Auf dem Bundesplatz: Schwule boykottieren russischen Wodka
Aktualisiert

Auf dem BundesplatzSchwule boykottieren russischen Wodka

Just say Niet: Weil Homosexuelle in Russland zunehmend diskriminiert werden, verzichten diese nun weltweit auf das Nationalgetränk. Das wird auch heute Abend am «Gaywest» in Bern so sein.

von
kmo

Homophobie gehört in Russland zum Alltag. Mit dem neuen Gesetz gegen «Homosexuellen-Propaganda» hat die russische Regierung dieser menschenverachtenden Haltung eine zusätzliche Legitimierung erteilt. Wladimir Putin hat es Ende Juni 2013 unterschrieben und damit landesweit jegliche positiven Bemerkungen über Homosexualität in Anwesenheit von Minderjährigen sowie in den Medien und im Internet unter Strafe gestellt. Bei Zuwiderhandlung drohen hohe Geldbussen und Gefängnis.

Dieser Akt sorgte umgehend für internationale Entrüstung – sowohl von offizieller Seite wie auch von den einzelnen Organisationen der Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender (SLBT). Der Aufruf des US-amerikanischen Autors und Journalisten Dan Savage, russischen Wodka ab sofort zu boykottieren, stiess auf grosse Zustimmung. Immer mehr Gay-Lokale auf der ganzen Welt verzichten in der Folge auf den russischen Hochprozentigen und schenken nur noch Wodkasorten aus anderen Ländern aus.

Flasche leer!

Zudem führen die SLBT-Organisationen weltweit Protestaktionen durch. Vor der russischen Botschaft in New York etwa verschütteten Aktivisten vergangenen Mittwoch demonstrativ russischen Wodka auf die Strasse (s. Video unten). Dasselbe taten gestern Demonstranten im kalifornischen West Hollywood.

Dem Protest haben sich natürlich auch die Schweizer SLBT-Organisationen angeschlossen. Russischer Wodka ist in den Gay-Bars fast nicht mehr zu finden. Auch das Gaywest-Festival, das heute in Bern stattfindet, verzichtet auf den Tropfen. «Auf dem ganzen Bundesplatz wird kein russischer Wodka ausgeschenkt», sagt Amal Chaoui, Organisatorin des Festivals Gaywest, in einer Medienmitteilung.

Wodka verschütten vor der russischen Botschaft in New York:

(Quelle: YouTube/Associated Press)

Stolichnaya – russisch oder nicht?

Besonders betroffen von der Boykottaktion ist die Marke Stolichnaya. Doch laut dem «Tages-Anzeiger» kann man russischen Stolichnaya ausserhalb Russlands gar nicht kaufen – der Export ist nämlich verboten. Die Firma SPI hat die Lizenz für den internationalen Markt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gekauft und stellt das Produkt seither in Lettland her.

Die SPI-Gruppe hat sich denn auch laut der «Huffington Post» umgehend bei Schwulenorganisationen über den Boykott beklagt. «Stolichnaya Wodka war stets ein glühender Unterstützer und Freund der SLBT-Community», schrieb der CEO der Firma in einem offenen Brief. Die Antwort der Aktivisten-Gruppe Queer Nation war kurz und abschlagend: «Marketing rettet keinem einzigen Mitglied der SLBT-Community das Leben».

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