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Schwergewichtiger Weltrekord in Walenstadt

In der Schutznetz-Prüfanlage in Walenstadt SG ist ein Weltrekord aufgestellt worden. Erstmals hielt ein Steinschlag-Schutznetz einen 16 Tonnen schweren Felsblock auf.

Die Prüfung des neu entwickelten Schutznetzes war spektakulär. Aus 32 Metern Höhe wurde von einem Kran aus ein Stahlbetonwürfel mit einer Kantenlänge von zwei Metern auf das zu prüfende Stahlnetz fallen gelassen. Dort traf der Block mit einer Geschwindigkeit von 90 Kilometern pro Stunde auf. Das Netz hielt diesen Kräften stand.

Wie Versuchleiter Werner Gerber von der eidgenössischen Forschungsanstalt WSL (Wald, Schnee, Landschaft) sagte, wurde dabei innert Sekundenbruchteilen eine Energie von 5000 Kilojoule abgebaut. Bisher seien 3000 Kilojoule das Maximum gewesen, die mit Stahlnetzen aufgefangen werden konnten. 300 Fachleute aus der ganzen Welt verfolgten den Versuch.

Zertifizierung vorgeschrieben

Der Test war der letzte Teil eines aufwendigen Typenprüfverfahrens, um das offizielle Zertifikat des Bundesamts für Umwelt (Bafu) zu erhalten. «Er hat wie geplant funktioniert», so Experte Gerber. Für Steinschlagverbauungen, für die Bundesbeiträge beansprucht werden, dürfen nur offiziell zugelassene Schutzsysteme verwendet werden.

Wie Gerber erklärte, stehen die Aussichten gut, dass das Weltrekord-Schutznetz die Bundeszulassung erhält. Bis das Zertifikat ausgestellt wird, müssen die Messdaten noch im Detail geprüft werden. Die Prüfung erfolgt nach einer Richtlinie des Bundes, die als weltweit erste im Jahr 2001 geschaffen worden war.

Das Hochleistungsschutznetz ist eine Erfindung der Firma Fatzer Geobrugg in Romanshorn TG. Es besteht aus flexiblen Stahlringen und zeichnet sich dadurch aus, dass es selbst unter grossen Belastungen intakt bleibt. Nur die patentierten Bremsringe und Zugseile, die sich verformen, müssen nach einem Steinschlag ersetzt werden.

Umfangreiche Messungen

Bei der Typenprüfung von Schutznetzen werden die auftretenden Kräfte und Verformungen an zahlreichen Stellen gemessen. Pro Sekunde werden 2000 Daten gesammelt und mit einer Kamera 250 Bilder aufgenommen. Auf die Ankerseile wirken Kräfte bis 30 Tonnen. Bei der Prüfung verformte sich das Netz um 8 Meter, 15 sind zugelassen.

Die gewonnen Daten werden mit einem von der WSL und der ETH Zürich entwickelten Computerprogramm ausgewertet. So kann das Verhalten von Schutznetzen bei Steinschlag simuliert und können Kosten gespart werden. Steinschlag-Schutzsysteme werden im Gebirge zum Schutz von Menschen und entlang von Verkehrswegen eingesetzt.

(sda)

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