Muskelspiele in Ostasien - Schwere Kritik an Raketentests sowohl von Nord- als auch von Südkorea
Publiziert

Muskelspiele in OstasienSchwere Kritik an Raketentests sowohl von Nord- als auch von Südkorea

Nach Raketentests von Nord- und Südkorea am selben Tag haben die Spannungen zwischen den Ländern wieder zugenommen. Nordkorea droht mit dem vollständigen Abbruch der Beziehungen zum Nachbarland, die USA kritisieren Pjöngjang scharf.

von
AP/AFP/trx
1 / 4
Südkoreaner verfolgen den Start einer nordkoreanischen Rakete.

Südkoreaner verfolgen den Start einer nordkoreanischen Rakete.

Getty Images
Nordkorea testete in den letzten Tagen sowohl neue Marschflugkörper als auch Raketen.

Nordkorea testete in den letzten Tagen sowohl neue Marschflugkörper als auch Raketen.

Getty Images
Südkorea startete erstmals eine ballistische Rakete aus seinem U-Boot «Ahn Chang-ho».

Südkorea startete erstmals eine ballistische Rakete aus seinem U-Boot «Ahn Chang-ho».

Reuters

Darum gehts

  • Sowohl Nord- als auch Südkorea haben am selben Tag Raketentests durchgeführt.

  • Dies erhöht die Spannungen zwischen den Ländern. Experten befürchten ein Wettrüsten.

  • Nordkorea drohte Seoul mit dem Abbruch sämtlicher Beziehungen.

Die beiden verfeindeten Bruderstaaten Süd- und Nordkorea haben innerhalb weniger Stunden eigene ballistische Raketen getestet. Nur wenige Tage nach dem Test von Marschflugkörpern habe Nordkorea am Mittwoch zwei Kurzstreckenraketen in Richtung offenes Meer abgefeuert, teilte der südkoreanische Generalstab mit. Später erklärte das Präsidialamt in Seoul, Südkorea habe erstmals eine eigenständig entwickelte ballistische Rakete von einem getauchten U-Boot aus gestartet. Präsident Moon Jae In habe den erfolgreichen Versuch in einem Testzentrum im Westen des Landes verfolgt.

Dass Südkorea den Test nur kurze Zeit später publik machte, galt auch als Signal der Stärke an den Nachbarn. Oft wird der Regierung, die eine Politik der Annäherung an Pjöngjang verfolgt, von Kritikern vorgeworfen, Nordkorea gegenüber zu «weich» zu sein. Moon betonte, die Erprobung der U-Boot-Rakete (SLBM, Submarine-Launched Ballistic Missile) sei vorher geplant gewesen. «Trotzdem kann unsere verbesserte Raketenleistung eine sichere Abschreckung von Nordkoreas Provokation sein», wurde Moon von einem Sprecher zitiert. Sein Büro machte deutlich, der Besitz einer SLBM sei mit Blick auf gleichzeitige Bedrohungen aus verschiedenen Richtungen von grosser Bedeutung.

Südkorea gilt als das erste Land, das SLBM entwickelt, ohne selber Atomwaffen zu haben. Nach eigenen Angaben ist es mit dem gelungenen Test das siebte Land mit einer potenziell einsetzbaren ballistischen Rakete, die von einem getauchten Trägerschiff gestartet werden kann. UN-Resolutionen verbieten dagegen Nordkorea jegliche Tests ballistischer Raketen, die je nach Bauart auch Atomsprengköpfe befördern können. Wegen seines Atomwaffenprogramms ist das weithin isolierte Land harten internationalen Sanktionen unterworfen.

«Es ist aussergewöhnliches Timing, dass nicht nur ein, sondern beide Koreas am selben Tag ballistische Raketen testen», sagte John Delury von der südkoreanischen Yonsei-Universität der Nachrichtenagentur AFP. «Das zeigt, dass es in der Region ein Wettrüsten gibt, das jeder beachten sollte.»

Kim Yo-jong droht, USA kritisiert

Die einflussreiche Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un, Kim Yo Jong, hat Südkorea nach dessen Raketentest mit der «kompletten Vernichtung» aller Beziehungen gedroht. In einer von den Staatsmedien verbreiteten Erklärung griff Kim Yo Jong am Mittwoch den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In scharf an, der erklärt hatte, die neu entwickelte Rakete könne als Abschreckung gegenüber Nordkorea dienen. Kim Yo Jong sagte, Nordkorea entwickle seine militärischen Fähigkeiten «zum Zwecke der Selbstverteidigung» und ohne auf ein bestimmtes Land abzuzielen.

Die USA haben Nordkorea für seine Raketentests scharf kritisiert. Der Abschuss der Raketen sei eine «Verletzung mehrerer Resolutionen des UN-Sicherheitsrats und stellt eine Gefahr für die Nachbarstaaten und andere Mitglieder der internationalen Gemeinschaft dar», sagte ein Sprecher des US-Aussenministeriums am Mittwoch.

Gespräche zwischen den USA und Nordkorea über den Abbau des nordkoreanischen Atomarsenals liegen seit einem Gipfeltreffen von Machthaber Kim mit dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump 2019 auf Eis. Unter dem seit Jahresbeginn amtierenden US-Präsidenten Joe Biden hat es bislang keine Annäherung zwischen Washington und Pjöngjang gegeben.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

0 Kommentare