Wirbel um Nagra-Papier: Schwere Vorwürfe gegen Nuklear-Experten
Aktualisiert

Wirbel um Nagra-PapierSchwere Vorwürfe gegen Nuklear-Experten

Das interne Papier der Nagra ist von einem ehemaligen Mitarbeiter an den Nuklear-Experten Marcos Buser weitergeleitet worden. Dieser hat es an den Zürcher Regierungspräsidenten Markus Kägi weitergereicht.

Der Nuklearexperte Marcos Buser hat das interne Nagra- Papier zur Standortsuche nach möglichen Atommüll-Endlagern mehreren Personen weitergegeben. Er habe dies getan, weil die Behörden nicht auf das Papier reagiert hätten. Erhalten hat er die Notiz von einem inzwischen pensionierten Nagra-Mitarbeiter.

Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) hat am Donnerstag eine Medienmitteilung verschickt, indem sie einen inzwischen pensionierten Nagra-Mitarbeiter zu Wort kommen lässt: Nach zwei «schlaflosen Nächten» habe er sich dazu entschieden, die Nagra-Mitarbeitenden vom Generalverdacht zu entlasten, etwas mit dem Informationsleck zu tun zu haben, wird der Mann zitiert.

Der ehemalige Mitarbeiter habe das Papier an Marcos Buser weitergegeben, als dieser noch Mitglied der Eidg. Kommission für nukleare Sicherheit (KNS) war, heisst es weiter. Die Annahme, dass Buser die Aktennotiz vertraulich behandle, sei wohl rückblickend naiv gewesen.

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«Man rechnet nicht damit, dass so ein vertrauliches Dokument von einem KNS-Mitglied weitergegeben wird», sagte Nagra-Sprecherin Jutta Lang der Nachrichtenagentur SDA. Das Vertrauensverhältnis zwischen der Nagra und der KNS sei wichtig.

Buser räumt Weitergabe ein

Marcos Buser räumte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA ein, die Aktennotiz erhalten und weitergegeben zu haben: Er verfüge seit vergangenem Dezember über eine Vorfassung des Papiers, sagte er. «Ich habe mich über Monate hinweg darum bemüht, dass die Behörden die Entstehung dieses explosiven Papiers untersuchen.»

Doch weder das Eidg. Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) noch das Bundesamt für Energie (BFE) oder das Eidg. Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) hätten etwas getan.

Im vergangenen Juni trat Buser aus der KNS aus. Nach den erfolglosen Versuchen, die Behörden aufzurütteln, habe er beschlossen, zusammen mit dem Genfer Geologie-Professor Walter Wildi ein Buch zu schreiben. In diesem Zusammenhang gab Buser die Aktennotiz an Wildi weiter - mit dem Hinweis, diese sei vertraulich.

Kritik an der Leck-Debatte

Gemäss Angaben von Marcos Buser sprach Wildi im Rahmen einer Sitzung mit dem BFE von der Aktennotiz. «Darauf kam ich unter Zugzwang», sagte Buser der SDA. Am 26. September schliesslich übergab Buser nach eigenen Angaben die Unterlagen dem Zürcher Regierungsrat Markus Kägi sowie einem Mitarbeiter Kägis. Ob Buser die Aktennotiz auch den Medien zugespielt hat, wollte er nicht sagen.

Buser stört sich grundsätzlich an der Debatte über das Informationsleck: «Das Grundproblem ist nicht das Informationsleck, sondern etwas ganz anderes: Es ist ein Skandal, dass die Nagra überhaupt ein solches Papier erstellt», kritisierte er.

Am vergangenen Sonntag veröffentlichte die «SonntagsZeitung» das interne Nagra-Papier, das vom 18. November 2011 datiert. Darin nennt die Nagra auf einer Tabelle zum Bohrprogramm zwei Standorte für ein Atommüll-Endlager: Zürich Nordost (Weinland) für hochradioaktive Abfälle und Jura Ost (Bözberg AG) für schwach- und mittelradioaktive Abfälle.

Die Nagra reagierte auf die Veröffentlichung mit der Mitteilung, dass es sich nur um ein Referenzszenario handle, um finanzielle Berechnungen durchzuführen. (sda)

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