Schwimmen: Remo Lütolf tritt zurück
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Schwimmen: Remo Lütolf tritt zurück

Mit Remo Lütolf hat ein Aushängeschild des Schweizer Schwimmsports seinen Rücktritt erklärt.

Der 26-jährige St. Galler Rheintaler ist nicht mehr motiviert genug, den grossen Aufwand eines Spitzensportlers auf sich zu nehmen.

Bereits an den Europameisterschaften Anfang August in Budapest, als Lütolf über 50 m Brust als 17. bereits in den Vorläufen ausgeschieden war, deutete er ein mögliches Karriereende an. Mit dem frühzeitigen Scheitern hat der Rücktritt allerdings nichts zu tun, er ist reiflich gewachsen. «Ich habe es mir nicht einfach gemacht», erklärte der Brustspezialist. Dadurch sei er sich nun aber sehr sicher, dass es für ihn der richtige Entscheid sei.

Lütolf hatte bereits vor zwei Jahren seine Prioriäten in Richtung Studium verlegt, welches er im nächsten Sommer abschliessen wird - er studiert an der Fachhochschule Winterthur Journalismus und Organisationskommunikation. «Daneben bin ich so gut als möglich geschwommen», sagte Lütolf. Nun habe er realisiert, dass er mit dem reduzierten Training seinen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden könne. «Ich schwimme, um zu gewinnen, und das kann ich nicht mehr. Nur zum Mitmachen reicht die Motivation nicht aus.»

Insbesondere über 100 m Brust konnte Lütolf zuletzt seine Leistung nicht mehr abrufen. 50 m ist an den Olympischen Spielen 2008 in Peking allerdings nicht im Programm, so dass eine dritte Teilnahme nur mit einem Effort zu realisieren gewesen wäre. «Ich hätte meine Prioritäten wieder verschieben müssen, und das wollte ich nicht», so der Athlet des SC Uster-Wallisellen. Die Langbahn-WM im kommenden März in Melbourne dagegen wäre er gerne noch geschwommen. Allerdings hätte er mit einer Teilnahme vier von 16 Wochen des letzten Semesters verpasst und somit das Studium gefährdet.

Mit ein Grund für den Rücktritt ist auch eine gewisse Sättigung. Lütolf nahm bei der Elite an 7 Welt- und 15 Europameisterschaften (Kurz- und Langbahn) teil. Er ist einer der erfolgreichsten Schweizer Schwimmer. International sorgte er erstmals 1996 für Furore, als er an den Junioren-EM in Kopenhagen über 100 m Brust Gold gewann. Auch bei den Erwachsenen stand er einmal auf dem WM- (Dritter) und dreimal auf dem EM-Podest (einmal Zweiter und zweimal Dritter), wobei mit Ausnahme der EM in Helsinki im Jahr 2000 (Bronze) jeweils im 25-m-Becken. Als grössten Erfolg bezeichnete er allerdings den 8. Rang über 100 m Brust an den Olympischen Spielen in Sydney.

Auf nationaler Ebene sicherte sich Lütolf im Einzel 25 Titel, den ersten 1995 im Alter von 15 Jahren. Er ist zudem sowohl auf der Lang- als auch auf der Kurzbahn Schweizer Rekordhalter über 50 und 100 m Brust.

Lütolf betonte zwar, dass man nie nie sagen soll, er beabsichtigt jedoch auch national keine Wettkämpfe mehr zu bestreiten. Wenn er etwas mache, dann richtig, begründete Lütolf. Ein- bis zweimal pro Woche will er aber noch ins Wasser steigen. Es gelte, sich nun daran zu gewöhnen, nicht mehr ins Training zu müssen. Beruflich weiss er noch nicht, wie es nach dem Studium weitergeht. Nach Möglichkeit will er im Bereich Kommunikation arbeiten.

(si)

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