«Ice-Tea-Video»: Schweres Cybermobbing auf Facebook
Aktualisiert

«Ice-Tea-Video»Schweres Cybermobbing auf Facebook

Ein krasser Fall von Cybermobbing sorgt für Aufruhr. Ein Jugendlicher hat ein Sexvideo von seiner Ex-Freundin praktisch mit der ganzen Schweiz geteilt.

von
G. Looser/N. Riegg
Das Sexvideo hat sich wie ein Lauffeuer in der ganzen Schweiz verbreitet. (Symbolbild: Colourbox)

Das Sexvideo hat sich wie ein Lauffeuer in der ganzen Schweiz verbreitet. (Symbolbild: Colourbox)

Riesenaufregung auf Facebook und Twitter: Ein Sexvideo einer jungen Schweizerin, bei dem auch eine Migros-Eistee-Flasche involviert ist, wurde am Dienstag mutmasslich vom Ex-Freund der Frau auf Facebook gepostet. In Windeseile hatte die Seite Tausende von Likes, das Video verbreitete sich auf weitere Plattformen und wurde bis gestern allein auf einer davon über 15'000 mal angeschaut.

Falsche Personen beschuldigt und beschimpft

Nach einer ersten Löschung durch Facebook postete der Täter den Film erneut. Auf der Seite entspann sich eine wilde Debatte darum, wer das Video gepostet hat und wen es zeigt. Dabei wurden nachweislich falsche Personen namentlich der Öffentlichkeit preisgegeben und teils aufs Übelste beschimpft. Laut Personen aus dem Umfeld der gezeigten Frau geht es dieser «sehr schlecht». Die Facebookseite wurde mittlerweile gelöscht.

Video macht in Primarschulen die Runde

Das Video machte seinen Weg sofort auf die Pausenplätze, wie zahlreiche 20-Minuten-User berichten. Manuela Eisenegger, Mutter zweier schulpflichtiger Kinder, sagt: «Ich weiss von zwei Schulhäusern mit Primarschule, in denen das Ice-Tea-Video gestern die Runde gemacht hat.»

Sandra Müller, eine empörte Userin, die sich am Montag intensiv um eine sofortige Löschung des Films bemühte, wollte bei der Schaffhauser Polizei Strafanzeige einreichen, wurde aber laut eigenen Angaben abgewiesen. Die Schaffhauser Polizei wollte dies «aus Datenschutzgründen» nicht bestätigen, lehnte aber auch jegliche von 20 Minuten recherchierte Informationen über den Täter dankend ab. Andere von 20 Minuten kontaktierte Kantonspolizeien - auch jene im Wohnkanton des mutmasslichen Täters - hatten keine Kenntnis vom Video und sahen sich nicht zuständig.

Müller und Eisenegger fordern nun wie viele User auch, dass der Urheber gefasst und bestraft wird: «Es ist unglaublich, wie die Kinder im Internet wüten, weil sie das Gefühl haben, es bleibe sowieso alles straffrei», so Eisenegger. Doch auch die Facebook-Meute, die über das Video hergefallen ist, solle in die Pflicht genommen werden, findet Müller: «Es kann doch nicht sein, dass da irgendwelche Unbeteiligten der Lächerlichkeit preisgegeben werden.»

Migros intervenierte bei Facebook

Die Migros selber ist am Dienstag auf das Video aufmerksam geworden und hat sofort bei Facebook interveniert. Aber noch gestern hagelte es auf der offiziellen Facebook-Seite von Migros Ice Tea hämische Kommentare. Die Migros schreibt dazu: «Dass solche Inhalte über unsere Seiten gestreut werden, können wir nicht akzeptieren. Solche Verlinkungen oder unangebrachte Kommentare werden entsprechend sofort gelöscht. Was auf Portalen publiziert wird, die nicht uns gehören, können wir nur begrenzt beeinflussen – unser Rechtsdienst ist informiert.»

Frau Schmid Federer*, wie kann die Polizei in einem solchen Fall eine Strafanzeige abweisen?

Der polizeiliche Wille, im Bereich Internetkriminalität aktiv zu werden, ist von Kanton zu Kanton verschieden – im Kanton Zürich etwa wurde eigens dafür ein Kompetenzzentrum geschaffen.

Kann denn überhaupt strafrechtlich gegen die Täter vorgegangen werden?

Wenn pornografische Videos von Exfreundinnen zwecks Mobbing auf Facebook verbreitet werden, ist der Tatbestand der Nötigung erfüllt. Zudem ist Cybermobbing brutaler als reales Mobbing, da die Täter aufgrund der Anonymität keine Grenze ihres Tuns erkennen.

Was bedeutet dieser Fall denn für die Betroffene?

Erfahrungsgemäss muss die Familie des Mädchens wegziehen oder zumindest die Schule wechseln, da dem Opfer meist zu wenig Glauben geschenkt wird. Der Fall zeigt die Dringlichkeit von flächen­deckenden Präventionskampagnen, damit Derartiges in Zukunft möglichst vermieden werden kann. (loo)

*Barbara Schmid Federer ist CVP-Nationalrätin und kämpft auf politischer Ebene gegen Cybermobbing.

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