Eishockey: Schweizerinnen schlagen Finnland
Aktualisiert

EishockeySchweizerinnen schlagen Finnland

An der Eishockey-WM der Frauen in Winterthur erlebte das Schweizer Team am ersten Wochenende ein Wechselbad der Gefühle.

Auf die 0:12 Kanterniederlage gegen Kanada folgte ein 2:1 Sieg gegen Finnland.

Das Fazit der ersten beiden Turniertage ist schnell gezogen: für die Schweizerinnen liegt von Flop (Teilnahme an den Abstiegsplayoffs) bis zur Medaille noch alles im Bereich des Möglichen. Mit der grandiosen Leistung gegen Finnland zeigten die Schweizerinnen aber auch, dass das oberste Ziel, eine Medaille, nicht nur Gefasel ist. Finnland holte an neun der bisherigen zwölf Frauen-Weltmeisterschaften Bronze. Und die Schweiz gewann in Winterthur «mit einer grossartigen Leistung» (Coach Rene Kammerer) erstmals an einer WM ein Spiel gegen Finnland.

Der Schweizer Sieg kam gewiss etwas glückhaft zu Stande. Die Finninnen dominierten die Partie ab dem zweiten Abschnitt (44:30 Schüsse) klar. Karolina Rantamäki fünf Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit oder Michelle Karvinen in der ersten Minute der Overtime hätten die Partie eigentlich für Finnland entscheiden müssen. Aber die Schweizer Torhüterin Florence Schelling (43 Paraden) zeigte wieder einmal eine Parforceleistung. Und nach 110 Sekunden der Verlängerung nützte Nicole Bullo die erste Schweizer Möglichkeit zum Siegestor.

Die WM ist damit für die Schweizerinnen optimal lanciert. Bundesrat Ueli Maurer hatte vor dem Spiel zur Schweizer Mannschaft gesprochen. Er sei etwas nervös gewesen, so der Bundesrat, «schliesslich stand ich zum ersten Mal in meinem Leben in einer Frauengarderobe». Ueli Maurer bewunderte die Schweizer Frauen schon vor dem Spiel, weil «sie auch ohne finanziellen Anreiz Höchstleistungen erbringen».

Die Visite von Bundesrat Maurer und der unerwartete Schweizer Sieg über Finnland waren nicht die einzige Highlights des stimmungsvollen ersten Wochenendes. Am Samstagabend präsentierte sich die Eishalle am Deutweg, die in zwei Jahren zur Heimat des Schweizer Eishockeys werden soll, mit 2900 Besucherinnen bis auf den letzten Platz besetzt. Das hatte es in der Schweiz für ein Frauenspiel noch nie gegeben. «Wir haben mit der Nationalmannschaft zwar auch schon in ausverkauften Stadien gespielt, aber diese Fans waren dann jeweils nicht auf unserer Seite», so Stefanie Marty. «Wir geniessen diese Heimatmosphäre.»

An der Eröffnungsfeier dominierte Frauenpower: Mit Evelyne Leu (Skiakrobatik), Daniela Meuli (Snowboard), Karin Thürig (Radsport) und Denise Biellmann (Eiskunstlaufen) wohnten vier ehemalige Weltmeisterinnen der kurzen Zeremonie bei. Regierungsrat Dr. Hans Hollenstein eröffnete die WM, die am Ostermontag mit den Finalspielen im Zürcher Hallenstadion zu Ende gehen wird. Im Hallenstadion präsentierte sich die Stimmung am ersten Wochenende weniger stimmungsvoll als in Winterthur: Den Spielen USA - Slowakei (5:0) und Schweden - Russland (7:1) wohnten nur je 500 Zuschauer bei.

Am Samstag hatte die ungewohnte Kulisse eines vollen Stadions die Schweizerinnen nur am Anfang beflügelt. 17 Minuten lang verlief das Eröffnungsspiel gegen Kanada erstaunlich ausgeglichen. Den Schweizerinnen boten sich sogar mehrere gute Möglichkeiten, in Führung zu gehen. Doch das Publikum, das die Schweizerinnen nach vorne trieb, leitete mit seiner grandiosen Unterstützung auch die klarste Schweizer Niederlage an einer WM ein. «Wir wurden übermütig, riskierten zuviel und wurden dafür bestraft», so Captain Kathrin Lehmann. Mit einer Tordoublette innerhalb von 91 Sekunden in Unterzahl (!) wiesen die Kanadierinnen kurz vor Ende des ersten Abschnitts den Schweizerinnen den Weg in die Kanterniederlage. Nach dem dritten Gegentor fiel der zuvor grossartige Widerstand der Schweizerinnen in sich zusammen.

Schlüsselspiel am Dienstag

Der weitere Parcours der Schweizer Equipe am Heimturnier entscheidet sich am Dienstagabend. Die Schweizerinnen müssen trotz des Sieges über Finnland gegen Kasachstan gewinnen, um die Viertelfinals zu erreichen - ansonsten drohen Abstiegsplayoffs. Die Kasachinnen zogen sich mit 0:7 gegen Kanada und 3:5 gegen Finnland achtbar aus der Affäre. Kasachstan unterlag Kanada deutlich weniger hoch als die Schweiz, weil sie den Torerfolg gar nicht suchten und stattdessen die Räume vor dem eigenen Tor eng machten.

Frauen-WM in Winterthur und Zürich. Vorrunde. Gruppe B (in Winterthur).

Samstag: Schweiz - Kanada 0:12 (0:3, 0:5, 0:4). Finnland - Kasachstan 5:3 (2:1, 2:0, 1:2). Sonntag: Schweiz - Finnland 2:1 (0:1, 1:0, 0:0, 1:0) n.V. Kanada - Kasachstan 7:0 (2:0, 3:0, 2:0). - Rangliste (2 Spiele): 1. Kanada 6 (19:0). 2. Finnland 4 (6:5). 3. Schweiz 2 (2:13). 4. Kasachstan 2/0 (3:12). - Am Dienstag: Kanada - Finnland (16.00 Uhr) und Schweiz - Kasachstan (20.00). - Gruppe A (in Zürich). Sonntag: USA - Slowakei 5:0 (0:0, 2:0, 3:0). Schweden - Russland 7:1 (3:1, 1:0, 3:0). - Rangliste (1 Spiel): 1. Schweden 3 (7:1). 2. USA 3 (5:0). 3. Slowakei 0 (0:5). 4. Russland 0 (1:7). - Am Montag: Schweden - Slowakei (12.00 Uhr). USA - Russland (16.00). (si)

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