Aktualisiert 01.06.2018 14:33

Comparis-UmfrageSchweizer wollen viel mehr Organe spenden

Gemäss einer Umfrage befürwortet eine Mehrheit der Schweizer die automatische Organspende. Das hiesse, dass jeder zum Spender wird, der nicht zeitlebens ausdrücklich widersprochen hat.

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dk/ak
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Jede Woche sterben hierzulande bis zu zwei Personen, weil es zu wenig Organspender gibt.

Jede Woche sterben hierzulande bis zu zwei Personen, weil es zu wenig Organspender gibt.

Keystone/Christian Beutler
Dass die Schweizer grundsätzlich bereit wären, ihre Organe zu spenden, zeigt nun eine Comparis-Umfrage: 63 Prozent der Befragten befürworten eine Verfassungsänderung hin zur sogenannten Widerspruchslösung, bei der Personen explizit eine Organspende ablehnen müssen.

Dass die Schweizer grundsätzlich bereit wären, ihre Organe zu spenden, zeigt nun eine Comparis-Umfrage: 63 Prozent der Befragten befürworten eine Verfassungsänderung hin zur sogenannten Widerspruchslösung, bei der Personen explizit eine Organspende ablehnen müssen.

Keystone/Peter Klaunzer
Das hiesse, dass alle volljährigen Personen in der Schweiz als potenzielle Organ- und Gewebespender gelten würden – es sei denn, sie hätten zu Lebzeiten ihre Ablehnung geäussert.

Das hiesse, dass alle volljährigen Personen in der Schweiz als potenzielle Organ- und Gewebespender gelten würden – es sei denn, sie hätten zu Lebzeiten ihre Ablehnung geäussert.

Keystone/Gaetan Bally

1413 Schweizer warten momentan auf ein geeignetes Spenderorgan. Sie benötigen eine passende Lunge, Niere oder ein kompatibles Herz. Letztendlich warten sie darauf, dass jemand stirbt - hoffend auf eine Person mit Organspendeausweis. Die durchschnittliche Wartezeit beträgt rund ein Jahr - für viele ein Todesurteil. Jede Woche sterben hierzulande bis zu zwei Personen, weil es zu wenig Organspender gibt.

Dass die Schweizer grundsätzlich bereit wären, ihre Organe zu spenden, zeigt nun eine Online-Umfrage mit 1002 Teilnehmern von Market Agent im Auftrag von Comparis: 63 Prozent der Befragten befürworten eine Verfassungsänderung hin zur sogenannten Widerspruchslösung, bei der Personen explizit eine Organspende ablehnen müssen. Das hiesse, dass alle volljährigen Personen in der Schweiz als potenzielle Organ- und Gewebespender gelten würden – es sei denn, sie hätten zu Lebzeiten ihre Ablehnung geäussert.

«Nutzen statt Würde»

Für die Ethikerin und Theologin Ruth Baumann-Hölzle der Stiftung Dialog Ethik nehme das Vorgehen der Widerspruchslösung eine gravierende Persönlichkeitsverletzung in Kauf: «Man geht das Risiko ein, jemanden Organe zu entnehmen, der dies gar nicht gewollt hat.» In einem demokratischen Staat sollte der Staat die Integrität seine Bürger eigentlich schützen. Mit der Widerspruchslösung passiere aber genau das Gegenteil. «Grundsätzlich lässt sich ein solches Vorgehen nicht mit den schweizerischen Grundwerten vereinbaren.»

Es werde immer wieder versucht, mit Regeländerungen die Möglichkeiten der Organentnahme zu erweitern. Dabei würden auch rote Linien überschritten. Dass laut Umfrage eine Mehrheit der Schweizer trotzdem hinter einer Änderung geltender Regelungen steht, ist für sie besorgniserregend. Viele würden es nicht bemerken, wenn ihre Selbstbestimmungsrechte Stück für Stück unterlaufen würden. «Menschenrechte bedeuten ‹Würde statt Nutzen›, heute wird der Nutzen der Menschen zunehmend über ihre Würde gestellt», sagt Baumann.

«Angehörige kennen Willen des Verstorbenen nicht»

Franz Immer, Direktor von Swisstransplant, äussert sich hingegen erfreut über die Ergebnisse der Umfrage: «Ich bin positiv überrascht, dass sich die Befragten nicht von der Angstmacherei der Kritiker beeinflussen liessen.» Schliesslich sei der Begriff «automatische Organspende» irreführend, weil er impliziere, dass jemandem ohne Einverständnis die Organe entnommen werden.

«Mit der Möglichkeit, der Organspende zu widersprechen, würde die Situation für jeden Einzelnen und für die Angehörigen ungleich klarer als heute», sagt Immer.

Denn auf 100 Personen, die eigentlich ihre Organe spenden wollten, fänden die Ärzte nur etwa fünf Spenderausweise. Bei den restlichen 95 entscheide dann die Familie. Da diese den Willen des Verstorbenen in mehr als der Hälfte der Fälle nicht kennen würden, sprächen sie sich mehrheitlich gegen eine Organspende aus. «In vielen Fällen entspricht das wahrscheinlich nicht dem Willen des Toten.»

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