Meere ohne Plastik: Schwimmende Müllschlucker bringen es nicht

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Meere ohne PlastikSchwimmende Müllschlucker bringen es nicht

In den Ozeanen schwimmen mehrere Millionen Tonnen Plastik. Umweltschützer versuchen, die Menge mithilfe schwimmender Barrieren zu reduzieren. Lösen lässt sich das Problem so aber nicht.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Mit dem Projekt «Ocean Cleanup» will der 26-jährige Niederländer Boyan Slat den sogenannten Great Pacific Garbage Patch, auch Nordpazifikwirbel genannt, von 40’000 Tonnen Plastikmüll befreien.

Mit dem Projekt «Ocean Cleanup» will der 26-jährige Niederländer Boyan Slat den sogenannten Great Pacific Garbage Patch, auch Nordpazifikwirbel genannt, von 40’000 Tonnen Plastikmüll befreien.

Ocean Cleanup
Der Startschuss für das gigantische Projekt fiel am 8. September 2018 in San Francisco.

Der Startschuss für das gigantische Projekt fiel am 8. September 2018 in San Francisco.

Erwin Zwart - Fabrique Computer
Hinter den Beteiligten liegen acht Jahre Vorbereitungszeit. (Im Bild: Boyan Slat mit Pressevertretern, 2017)

Hinter den Beteiligten liegen acht Jahre Vorbereitungszeit. (Im Bild: Boyan Slat mit Pressevertretern, 2017)

Darum gehts

  • Forscher haben untersucht, ob schwimmende Müllschlucker das Plastikproblem im Meer lösen können.
  • Das Ergebnis ist ernüchternd.
  • Demnach sind Projekte wie «Ocean Cleanup» zwar gut, aber nicht effizient genug.
  • Entsprechend gibt es laut den Forschern nur eine Lösung.

Die vielen Millionen Tonnen Plastik im Meer sind eine Plage, die sich kaum mehr in den Griff bekommen lässt – trotz verschiedener Ansätze, das Kunststoffproblem aus der Welt zu schaffen. Zu diesem Urteil kommen deutsche Forscher im Fachjournal «Science of the Total Environment».

Das Team um Agostino Merico vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen hat mithilfe von mathematischen Modellen untersucht, welche Auswirkungen es hätte, wenn 200 schwimmende Barrieren das Plastik aus dem Wasser fischten und an Land brächten, wo es recycelt oder verbrannt würde.

«Sie werden uns nicht dabei helfen, das Problem zu lösen»

Das Ergebnis ist ernüchternd: So lassen sich so während 130 Jahren wohl nur knapp über fünf Prozent des Kunststoffs aus dem Meer holen – und das auch ohne jede Ausfallzeit. «Angesichts der riesigen Mengen an Plastikmüll, die fortwährend die Ozeane verschmutzen, ist das ein eher geringer Beitrag», sagt einer der Forscher, Sönke Hohn.

Studienleiter Merico wird noch deutlicher: «Technologien, wie vom Projekt Ocean Cleanup (siehe Box und Bildstrecke) vorgeschlagen, werden uns nicht dabei helfen, das Plastikproblem zu lösen.» Infrage stellt er das Projekt aber nicht: «Diese Initiative ist nach wie vor bewundernswert und nützlich.» Nur eben nicht zielführend.

Ocean Cleanup

Eine Reihe von privaten Initiativen hat sich zum Ziel gesetzt, die Meere von Plastikmüll zu befreien. So strebt Ocean Cleanup an, den Pacific Garbage Patch im Nordpazifik, den grössten Müllstrudel in den Ozeanen, innerhalb von 20 Jahren zu reinigen. Dazu sollen 600 Meter lange, schwimmende Barrieren eingesetzt werden, die das Plastik sammeln, um es später an Land zu recyceln oder zu verbrennen.

Auch Barrieren in Flüssen, welche die Haupttransporteure des Mülls sind, in Kombination mit den Müllschluckern sind laut den Experten nicht ideal: Sie seien zwar deutlich Erfolg versprechender, aber aufgrund des Schiffsverkehrs wenig praktikabel.

Plastik an Land – was dann?

Das Herausfischen des Plastiks ist aber nur ein Problem. Das andere betrifft seine Weiterverarbeitung an Land: Den Kunststoff zu recyceln, ist schwierig, weil er sehr vielfältig und oft mit Mikroorganismen bewachsen ist. Der Aufwand für eine Sortierung wäre sehr hoch. Lösungen wie Verbrennen oder Vergraben ist aus ökologischen Gründen unpraktisch. Beim Vergraben könnte der Boden verunreinigt werden, beim Verbrennen gelangt CO2 in die Atmosphäre.

Aus all dem folgert Merico: «Es gibt nur eine Lösung: Wir müssen die Produktion von Kunststoffen einstellen und alternative, nachhaltigere Lösungen wie die Verwendung biologisch abbaubarer Materialien fördern.»

Ein tonnenschweres Problem

Ein weiteres grosses Problem der Weltmeere wurde in der Studie gar nicht berücksichtigt: Neben den derzeit 399’000 Tonnen Plastik an der Ozeanoberfläche und weiteren Millionen in den tieferen Schichten befinden sich auch mehrere Millionen Tonnen Mikroplastik in den Meeren. Allein in den oberen Wasserschichten der ersten 200 Meter sind es laut Forschern des National Oceanography Centre näherungsweise 12 bis 21 Millionen Tonnen.

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