Aktualisiert 06.09.2007 16:26

Schweizerische Volkspartei (SVP)

Die Schweizerische Volkspartei (SVP) wurde 1936 noch als Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB) auf gesamtschweizerischer Ebene gegründet. Bereits zuvor waren 1917 im Kanton Zürich und 1918 im Kanton Bern sowie in weiteren Kantonen (Aargau, Basel-Landschaft, Freiburg, Schaffhausen, Thurgau, Tessin und Waadt) Bauernparteien entstanden. Seit 1929 war die BGB zudem mit einem Sitz im Bundesrat vertreten. 1971 schlossen sich die "Demokratischen Parteien" der Kantone Glarus und Graubünden der BGB an und die Partei wurde in "Schweizerische Volkspartei" umbenannt.

Sowohl bei der BGB als auch bei den "Demokratischen Parteien" handelte es sich um Abspaltungen der FDP. Zur Abspaltung der BGB von der FDP war es gekommen, da die (wirtschafts-) politischen Gegensätze zwischen den Bauern und kleinen Gewerbetreibenden auf der einen Seite und den Industriellen und Unternehmern auf der anderen Seite zu gross geworden waren und sich die Bauern und die ländliche Bevölkerung in der von Unternehmern dominierten FDP nur noch schlecht vertreten fühlen. Auch war der Liberalismus auf dem Land nie sehr stark verankert. So vertraten viele Bauernpolitiker in gesellschaftlichen Belangen konservative Werte und waren zudem der Meinung, dass die Liberalen dem in den 1930er Jahren aufkommenden Sozialismus zu wenig energisch entgegentrete.

Ideologisch war die SVP in den 1970er Jahren in der Mitte anzusiedeln. Sie positionierte sich als Partei des Mittelstandes und berücksichtigte verstärkt auch die Anliegen von Arbeitnehmern, Frauen und der Jugend. Allerdings waren ihr trotz dieser inhaltlichen öffnung keine Erfolge bei Wahlen vergönnt.

In den 1980er Jahren begann ein parteiinterner Konflikt zwischen der konservativen Zürcher Kantonalpartei unter ihrem Präsidenten Christoph Blocher und dem gesellschaftlich eher liberalen Parteiflügel, der vor allem in den Kantonen Bern und Graubünden stark vertreten war. Nicht zuletzt entfachte sich dieser Konflikt an der Aussen- und Europapolitik. Auch wenn diese parteiinternen Unstimmigkeiten noch bis in die späten 1990er Jahre fortdauerten, so war spätestens nach der Ablehnung des EWR-Vertrages 1992 klar, dass der konservative Parteiflügel den Richtungsstreit eindeutig gewonnen hatte. Seither ist die SVP klar als diejenigen Partei positioniert, die sich am deutlichsten gegen eine weitere aussenpolitische öffnung und eine weitere Integration in die EU ausspricht.

Seit den 1990er Jahren setzt sich die SVP auch pointiert für eine harte Haltung in der Asyl- und Ausländerpolitik ein. Als Folge davon sog sie die kleineren Rechtsparteien - wie die Freiheitspartei FPS und die Schweizer Demokraten SD - fast vollständig auf. In den letzten Jahren hat sich die SVP verstärkt der Wirtschafts- und Finanzpolitik zugewandt und vertritt dort eine Position, die sich strikt an niedrigeren Steuern und weniger staatlichen Eingriffen und Ausgaben orientiert, wobei z.B. im Bereich der Landwirtschaft und in Armee- und Sicherheitsfragen grosse Ausnahmen gemacht werden. Das rechts-konservative Profil der SVP wird durch eine starke Betonung der Bedeutung von Recht und Ordnung sowie durch das Festhalten an traditionellen Familienformen und Werten abgerundet. Mit diesen Positionen ist es der SVP nun auch vermehrt gelungen, Stimmen vom jeweils rechten Rand der beiden Mitteparteien CVP und FDP zu gewinnen. Selbst unter den Arbeitern und Angestellten - lange Zeit Stammwähler der SPS - hat die SVP in den letzten Jahren starke Zuwächse zu verzeichnen.

Schliesslich hat sich die SVP auch geografisch neue Wählergruppen erschlossen: sie hat kantonale Sektionen in den "Stammlanden" der CVP in der Innerschweiz und in der Westschweiz gegründet, wo sie zuvor nur in den Kantonen Waadt und Freiburg präsent war. Die SVP avancierte damit innerhalb von rund 15 Jahren von der kleinsten zur grössten Bundesratspartei.

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