Schweizer Nati: Schwieriger Spagat für Ottmar Hitzfeld
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Schweizer NatiSchwieriger Spagat für Ottmar Hitzfeld

Am Mittwoch beginnt für die Schweiz mit dem Test gegen Österreich der zweite zweijährige Zyklus unter Ottmar Hitzfeld. Eine schwierige Aufgabe für den Deutschen.

Auf Ottmar Hitzfeld wartet eine schwierige Aufgabe.

Auf Ottmar Hitzfeld wartet eine schwierige Aufgabe.

Das Ziel für die Schweizer Nati ist klar: Die Teilnahme an der EM-Endrunde 2012 in Polen und der Ukraine. Dieses kann aber nur erreicht werden, wenn Hitzfeld die SFV-Auswahl fussballerisch weiterentwickelt. Er spricht von einem Neustart, «weil wir uns nach der Qualifikation für die WM neue Ziele setzen, und weil wir uns neu bestätigen müssen». Das erste Ziel, der erste Gradmesser, ist der Auftakt in der EM-Qualifikation am 7. September gegen England in Basel. Bis dahin dauert es noch vier Wochen, und die Schweiz testet nicht nur gegen Österreich, sondern am 3. September in St. Gallen auch noch gegen Australien.

Vor dem freundschaftlichen Aufgalopp am Wörthersee blickte Hitzfeld nochmals zurück. Zurück auf das enttäuschende Ende der Schweizer WM-Mission. «Wir haben gegen Honduras Nerven gezeigt. Es gab in diesem Spiel 25 Chancen von uns, aber die Effizienz war ungenügend», so Hitzfeld. Dreimal schon hat er die tor- und trostlose Nullnummer im letzten WM-Gruppenspiel auf DVD angeschaut.

Blick zurück für den Weg nach vorne

Der Blick zurück ist für den Analytiker Hitzfeld wichtig, um auf dem Weg nach vorne Lösungen zu finden. In Südafrika ist seine Mannschaft auf dem hohen Niveau einer WM trotz des Siegs gegen den späteren Weltmeister Spanien in der Endabrechnung durchgefallen. In anderen Ländern löst ein frühzeitiges WM-Ende ein Erdbeben aus, und im Nationalteam bleibt oft kein Stein auf dem anderen. In der Schweiz ist das nicht so. Ein Umbruch ist nicht gefragt, der personelle Schnitt ohnehin nicht möglich.

Hitzfeld ist zwar gezwungen, die zurückgetretenen Benjamin Huggel, Christoph Spycher, Ludovic Magnin und Blaise Nkufo zu ersetzen. Die Stammspieler aber, auf die er schon in den letzten zwei Jahren setzte, werden auch künftig eine Hauptrolle spielen. Grundsätzlich muss von ihnen die erhoffte Steigerung kommen. Denn es gibt im Schweizer Fussball keinen Lionel Messi und keinen Xavi. Und schon gar keinen 'Deus ex machina'.

Lösen neue Namen die Blockade?

Doch es gibt ein paar neue Namen, die dem Team helfen sollen, die offensive Blockade zu lösen. Pirmin Schwegler ist einer, der dem Team helfen kann. Er ist nun nach dem Abgang von Huggel der Nebenmann von Gökhan Inler am Regiepult. «Er hat Passsicherheit und Passgenauigkeit», urteilt Hitzfeld.

Generell müsse das Team frecher und mutiger werden. Das spricht für die beiden Basler Valentin Stocker und Xherdan Shaqiri. Von Stocker erwartet Hitzfeld offenbar einiges. «Ich brauche Mittelfeldspieler, die Tore erzielen. Stocker kann unsere Torgefahr erhöhen.» Als weitere Variante hat Hitzfeld Xavier Margairaz auf dem Radar, allerdings sagte der FCZ-Spieler wegen leichter Adduktorenprobleme kurzfristig ab.

Mit Margairaz würden sich das Spiel und die Aufgabenverteilung im Mittelfeld ändern, weil er offensiver ist als Schwegler. Als Huggel sowieso. Die Zeiten der so genannten 'Doppel-Sechs' wären vorbei. So weit ist Hitzfeld indes noch nicht. Margairaz hat sich international bisher nicht durchsetzen können. Weder im Nationalteam, noch im Europacup, noch bei seinem Ausland-Engagement in Spanien. Hitzfeld sagt: «Erst muss Margairaz beim FCZ eine Leaderrolle übernehmen.»

Das Gute beibehalten

Hitzfeld sucht zwar nach Lösungen für «mehr Effizienz, mehr Durchsetzungsvermögen, mehr Kaltschnäuzigkeit in der Offensive». Aber das Gute will er trotzdem beibehalten. «Die Defensive wird weiterhin unsere Stärke sein. Davon lebte die Schweiz in den vergangenen Jahren. Wir können nicht offensiv spielen und in Konter laufen und dann 3:5 oder 3:6 verlieren.»

Schwegler oder Margairaz? Stocker? Doppel-Sechs oder Rhombus? Es sind bloss Detailfragen. Einzelne Namen können nicht so viel bewirken. Hitzfelds Assistenz Michel Pont sagte im Interview mit der Westschweizer Zeitung 'Le Matin': «Die ganze Mannschaft muss mehr machen. Vorne müssen alle mehr Willen zeigen. Alle!». Für den Trainer-Staff ist klar: Das Team muss sich als Einheit weiterentwickeln.

Deshalb ist Hitzfeld als Baumeister gefragt. Im zweiten Zyklus seiner Amtszeit muss er die SFV-Auswahl jetzt fussballerisch einen Schritt weiterbringen, um die nächsten Ziele zu erreichen. Denn der Weg ans nächste Turnier ist steinig. Allein mit guter defensiver Organisation wird es unmöglich sein, die Qualifikation für die EM- Endrunde 2012 zu realisieren. Wer Honduras nicht schlägt, hat nicht nur gegen England einen schweren Stand. Für den sind auch Bulgarien und Wales sowie selbst Montenegro harte Prüfungen.

(si)

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