schon die ganze Planung und Entwicklung des Autos war für uns ein riesiges Erlebnis», schwärmt Miljic. Vor drei Wochen haben er und sein Renn-Partner ihren Lada nun über Marseille nach Saudi-Arabien verschifft.

Ende Dezember reisen Miljic und Jacober selbst nach Dschidda, am 2. Januar beginnt dann das grosse Abenteuer endgültig. Auf die Schweizer wartet ein regelrechtes Monsterprogramm: Innert zwölf Tagen wollen sie die 8500 Kilometer lange Strecke bewältigen. «Nach den Etappen werden wir jeden Tag das Auto kontrollieren müssen und gegebenenfalls Reparaturen vornehmen», erklärt Miljic. Geschlafen wird im Zelt. Mit Spannung wird das Rennen der beiden auch in Russland verfolgt werden. Täglich werden die beiden von einer russischen Journalistin interviewt werden, welche das Duo in Saudi-Arabien begleitet.

1 / 7
Sladjan Miljic (28) und Mario Jacober (44) starten an der Rallye Dakar.

Sladjan Miljic (28) und Mario Jacober (44) starten an der Rallye Dakar.

alpinracer.ch
Mit ihrem 37 Jahre alten Lada gehen sie beim traditionsreichen Rennen an den Start.

Mit ihrem 37 Jahre alten Lada gehen sie beim traditionsreichen Rennen an den Start.

alpinracer.ch
So sah das russische Auto vor dem Umbau aus.

So sah das russische Auto vor dem Umbau aus.

zvg

Doch wie gefährlich kann das Rennen für das Duo werden? Über 60 Menschen sind seit der Premiere 1979 bei der Rallye Dakar ums Leben gekommen. Der polnische Motorradfahrer Michal Hernik beispielsweise verdurstete 2015 in der Wüste Westargentiniens. «In Saudi-Arabien wird es im Winter tagsüber nur 25 bis 30 Grad heiss», sagt Jacober. Das Auto sei zudem mit GPS und einem Notfall-Knopf ausgerüstet.

Viel mehr sorgt sich der 28-Jährige um die Müdigkeit. «Verfährst du dich an einem der ersten Tage, kommst du später ins Etappenziel», erklärt der Co-Pilot. Dadurch bleibe nur wenig Zeit fürs Schlafen übrig. «Die meisten Unfälle passieren dadurch nach den ersten fünf bis sechs Tagen.» Zudem könnte auch ein positiver Corona-Test den grossen Traum von der Rallye-Teilnahme noch platzen lassen. Damit das nicht passiert, begeben sich die beiden Lada-Fans über die Feiertage in Isolation.

Für ihre Dakar-Premiere haben sich die beiden ein klares Ziel gesetzt. «Wir wollen das Rennen beenden!», zeigt sich Miljic zuversichtlich. Daneben gälte es vor allem möglichst viel Erfahrung zu sammeln. «Ein Platz im vorderen Drittel unserer Kategorie wäre natürlich ein Riesen-Erfolg.» Sollte es beim Debüt noch nicht klappen, winkt bereits die nächste Chance. Das Rennen von 2023 haben sich die Schweizer bereits dick im Kalender angestrichen.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

52 Kommentare