Fragwürdige Maskendeals: Schwere Betrugsvorwürfe: Youtuber und angeblicher Weltverbesserer kassiert Shitstorm
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Fragwürdige MaskendealsSchwere Betrugsvorwürfe: Youtuber und angeblicher Weltverbesserer kassiert Shitstorm

Die Fans sind empört: Im Internet verkauft sich Youtuber Fynn Kliemann als Wohltäter. Jetzt bröckelt die Fassade. Es kam ans Licht, dass sein soziales Engagement während der Corona-Krise womöglich eine einzige grosse Täuschung war.  Der Influencer verliert seinen Nachhaltigkeitspreis, Geschäftspartner wenden sich ab und die Follower sind ausser sich.

von
Jana Rutarux
Hier stinkt doch etwas gewaltig: Dem Influencer Fynn Kliemann aus Norddeutschland wird vorgeworfen, in unehrliche Geschäfte mit Gesichtsmasken verwickelt zu sein.

Hier stinkt doch etwas gewaltig: Dem Influencer Fynn Kliemann aus Norddeutschland wird vorgeworfen, in unehrliche Geschäfte mit Gesichtsmasken verwickelt zu sein.

Instagram Screenshot/fimbim

Darum gehts

  • Dem deutschen Youtuber und selbsternannten Weltverbesserer Fynn Kliemann wird vorgeworfen, ein Betrüger zu sein.

  • Während der Corona-Krise war er in den Verkauf grosser Mengen an Gesichtsmasken involviert.

  • Jetzt wird vermutet, dass er falsche Produktionsangaben machte und in den Versand von 100’000 fehlerhaften Schutzmasken an Flüchtlingslager verwickelt ist.

  • Der Influencer nimmt auf seinem Instagram-Kanal Stellung, doch die Follower und Followerinnen kaufen ihm seine Entschuldigung nicht ab.

Auf seinem neuesten Instagram-Post entschuldigt sich Fynn Kliemann vor seinen 801’000 Followern und Followerinnen. Der 34-Jährige aus Deutschland ist mit seinen Heimwerker-Youtube-Videos bekannt geworden und lässt sich seither als erfolgreicher Geschäftsmann und Singer-Songwriter feiern. Die Stimmung auf seinem Kanal ist in den vergangenen Tagen jedoch deutlich gekippt.

Seit der Bremer Satiriker Jan Böhmermann in einem TV-Beitrag die Recherchen des ZDF Magazins «Royale» präsentiert hat, steht Fynn Kliemann unter Verdacht, ein gemeiner Betrüger zu sein und sich mit unlauteren Methoden am Verkauf von Gesichtsmasken während der Corona-Krise beteiligt zu haben. Der Mundschutz war bis vor kurzem auch beim Onlinemodehändler «About You» erhältlich und brachte dem Influencer rund eine halbe Million Euro ein.

In den Kommentaren auf Instagram lassen die Fans ihren Frust raus: «Influencer sind halt Unternehmer und nicht Deine Buddies, die die Welt retten wollen»,  «Erschütternd und auch einfach nur sehr schade»,  «Da gibts halt nichts zu entschuldigen … wissentlich und berechnend Menschen zu verarschen, kann man machen, ist dann aber halt scheisse» oder «Härter die Karriere selbst beerdigt, als wir es jemals könnten», steht unterhalb des neuesten Beitrages.

Der krampfhafte Versuch des Medienstars seinen Ruf zu retten und das Vertrauen seiner Fans wieder zurückzugewinnen, scheint beim ersten Anlauf zu scheitern. Der Shitstorm gegen den 34-Jährigen schlägt immer höhere Wellen und könnte laut Marketing-Fachzeitschrift «Horizont» die Glaubwürdigkeit der gesamten Influencer-Szene beeinträchtigen.

Falsche Produktionsorte angegeben

Der Influencer ist am Textilunternehmen  Global Tactics beteiligt, welches Schutzmasken für die Krisenzeit herstellte. In einem Beitrag schreibt er, es seien fair produzierte Mundbedeckungen, deren Herstellung nebenbei Arbeitsplätze «bei unserem Produzenten in Europa» rettet. Auf den sozialen Medien gibt er sich als Weltverbesserer und betont, dass er Menschen helfen wolle. Ihm ginge es nicht um Profit, beteuerte er. Jetzt kam heraus, dass die vermeintlich fair in Europa produzierten Masken tatsächlich in Bangladesch und Vietnam hergestellt wurden.

Davon hätte «About You» nichts gewusst, schreibt dessen Co-Chef Tarek Müller in einem Kommentar auf Kliemanns Instagram-Profil. Die Masken wurden deshalb aus dem Sortiment genommen. 


Zu den Vorwürfen, die aktuell auf Fynn Kliemann einprasseln, gehört auch, dass er 100’000 fehlerhafte Masken an Flüchtlingslager in Griechenland und Bosnien geschickt haben soll und dies vor seiner Followerschaft als «Spende» verkaufte. Auf diese Weise konnte man einer kostspieligen Entsorgung entgehen und blieb nicht auf den Dingern sitzen.

About You-Co-Chef Tarek Müller meldet sich auf Instagram.

About You-Co-Chef Tarek Müller meldet sich auf Instagram.

Instagram Screenshot/fimbim

«Er hat uns hintergangen»

Besonders bitter ist, dass der Online-Star für sein angebliches soziales Engagement vor zwei Jahren sogar mit einem Sonderpreis ausgezeichnet wurde. Dieser wurde ihm nun wieder aberkannt, wie die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis in einem Statement mitteilt. Fynn Kliemann habe unlautere Methoden angewendet und die Stiftung mit Greenwashing hintergangen.

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