Konkurrenzloses Produkt: Schweizer Zuckerwerbung – Millionen für die Katz?
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Konkurrenzloses ProduktSchweizer Zuckerwerbung – Millionen für die Katz?

In den hiesigen Supermärkten gibt es praktisch nur Schweizer Zucker. Dennoch läuft Dauer-Werbung für «Zucker aus der Schweiz». Wieso?

von
Isabel Strassheim
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Schweizer Zucker ist süss und hat keinen Qualitätsunterschied zu anderem Zucker ...

Schweizer Zucker ist süss und hat keinen Qualitätsunterschied zu anderem Zucker ...

Keystone/Peter Klaunzer
... die Schweizer Industrie wirbt deshalb mit süssem Patriotismus.

... die Schweizer Industrie wirbt deshalb mit süssem Patriotismus.

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Hier kommt er her: Zuckerrübenernte im Kanton Solothurn 2013.

Hier kommt er her: Zuckerrübenernte im Kanton Solothurn 2013.

Keystone/Peter Klaunzer

Schweizer Zucker schmeckt süss. Genauso wie jeder andere. Der Werbespruch der hiesigen Zuckerfabriken unterstreicht deshalb gleich doppelt die helvetische Herkunft: «Schweizer Zucker, weil aus der Schweiz.» Den TV-Spot (siehe unten), der in einer Endlosschleife im Fernsehen läuft, und die Zeitungsanzeigen gibt es seit 2008. Und daran soll auch nicht gerüttelt werden. «Unsere Werbung wird auch weiterhin laufen, daran ändern wir nichts», sagt Guido Stäger, Chef der Schweizer Zucker AG in Aarberg, zu 20 Minuten.

Kritiker hinterfragen derweil den Nutzen der Dauerwerbung – denn Schweizer Konsumenten können ohnehin meist gar nicht anders, als Schweizer Zucker zu kaufen. Die Supermarktregale sind voll mit Zuckerpackungen mit Schweizer Kreuz: Bei Coop gibt es zu 100 Prozent Schweizer Zucker. Ausnahmen sind nur Rohrzucker und seit kurzem Kokosblütenzucker, wie Sprecherin Angela Wimmer sagt. Bei Migros stammt der Weisszucker zu 97 Prozent aus der Schweiz.

Millionenausgaben für Werbung

Die Schweizer Zuckerfabriken geben trotz der hohen Präsenz ihres Produkts in den Supermärkten jährlich 1 bis 1,5 Millionen Franken für Werbung aus. Millionen für die Katz? Nein, findet Stäger. Sein Argument: «Wir wollen die Detailhändler überzeugen, auch weiterhin Schweizer Zucker in den Supermarktregalen anzubieten.» Laut den Händlern ist die Nachfrage nach hiesigem Zucker vorhanden. Bei Coop heisst es: «Ausschlaggebend sind die Bedürfnisse unserer Kunden, denen die Nähe zum Produzenten bzw. Verarbeiter und der Heimat wichtig sind.»

Bei Denner gibt es derzeit zum identischen Preis zwei verschiedene Kristallzucker im Sortiment: Schweizer Zucker mit Schweizer Kreuz auf der Verpackung. Der andere: Mischzucker, der zum Teil mit EU-Zucker verschnitten ist, wie Denner-Sprecher Thomas Kaderli erklärt.

Weniger Zucker in den Regalen

Derweil kaufen die Schweizer weniger Zucker: 39'600 Tonnen hat die Schweizer Zucker AG 2014/15 über die Supermärkte verkauft, in der Saison davor waren es noch 42'600 Tonnen. Der direkte Konsum geht zurück, seit einem Jahr gibt es sogar Schweizer Zuckerwürfel zum Halbieren. Und Länder wie Frankreich, Grossbritannien oder Mexiko haben eine Zuckersteuer eingeführt.

Die Diskussion um die Gesundheitsfolgen sind jedoch nur die eine Seite, die der Schweizer Zucker AG Sorgen machen, denn nächsten Oktober kommt die Marktliberalisierung. «Durch die Aufhebung der EU-Exportbeschränkung droht die Schweiz von EU-Zucker überschwemmt zu werden», fürchtet Stäger.

«Rettet den Schweizer Zucker»

Eine Bauerndemonstration forderte 2015: «Rettet den Schweizer Zucker.» Die niedrigen EU-Preise bedrohten schon damals die Rübenpflanzer hierzulande. Für sie lohnt sich der Anbau kaum noch. Rettung kommt nun vom Swissness-Gesetz, das den Zucker für die Industrie betrifft, die grösste Abnehmerin. «Wir merken, dass von Schweizer Schoggi- oder Biscuitherstellern jetzt verstärkt Schweizer Zucker verlangt wird», sagt Stäger. Wer mit dem Schweizer Kreuz werben will, muss mindestens 80 Prozent der hier verfügbaren Zutaten aus der Schweiz beziehen.

Auch Coca-Cola verwendet Schweizer Zucker, obwohl es günstigere Möglichkeiten gäbe, so Sprecherin Rahel Raum. Der Grund: «Da wir über kein eigenes Zuckerlager verfügen, sind wir auf kurze Lieferwege und Just-in-Time-Lieferungen angewiesen», so Raum. Aber noch grösser dürfe der Preisunterschied nicht werden: «Auch wir stehen unter Kostendruck und in Konkurrenz zu im Ausland produziertem Coca-Cola.»

Werbung zu Schweizer Zucker

Werbung Schweizer Zucker

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