Katastrophenschutz: Schweizerhalle reloaded an Truppenübung
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KatastrophenschutzSchweizerhalle reloaded an Truppenübung

Bald beginnt die Volltruppenübung Conex 15 der Armee. Das ursprüngliche Übungszenario ist nicht mehr aktuell.

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lha/mme
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Fahnenübergabe des 17. Gebirgsinfanteriebattaillons Anfang September in Basel. Die Armee wird im Rahmen ihrer Volltruppenübung Conex 15 ab dem 18. September mit rund 5000 Mann in der Region Basel präsent sein.

Fahnenübergabe des 17. Gebirgsinfanteriebattaillons Anfang September in Basel. Die Armee wird im Rahmen ihrer Volltruppenübung Conex 15 ab dem 18. September mit rund 5000 Mann in der Region Basel präsent sein.

bs.ch/Juri Weiss
Ein Chemieunfall in Schweizerhalle soll ebenfalls zum Übungsszenario gehörden, berichtete die «Schweiz am Sonntag». Der letzte gravierende Zwischenfall ereignete sich am 1. November 1986, als eine Lagerhalle mit 1350 Tonnen Chemikalien niederbrannte (Bild).

Ein Chemieunfall in Schweizerhalle soll ebenfalls zum Übungsszenario gehörden, berichtete die «Schweiz am Sonntag». Der letzte gravierende Zwischenfall ereignete sich am 1. November 1986, als eine Lagerhalle mit 1350 Tonnen Chemikalien niederbrannte (Bild).

Keystone/Silvio Mettler
Die Bevölkerung wurde damals frühmorgens mit dem Sirenenalarm geweckt. Es wurde eine mehrstündige Ausgangssperre verhängt. Menschen kamen durch den Brand und seine Folgen aber nicht zu Schaden.

Die Bevölkerung wurde damals frühmorgens mit dem Sirenenalarm geweckt. Es wurde eine mehrstündige Ausgangssperre verhängt. Menschen kamen durch den Brand und seine Folgen aber nicht zu Schaden.

Keystone/Michael Kupferschmidt

«In einem fiktiven Europa der Zukunft, mit neuen Ländern und Grenzen, herrscht Wirtschaftskrise. Die Folgen wirken sich auch auf die Schweiz aus: Verknappung der Vorräte, Schwarzhandel, kriminelle Organisationen. Grosse Öl-, Gas- und Getreidevorräte werden zum Ziel von Sabotagen und Plünderungen. Ausserdem führen ethnische Spannungen zu grösseren Flüchtlingsströmen in die Schweiz»: Das ist das Übungsszenario der Volltruppenübung Conex 15, wie es auf Website der Conex nachzulesen ist. Die Übung beginnt in der Region Basel am Mittwoch. Rund 5000 Soldaten proben bis am 25. September den Ernstfall.

Kein Szenario «Flüchtlingsströme»

Allerdings: «Flüchtlingsströme» spielen bei dieser Übung gar keine Rolle, wie Denny Jenni, Medienchef der Territorialregion 2, auf Anfrage von 20 Minuten sagte. Es sei gar nie geplant gewesen, «dass dieses Übungszenario ein konkretes Drehbuch darstellt, sondern eine Ausgangssituation als Planungs- und Entscheidungsgrundlage für die befehligten Kommandanten der Einheiten». Es habe auch nichts mit der aktuellen, tatsächlichen Flüchtlingssituation in Europa zu tun, dass an der Conex 15 Flüchtlingsströme nicht vorkämen. Es sei falsch interpretiert worden, dass wegen der aktuellen Situation das Szenario angepasst worden sein soll. «Eine solche Übung braucht eine jahrelange Planung, und damals hat sich die Flüchtlingssituation nicht so dargestellt wie heute.»

Konkret werden nun Katastrophenübungen durchgeführt: Am Montag in einer Woche etwa brennt der Wald auf dem Blauenberg, und das Katastrophenbattaillon wird damit beschäftigt sein, Wasserpumpen zwischen Birs und Blauen zu installieren, berichtete die Schweiz am Sonntag.

Erneuter Chemieunfall in Schweizerhalle

Kurz darauf werde der Notstand beim Hardwald in Muttenz ausgerufen. Die Trinkwasserversorgung von über 80'000 Menschen sei durch einen Chemieunfall in Schweizerhalle gefährdet. Ein Infanteriebataillon und die Luftwaffe würden im Einsatz stehen.

Weiter wird die Armee laut der Schweiz am Sonntag das Universitätsspital Basel unterstützen sowie den Auhafen in Muttenz, Swissgrid in Laufenburg und das Kernkraftwerk Leibstadt sichern. Jenni bestätigte diese Übungen gegenüber 20 Minuten. Die Armee wird ab Mittwoch über die Übungen berichten.

Grossrat sorgt sich um Fessenheim

Kein Thema der Übung ist der französische Atommeiler Fessenheim. Ein Reaktorunfall dort und dessen Folgen könnten aber auch für den Schweizer Katastrophenschutz weitreichende Folgen haben, sagt Grossrat Heinrich Ueberwasser (SVP). Er bereitet einen Vorstoss an die Basler Regierung vor, in dem er die Frage aufwirft, was passieren würde, wenn die Basler Bevölkerung aus diesem Grund aus der Region flüchten müsste.

«Wenn wir Flüchtlingsfragen besser verstehen wollen, müssen wir uns auch überlegen, wie das behördlich organisiert werden muss, wenn wir selbst flüchten müssten», erklärt er. Einen inhaltlichen Zusammenhang zwischen seinem Vorstoss und der Truppenübung Conex gebe es aber nicht, betont Ueberwasser.

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