06.12.2014 15:23

Geraldine testet

Schwitzen unter Strom

Elektrostimulations-Training (EMS) verspricht mühelosen Muskelaufbau. Doch was steckt hinter dem Hype? Wir haben das Training aus der Steckdose getestet.

von
gss
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Keine Szene aus einem Science-Fiction-Film, sondern EMS im Selbstversuch: Leichtathlet-Profi Rolf Fongué setzt mich unter Strom

Keine Szene aus einem Science-Fiction-Film, sondern EMS im Selbstversuch: Leichtathlet-Profi Rolf Fongué setzt mich unter Strom

Was?

Der neue Stern am Fitness-Himmel heisst Elektronische Muskelstimulation (EMS). Was ein wenig nach Folter klingt, kommt ursprünglich aus der Physiotherapie – seit einiger Zeit hält es aber auch in Schweizer Fitnessstudios und bei Personaltrainern Einzug. Die Funktionsweise ist simpel: Durch Stromimpulse wird die Tiefenmuskulatur aktiviert und kontrahiert. Machen wir Kraftübungen dazu, wird der Effekt verstärkt und der Muskelaufbau erleichtert.

Wie?

Mit eingesprühter Weste (der Strom soll schliesslich schön fliessen) und 16 Elektroden am Körper stehe ich vor dem Gerät: Eine Art Mischpult mit Griffen. Ganz langsam setzt der Trainer die einzelnen Elektroden unter Strom und dreht den Regler so weit, bis ich ein leichtes Kribbeln spüre. Das Gefühl erinnert an einen eingeschlafenen Arm. Speziell, aber nicht schmerzhaft. In den nächsten zwanzig Minuten folgen Intervalle von je vier Sekunden, in denen sich Stromfluss und Ruhephase abwechseln. Fliesst Strom, gilt es die Muskeln anzuspannen und Kniebeugen und andere Übungen auszuführen.

Wieso?

In nur 20 Minuten Ganzkörpertraining werden alle Muskelgruppen (Arme, Brust, Beine, Bauch, Rücken und Po) bis in die Tiefe per Stromimpuls stimuliert, viel intensiver, als es durch normale Anspannung möglich ist. Bewegen wir uns dabei zusätzlich, wird der Effekt verstärkt und der Muskelaufbau erleichtert.

Wer?

EMS-Training kann speziell nach Verletzungen ein nützliches Regenerations-Instrument zum erneuten Muskelaufbau sein. Schwangere, Menschen mit Herzschrittmacher oder erhöhtem Thromboserisiko sollten allerdings nicht mit EMS trainieren. Wer nicht topfit ist, lässt sich am besten vorher beim Arzt beraten.

Workout-Fazit

Das bisher unbekannte Gefühl, Squats unter Strom zu machen, ist eine spannende Abwechslung. Auch die knackig-kurze 20-minütige Workout-Dauer ist verlockend. Mit 100 Franken pro Einheit ist EMS allerdings ein teurer Spass, bei dem zwar die Muskeln, aber nicht unbedingt Koordination und Kondition gefördert werden. Wer EMS betreibt, sollte daher nicht auf Ausdauersport verzichten, um auch das Herz-Kreislauf-System zu trainieren.

EMS-Training wird in diversen Schweizer Studios angeboten, zum Beispiel bei Bionic, in Zürich, St. Gallen oder Luzern.

Ob Crossfit, Slackline-Yoga oder Green Juice: Geraldine (25) gibt vollen Körpereinsatz und testet für Sie die neusten Fitness-Trends.

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