Asbest-Prozess: Schwere Vorwürfe gegen Schmidheiny
Aktualisiert

Asbest-ProzessSchwere Vorwürfe gegen Schmidheiny

In Turin ist der Asbest-Prozess gegen den Schweizer Milliardär Stephan Schmidheiny fortgesetzt worden. Laut Staatsanwalt hat er diverse Medien bestochen.

Im Asbest-Prozess gegen den Schweizer Milliardär Stephan Schmidheiny hat am Montag der Turiner Staatsanwalt Raffaele Guariniello schwere Anschuldigungen gegen den Angeklagten erhoben. Dieser habe zwischen 2001 und 2005 eine Million Euro ausgegeben, um italienische Medien zu beeinflussen.

Ziel sei gewesen, den Asbest-Skandal in Italien herunterzuspielen. Schmidheiny habe eine inzwischen aufgelöste PR- Agentur in Mailand beauftragt, ihren Einfluss auszuüben, damit in italienischen Medien nicht sein Name als Eternit-Besitzer erscheine, sagte der Ankläger Guariniello.

Die Agentur musste gemäss einer von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenen Expertise dafür sorgen, dass die Asbest- Berichterstattung auf die italienischen Eternit-Fabriken beschränkt bleibe und möglichst jeglicher Hinweis auf die Schweizerische Eternit-Gruppe und deren Aktionäre verhindert werde.

«Schmidheiny hat eine Millionen Euro für diese Aktivitäten ausgegeben, während er den erkrankten Arbeitnehmern und den Familienangehörigen der Todesopfer lediglich 600 000 Euro angeboten hat. Dabei lag die Entschädigungsforderung bei 80 Millionen Euro», sagte Guariniello.

Schmidheiny weist Vorwürfe zurück

Der Sprecher Schmidheinys, Peter Schürmann, wies am Montag die Vorwürfe zurück. «Eine Medien- und Umfeldbeobachtung gehört zu den Pflichten und zum professionellen Standard», schrieb er in einer Stellungnahme.

Nachdem in Italien gegen operative Führungskräfte von italienischen Asbest-Fabriken Verfahren eröffnet worden seien, habe die Schweizer Becon AG, die die Asbestaltlasten der Schweizerischen Eternit-Gruppe betreue, beschlossen, sich von einer italienischen PR- Agentur beraten zu lassen.

Die Becon AG gehe davon aus, dass die beauftragte PR-Agentur «den Gepflogenheiten entsprechend professionell» gearbeitet habe. «Diese Medien- und Umfeldbeobachtung wurde nur innerhalb der Becon AG verwendet und ging zu keinem Zeitpunkt an Stephan Schmidheiny», schrieb Schürmann weiter. (sda)

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