Alpstein AI: «Schwingen ist schlimmer für Tiere als Drohnen»
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Alpstein AI«Schwingen ist schlimmer für Tiere als Drohnen»

Wildtiere im Alpstein leiden unter den Drohnen, sagt der WWF. Die Piloten wehren sich und weisen auf andere Probleme hin.

von
fej

Ein Drohnenvideo über dem Alpstein. (Video: Benjamin Sauer)

«Die Tiere geraten von einer Sekunde auf die andere in Panik und hetzen davon», schreibt der WWF Ostschweiz in seiner Medienmitteilung. Grund dafür: Drohnen.

«Der Drohnenflug im Alpstein hat in den letzten drei Jahren extrem stark zugenommen», erklärt Ueli Nef, Jagdverwalter in Appenzell Innerrhoden. Kein Wunder, seien die Tiere verunsichert, denn Fluggeräte können lau WWF bis 70 Dezibel laut werden, was an das Dröhnen eines Rasenmähers inmitten der winterlichen Stille herankommt.

Fluchtverhalten und Lebensbedrohung

Besonders ärgerlich für den Jagdverwalter: Filmaufnahmen oder Fotografien auf virtuellen Netzwerken würden noch mehr Leute dazu animieren, Drohnen hochsteigen zu lassen. Ueli Nef: «Einer der Hauptfeinde von Gämsen ist der Steinadler. Auf diesen Feind haben sie sich im Laufe der Evolution eingestellt. Und wenn plötzlich eine Drohne über sie hinweg fliegt, löst dies im Rudel ein panikartiges Fluchtverhalten aus».

Zwar sind Wildtiere in Jagdbanngebieten gesetzlich vor Störungen geschützt. Doch ausserhalb dieser Zonen sind die Behörden auf die Einsicht der Drohnenbesitzer angewiesen. Nef appelliert deshalb: «Wenn beispielsweise Gämsen im Winter extrem gestört werden, kann dies lebensgefährdend werden.»

«WWF soll sich um andere Dinge kümmern»

«Wenn ich Tiere sehe, fliege ich mit meiner Drohne weg. Mit der Natur muss man respektvoll umgehen», sagt dazu Drohnenbesitzer Benjamin Sauer. Dennoch macht der 30-jährige Stuttgarter öfters in der Schweiz seine Aufnahmen, gerne auch im Alpstein. «Die Gesetze in Deutschland sind viel strenger. Da herrscht in allen Gebirgen Flugverbot für Drohnen.»

Beim Schweizerischen Verband Ziviler Drohnen sieht man die Dinge etwas anders. «Auf einem grossen Teil des Alpsteins herrscht bereits Flugverbot. Es wird ein Problem gemacht, wo es gar kein Problem gibt», sagt Ueli Sager, Präsident des Verbands. Seine Mitglieder mache der Verband auf die Gesetze aufmerksam. Sager räumt zwar ein, dass es viele Piloten gibt, die nicht Mitglied im Verband sind, doch sieht er die Probleme im Alpstein woanders: bei Grossveranstaltungen wie dem Schwingfest oder bei den zahlreichen Gleitschirmfliegern. Der 44-jährige Gaiser sagt deshalb: «Der WWF soll sich lieber darum kümmern, als uns den kleinen Freiraum wegnehmen, den wir noch haben.»

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