Neue Untersuchungen - Schweres Long Covid ist selten
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Neue UntersuchungenSchweres Long Covid ist selten

Zwei grosse Studien zu Langzeitverläufen bei nicht hospitalisierten Patienten liegen nun vor.

Viele sind von postakutem Covid betroffen: Im Blut eines Patienten werden Antikörper gegen Sars-CoV-2 nachgewiesen. (Archivbild)

Viele sind von postakutem Covid betroffen: Im Blut eines Patienten werden Antikörper gegen Sars-CoV-2 nachgewiesen. (Archivbild)

Swiss TPH/Lydia Hasler

Darum gehts

  • Zu den Langzeitfolgen von Sars-CoV-2 liegen zwei neue Studien vor.

  • Sie zeigen, dass Long Covid zwar weit verbreitet ist, aber wenige nehmen eine Behandlung in Anspruch.

  • Nach einem milden bis moderaten Verlauf der Krankheiten benötigen Betroffene nur wenig mehr Medikamente als der Rest der Bevölkerung.

Langzeitfolgen einer Infektion mit Sars-CoV-2 haben oft einen hartnäckigen Verlauf. Bislang war unklar, wie oft und wie stark Infizierte von postakutem Covid betroffen sind. Zwei neue gross angelegte Studien sorgen nun für Klarheit: Nicht wenige Betroffene haben tatsächlich lange Beschwerden, von denen sich viele in drei bis sechs Monaten erholen, wie der Infektiologe Manuel Battegay die Studien im «Tages-Anzeiger» erklärt. Die grosse Mehrheit sei von Long Covid zwar beeinträchtigt, jedoch nicht so stark, dass eine Behandlung in Anspruch genommen werde.

Covid-Patienten und -Patientinnen benötigen nach einem milden bis moderaten Verlauf nur wenig mehr Medikamente und gehen auch nicht unbedingt häufiger zum Arzt als der Rest der Bevölkerung, fasst der stellvertretende Leiter der wissenschaftlichen Covid-19-Taskforce des Bundes, Manuel Battegay, zusammen. «Leichte Unterschiede fanden sich beim Gebrauch von Medikamenten gegen Atembeschwerden und Kopfschmerzen sowie bei den Spitaldiagnosen von Atemnot und Venenthrombosen.»

Mehr Besuche bei Ärztinnen und Ärzten

Für andere Medikamente und Symptome fanden sich in den Studien keine signifikanten Differenzen. Leicht häufiger waren Visiten bei Hausärztinnen und -ärzten. «Generell aber ergaben sich nur wenige erhöhte Risiken im Vergleich zur Vergleichsgruppe», so Battegay im «Tages-Anzeiger» weiter. Ernsthafte Folgen seien selten. Leichte Beschwerden wie Müdigkeit und Konzentrationsstörungen würden eher durchgestanden als behandelt.

Menschen mit schwachen Covid-Symptomen haben auch ein weniger schweres Long Covid, wie der Infektiologe des Universitätsspitals Basel erklärt. «Es zeigt sich ein Kontinuum von schwerem Post-Covid von Patienten und Patientinnen, die auf der Intensivstation waren, abnehmend zu hospitalisierten, zu ambulant betreuten und schliesslich zu Patienten mit leichterem Post-Covid.» Auf das Alter der Patienten wurde dabei kein Schwergewicht gelegt.

Ende April veröffentlichten US-Forschende im Fachblatt «Nature» eine Studie mit Daten von über 73’000 nicht hospitalisierten Sars-CoV-2-Infizierten aus den Registern des U.S. Department of Veterans Affairs. Mitte Mai folgte dann eine Arbeit von dänischen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen im Fachblatt «The Lancet Infectious Diseases». Anhand der Daten des nationalen Gesundheitsregisters verglichen sie 9000 Sars-CoV-2-positive Personen, die nach der Infektion nicht ins Spital mussten, mit 80’000 Nicht-Infizierten.

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(chk)

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