Detailhandel: Schweizer zahlen trotz Parallelimport viel mehr
Aktualisiert

DetailhandelSchweizer zahlen trotz Parallelimport viel mehr

Weil ein Lieferant die Preise nicht senken wollte, importiert Coop Haarpflegeprodukte selbst. Trotzdem zahlt man in der Schweiz immer noch drauf.

von
K. Wolfensberger

Coop geht auf Konfrontationskurs mit dem deutschen Kosmetikhersteller Schwarzkopf Henkel. Da Preisverhandlungen mit dem Lieferanten nichts gebracht haben, importiert Coop die Artikel jetzt parallel – sprich auf eigene Faust statt über den offiziellen Vertriebsweg. Dadurch sinken die Preise für alle Shampoos und Spülungen der Marke Syoss um 20 Prozent. Es handle sich um eine «Massnahme gegen die ungerechtfertigten Preisunterschiede zum benachbarten Ausland», schreibt Coop in einer Mitteilung.

Bei erfolglosen Verhandlungen mit Lieferanten will Coop auch in Zukunft vermehrt Parallelimporte (siehe Box) als Druckmittel verwenden. Neben Syoss wurden auch schon die Produkte von Neutrogena Ende November 2015 dank Parallelimporten etwa 40 Prozent günstiger.

In Deutschland trotzdem günstiger

Doch trotz Parallelimporten bleiben die Preisunterschiede zwischen der Schweiz und dem benachbarten Ausland gross. So kostet eine Flasche Syoss Shampoo Volume Lift à 500 ml bei Coop neu 4.85 Franken statt wie vorher 6.10 Franken. Im Online-Shop der deutschen Drogerie DM kostet sie 1.75 Euro. Dasselbe Produkt ist bei Coop somit immer noch mehr als doppelt so teuer wie bei DM. Eine Neutrogena-Handcreme kostet 4.95 Franken bei Coop versus 2.85 Euro im Online-Shop von DM.

Dass die Preise – trotz Parallelimporten – immer noch derart auseinanderklaffen, hat laut Coop-Sprecher Urs Meier vor allem einen Grund: Da man die Produkte nicht auf dem offiziellen Vertriebsweg kaufe, erhalte man nicht die gleich guten Konditionen wie etwa DM. Deshalb beziehe man Produkte grundsätzlich lieber über den offiziellen Kanal und verhandle mit den Herstellern direkt – meist mit Erfolg. Meier sagt, man habe seit Anfang 2015 die Preise von über 3000 Artikel reduzieren können.

Maximal 30 Prozent Unterschied

Die Stiftung für Konsumentenschutz begrüsst die neuste Preissenkung bei Coop: «Dass sich Parallelimporte lohnen, zeigt, dass die Hersteller versuchen, Schweizer Detailhändlern überhöhte Preise aufzuzwingen», sagt ein Sprecher. Beim Konsumentenforum (KF) heisst es derweil, man hoffe auf Nachahmer und mehr Parallelimporte – und damit günstigere Preise.

Wo bei den Schweizern die Schmerzgrenze bei den Preisunterschieden zum Ausland liegt, zeigt eine aktuelle Umfrage des KF. Mit Blick auf die höheren Schweizer Löhne schätzten 32,2 Prozent der Befragte einen 10-Prozent-Unterschied als angemessen ein. Für knapp 30 Prozent sind 20 Prozent höhere Preise noch annehmbar. Nur noch 10 Prozent könnten mit 30 Prozent Preisunterschied leben. Noch höhere Preisunterschiede sind für die Schweizer nicht mehr akzeptabel. Grundsätzlich wünschen sich 8,5 Prozent der Befragten gleich hohe Preise wie in Deutschland.

Auch Denner importiert parallel

Coop ist nicht der einzige Schweizer Detailhändler, der auf Parallelimporte zurückgreift. Der Discounter Denner hat schon Ferrero-Schoggi, Coca-Cola, Nescafé, Elmex sowie verschiedene Parfüms auf diesem Weg beschafft. Denner-Sprecher Thomas Kaderli erklärt, dass der Parallelimport aber nur das letzte Mittel im Kampf gegen hohe Preise sei, weil damit ein komplexer Beschaffungsprozess und ein logistischer Mehraufwand verbunden sei. Bedingung sei auch: Die Produkte müssen mit einem vertretbaren Aufwand beschafft und gemäss Schweizer Vorschriften verkauft werden können. Gleich tönt es bei der Migros, die aktuell aber keine Produkte kontinuierlich parallel importiert.

Was sind Parallelimporte?

Parallelimport sind der gewerbliche Import von im Ausland produzierten Waren auf einem Vertriebsweg, der nicht vom Hersteller autorisiert wurde. Das Vertriebsnetz des Herstellers im Inland wird dabei absichtlich umgangen, weil sich die Ware im Ausland aufgrund der Preispolitik des Herstellers oder steuerlichen Unterschieden günstiger kaufen lässt.

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