Kaltbrunn SG: Schwere Vorwürfe an Asyl-Firma nach Brand
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Kaltbrunn SGSchwere Vorwürfe an Asyl-Firma nach Brand

Nach dem Brand von Kaltbrunn steht die Firma ABS, die das Asylheim im Dorf managt, in der Kritik. Die Gemeinde weist die Vorwürfe zurück.

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rar
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Nachdem die Asylunterkunft in Kaltbrunn niedergebrannt ist ...

Nachdem die Asylunterkunft in Kaltbrunn niedergebrannt ist ...

RAR
... ziehen die vorläufig aufgenommenen Asylbewerber in die Zivilschutzanlage des Dorfes.

... ziehen die vorläufig aufgenommenen Asylbewerber in die Zivilschutzanlage des Dorfes.

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Die meisten konnten nur kleine Habseligkeiten aus dem brennenden Haus retten.

Die meisten konnten nur kleine Habseligkeiten aus dem brennenden Haus retten.

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«Das Haus war gar nie für so viele Bewohner vorgesehen und platzte aus allen Nähten», sagt eine Kennerin des regionalen Asylwesens gegenüber 20 Minuten. Die Menschen hätten auf engstem Raum zusammen gelebt. Für die Informantin ist klar, dass das Gebäude schlecht unterhalten wurde: «Es gab von drei Duschen nur eine mit warmem Wasser und der Strom fiel immer wieder aus, die Elektroinstallationen waren nicht für 24 Bewohner gemacht.» Allgemein sei das Gebäude in einem schlechten Zustand gewesen, Schimmel und Schmutz seien ein grosses Problem gewesen. Weil im Haus so viele Leute wohnten, sei ständig gekocht worden: «Herd und Backofen liefen fast rund um die Uhr», so die Frau.

In der Nacht auf Sonntag war in Kaltbrunn das Asylheim niedergebrannt. Die 24 Bewohner des Mehrfamilienhauses wurden vorübergehend in einer Zivilschutzanlage einquartiert. (20 Minuten berichtete)

Heftige Kritik an Betreuungsfirma

Eine weitere Insiderin sagt gegenüber 20 Minuten, dass die Betreuerfirma die Flüchtlinge allein lasse und sich nicht genügend um sie kümmere: «Ich hatte schon einige schlaflose Nächte wegen der Firma, sie nimmt ihre Pflichten nicht wahr.»

Die Firma ABS mit Sitz in Pratteln BL ist seit dem 15. Dezember 2014 für die Betreuung der Flüchtlinge in Kaltbrunn zuständig. Schon seit Wochen hagelt es Kritik an der Arbeit der ABS. In den «Obersee-Nachrichten» wird die Firma gar als «Asyl-Profiteur» bezeichnet. ABS mache Profit auf Kosten der Flüchtlinge, so der Vorwurf. Die Flüchtlinge würden in heruntergekommenen Häusern leben und mangelhaft betreut.

Gemeindepräsident weist Vorwürfe zurück

Bei ABS wollte man gegenüber 20 Minuten zu den erhobenen Vorwürfen keine Stellung nehmen. Stattdessen verwies man auf den Gemeindepräsidenten von Kaltbrunn, Markus Schwizer. Dieser wehrt sich: «Die Betreuung der Flüchtlinge ist gut.» Er sei froh über den Einsatz der ABS: «Die Zusammenarbeit läuft prima.» So sei jetzt immer jemand vor Ort für die Flüchtlinge. Der Brand habe gezeigt, dass man sich auf das Unternehmen verlassen könne: «Die Leute von ABS kümmern sich bestens um alles.»

«Haus wurde regelmässig inspiziert»

Die Vorwürfe, dass das Haus in einem desolaten Zustand gewesen sei, weist der Gemeindepräsident ebenfalls zurück: «Das stimmt überhaupt nicht. Wäre das Haus nicht in Ordnung gewesen hätten wir die Flüchtlinge nie da untergebracht.» Er habe sich öfters selber ein Bild von der Unterkunft gemacht und sei vorbei gegangen. Die Infrastruktur der Liegenschaft sei periodisch überprüft und für gut befunden worden. Schwizer: «Das Mehrfamilienhaus wurde im Jahr 2012 saniert.»

Das Haus wurde Anfangs Jahr bezogen. Zuvor waren die Flüchtlinge an verschiedenen Orten in der Umgebung untergebracht. «Da die Anzahl der Asylbewerber permanent stieg, mussten wir eine grössere Unterkunft suchen», so Schwizer. Er räumt ein, dass es am Anfang zu Verzögerungen bei der Einrichtung des Hauses gekommen sei: «Kaum hatten wir das Haus übernommen, standen schon die Flüchtlinge da. Es musste alles sehr schnell gehen.»

Gemeinde sucht neues Heim

Die Gemeinde Kaltbrunn sucht zur Zeit nach einer neuen Unterkunft für die Flüchtlinge: «Wir konnten bereits ein mögliches Objekt besichtigen und werden in den nächsten Tagen weitere ansehen.» Falls die 24 Flüchtlinge keinen geeigneten Platz finden würden, müsse man gegebenenfalls den Kanton um Umplatzierungen bitten, so Schwizer.

Die Brandermittler der Kantonspolizei St. Gallen waren am Montag nach wie vor mit der Spurenanalyse beschäftigt, wie Polizeisprecher Hanspeter Krüsi auf Anfrage bestätigte.

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