15 Buben missbraucht: Schwimmtrainer: «Es waren meine Freunde»
Aktualisiert

15 Buben missbrauchtSchwimmtrainer: «Es waren meine Freunde»

In Lugano steht der ehemalige Präsident eines Schwimmclubs vor Gericht. Er soll sich regelmässig an seinen Schwimmschülern vergangen haben.

von
bro
Bomio (l.) trainierte auch die ehemalige Spitzenschwimmerin Flavia Rigamonti.

Bomio (l.) trainierte auch die ehemalige Spitzenschwimmerin Flavia Rigamonti.

Vor dem Strafgericht in Lugano TI hat am Montag der Prozess wegen Kindesmissbrauchs gegen den ehemaligen Präsidenten des Schwimmclubs Bellinzona begonnen. Flavio Bomio wird vorgeworfen, sich über zehn Jahre lang beim Training an Buben vergangen zu haben.

Rund 15 Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sind in den Fall einbezogen, wie aus der Anklageschrift hervorgeht. Dem früheren Schwimmtrainer wird sexuelle Nötigung, Schändung und Kindesmissbrauch vorgeworfen. Einige Beziehungen mit seinen Opfern sollen über mehrere Jahre gedauert haben.

Gemäss Anklage ereigneten sich die Übergriffe vorwiegend in Bellinzona. Der heute 71-jährige Schwimmtrainer soll seine Opfer aber auch bei Wettkämpfen im In- und Ausland, Trainingscamps und Urlaubsfahrten zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Die Anklage geht von über 400 Vorfällen aus.

«Es waren meine Freunde»

Der 71-Jährige ist in allen Punkten geständig, bestreitet aber, auf seine minderjährigen Opfer Druck ausgeübt zu haben.

«Es waren meine Freunde. Wir hatten immer ein sehr enges und vertrauliches Verhältnis», verteidigte sich der Angeschuldigte vor dem Richter. Sexuelle Handlungen seien für ihn deshalb die «Weiterführung» dieser Freundschaften gewesen. Er bestritt, die Jugendlichen bedroht oder ihnen gegenüber Gewalt angewendet zu haben.

Auf Frage des Richters, ob es ihm nie - zumindest im Nachhinein - in den Sinn gekommen sei, dass die Buben aus dem Schwimmclub nur aufgrund seiner Machtposition und seines Ansehens seine Übergriffe zuliessen, sagte der Angeklagte «Nein.»

Um ihn vom Gegenteil zu überzeugen, lass der Richter Aussagen einzelner Jugendlicher vor. Sie hätten Angst vor dem Trainer gehabt, gaben diese zu Protokoll. Sie hätten sich nicht getraut, jemandem von den Vorfällen zu erzählen. Bomio sei von den Eltern sehr geschätzt worden, er habe Einfluss auf ihr ganzes Leben gehabt und ausserdem als Freund gegolten.

«Vergangenheit genommen»

In einem Fall soll Flavio Bomio den Eltern sogar Geld geliehen haben. Die Opfer sagten in den Protokollen eindeutig aus, dass sie - wenn es ihnen möglich gewesen wäre - niemals eine sexuelle Beziehung mit dem Trainer eingegangen wären. Der Angeklagte nahm diese vom Richter vorgetragenen Zitate «mit Schmerzen zur Kenntnis», wie er sagte.

Zum Einstieg in die Verhandlung gab der Ex-Präsident des Schwimmclubs Bellinzona an, «jetzt nur noch auf den Tod zu warten». Die ganze Angelegenheit habe ihm «seine Vergangenheit und seine Zukunft genommen». Von seiner Person und seinem Leben würden jetzt nur noch diese Taten übrig bleiben.

Bomio war auch Nationaltrainer

Bomio, der in der 1980er Jahren auch Nationaltrainer war, wurde im Dezember 2011 festgenommen. Zwei mittlerweile erwachsene Opfer hatten Jahre nach den Vorfällen gegen den Angeklagten Anzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft machte den Fall öffentlich, um weitere Opfer zu ermutigen, sich zu melden.

Nach seiner Festnahme wurde Bomio von den internationalen Schwimmverbänden FINA und LEN von seinen Ämtern suspendiert. Die Dauer des Prozesses vor dem Geschworenengericht in Lugano ist noch nicht bekannt. Zu der Verhandlung sind die Medien, aber kein Publikum zugelassen. (bro/sda)

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