Aktualisiert 09.02.2011 23:07

BernSchweizerhof: Zoff auf Grossbaustelle

Skandalöse Zustände auf der Baustelle des Berner Luxushotels Schweizerhof: Firmen ziehen offenbar ab, weil sie ihr Geld nicht erhalten, und Deutsche arbeiten für Dumpinglöhne.

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Bigna Silberschmidt/PEC
Baustelle Schweizerhof: Hinter der Fassade brodelt es. (pec)

Baustelle Schweizerhof: Hinter der Fassade brodelt es. (pec)

Gehämmert, geschraubt und verputzt wird auf der Grossbaustelle des Berner Prestigehotels Schweizerhof seit Monaten. Doch nun bröckelt die Fassade gewaltig: Nach einer Baustellenkontrolle leiteten die Unia und die Kantonale Arbeitsmarktkommission gegen mehrere deutsche Maler-, Gipser- und Schreinergeschäfte Verfahren ein. «Wir vermuten, dass ihre Arbeiter zu Dumpinglöhnen schuften», so Unia-Gewerkschafter Corrado Pardini. Ein Teil der Firmen sei mittlerweile abgezogen.

Staub wirbelt aber auch der Schweizerhof selbst auf: Laut Nachbarn und Büezern haben mehrere lokale Firmen dem Hotel die Verträge gekündigt oder Teile ihrer Baustellencrews zurückgezogen, weil die Zustände chaotisch waren und Rechnungen nicht bezahlt wurden. Die für die Zahlungen zuständige Bauherrschaft QDHP Swiss ­Management, die Scheichs aus ­Katar gehört, will diese Vorwürfe nicht bestätigen. Sprecher Ronald Joho sagt nur: «Auf Grossbaustellen gibt es immer Dinge, die nicht optimal laufen.» Bei der Bauleitung Spörri Graf Partner tönt es konkreter: «Internationale Auftraggeber haben längere Zahlungsfristen. Da stossen einige Unternehmer an ihre Grenzen», so Inhaber Leo Graf. Der Schweizerhof-Konflikt gärt schon seit letztem Sommer, als sich die Besitzer von der ursprünglichen Genfer Bauleitung trennten. Der Luxustempel soll dennoch wie geplant Ende Mai wiedereröffnet werden.

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