Einbürgerungs-Studie: «Schweizer zu sein muss eine Ehre bleiben»
Aktualisiert

Einbürgerungs-Studie«Schweizer zu sein muss eine Ehre bleiben»

Eingebürgerte Migranten integrieren sich besser. Muss deshalb die Einbürgerungsfrist gekürzt werden? Darin sind sich linke und bürgerliche Politiker uneins.

von
B. Zanni
Vor allem Gruppen, die mit den stärksten Vorurteilen zu kämpfen haben, hilft der Schweizer Pass auf die Sprünge.

Vor allem Gruppen, die mit den stärksten Vorurteilen zu kämpfen haben, hilft der Schweizer Pass auf die Sprünge.

Der rote Pass hilft Migranten, sich besser in die Gesellschaft einzufügen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie. Demnach sind eingebürgerte Migranten sozial viel besser integriert als nicht eingebürgerte.

Dominik Hangartner, Politikwissenschaftler an der Universität Zürich und der London School of Economics und Mitautor der Studie, stellt auch fest, dass es in der Schweiz im europäischen Vergleich lange geht, bis sich ein Immigrant einbürgern lassen kann. Er leitet daraus folgende Empfehlung ab: «Die Studie zeigt, dass sich eine gewisse Reduktion positiv auf die Integration und damit für die gesamte Bevölkerung auswirken kann.»

«Wir werden die Studie prüfen»

Linke Politiker fühlen sich in den Resultaten bestätigt. SP-Nationalrätin Barbara Gysi sieht aufgrund der Studie weiteren Handlungsbedarf. «Im Nationalrat werden wir die Studie interessiert prüfen und uns eventuell für eine weitere Reduktion der Frist einsetzen», sagt Gysi. Auch mache sie sich dafür stark, dass die Wohnsitzfristen für die ordentlichen Einbürgerungen in den Kantonen gesenkt wird.

Das Studienresultat freue sie und bestätige, dass es sich lohne, Migranten aktiv einzubinden. «Migranten, die eingebürgert wurden, fühlen sich in der Schweiz willkommener», sagt Gysi. An jeder Standaktion begegne sie zudem einigen, die gern abstimmen würden, aber nicht können.

«Migranten früher waren keine Schmarotzer»

Die bürgerliche Seite betrachtet die Studienresultate kritisch. Diese würden noch lange nicht bedeuten, dass in der Schweiz jetzt möglichst viele Migranten eingebürgert werden müssten, sagt SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner. «Die Migranten, die vor 15 Jahren eingebürgert wurden, suchten hier auf ehrliche Weise Arbeit und waren keine Schmarotzer wie die heutigen Wirtschaftsflüchtlinge.»

Anstatt einer tieferen Hürde für den Erhalt des roten Passes fordert der SVP-Politiker eine Erhöhung: «Will jemand den Schweizer Pass, muss er kämpfen und arbeiten. Schweizer zu sein, muss eine Ehre bleiben.»

Die vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie stammt von Forschern der Universitäten Zürich, Stanford und Mannheim. Die Autoren verglichen Migranten, die die Schweizer Staatsbürgerschaft vor mehr als 15 Jahren in der Urnenabstimmung knapp erhalten hatten, mit solchen, die die Abstimmung damals knapp verloren hatten (siehe Box). Laut einem Studienautor war der Erhalt der Staatsbürgerschaft in manchen Fällen reine Glückssache.

Die Schweiz hat die Frist für Integrationsgesuche in der 2014 verabschiedeten Totalrevision des Bürgerrechtsgesetzes bereits von zwölf auf zehn Jahre gekürzt.

Gleiche Voraussetzungen

Die Forscher beriefen sich in ihrer Studie auf die anonyme Urnen-Abstimmung über Einbürgerungsgesuche in 46 Deutschschweizer Gemeinden zwischen 1970 und 2003. Anhand der Datenbasis von 2225 Einbürgerungsgesuchen machten die Autoren 768 Personen ausfindig, deren Einbürgerungsgesuche knapp angenommen oder abgelehnt worden waren. Zwischen den beiden Kategorien bestehen keine Unterschiede bezüglich Alter, Geschlecht, Sprachkenntnisse, Aufenthaltsdauer in der Schweiz und Herkunft.

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