Verbot lockern: «Schwule sollen Blut spenden dürfen»
Aktualisiert

Verbot lockern«Schwule sollen Blut spenden dürfen»

Das Blutspende-Verbot für Schwule sorgt nicht nur in Deutschland für Diskussionen. Ständerat Luc Recordon will das Thema in der Schweiz erneut lancieren.

von
S. Marty

Wegen der erhöhten Gefahr einer HIV-Ansteckung gelten Schwule als Sicherheitsrisiko und sind in der Schweiz von der Blutspende ausgenommen. Wer die Frage nach «sexuellen Kontakten unter Männern seit 1977» mit Ja beantwortet, darf in der Schweiz kein Blut spenden. Für den Grünen Ständerat Luc Recordon absolut unverständlich: «So werden Schwule kategorisch diskriminiert.»

Vor einem Jahr hat der Ständerat deshalb in einem Vorstoss eine Lockerung des lebenslänglichen Verbots gefordert. Der Bundesrat hielt in seiner Antwort zwar fest, dass er dieses zu prüfen bereit sei. Umfassende Analysen haben laut Swissmedic ergeben, dass derzeit keinen Grund zur Anpassung besteht: «Eine HIV-Infektion kommt in der Schweiz bei 3 von 1000 Personen vor. Bei Männern, die Sex mit Männern haben, sind es jedoch 100 Ansteckungen pro 1000», so Daniel Lüthi von Swissmedic.

Sex unter Männern müsse deshalb nach wie vor als besonderes Risikoverhalten betrachtet werden, wenn es um Infektionskrankheiten geht, die via Blut übertragen werden. Von Diskriminierung könne deshalb keine Rede sein. Lüthi: «Wir wollen sicher keine Menschengruppe ausschliessen, aber Empfänger von Bluttransfusionen so gut wie möglich vor Risiken schützen.»

Recordon überlegt sich neuen Vorstoss

Recordon aber will deshalb die Flinte nicht ins Korn werfen - im Gegenteil: «Für mich ist das Thema noch lange nicht vom Tisch. Schwule sollen Blutspenden dürfen.» Eine Lösung sei hier dringend notwendig. «Ich werde in der Herbst- respektive spätestens in der Wintersession dieses Thema erneut aufs politische Parkett bringen», so der Waadtländer. Falls bilaterale Gespräche mit dem Bundesrat keine Früchte tragen sollten, will er es erneut mit einem Vorstoss probieren.

Damit wäre Recordon nicht alleine. In Deutschland ist derzeit ebenfalls eine Debatte darüber entfacht, ob man das Blutspendeverbot für Schwule anpassen soll. Während sich auch im Nachbarsland die Grünen für das Anliegen stark machen, warnen Wissenschaftler vor den Risiken.

Unterstützung zugesichert

Klar ist jedoch, Recordons Offensive wird auch in der Schweiz nicht klanglos untergehen. Der schwule Parlamentarier Martin Naef hat dem Waadtländer bereits seine Unterstützung zugesichert: «Statt Leute nach ihren sexuellen Vorlieben zu beurteilen, sollte man sie viel eher nach ihrem Risikoverhalten fragen», so der SP-Nationalrat Martin Naef. Wer sich beim Sex richtig schütze, der stelle auch kein Risiko dar.

Parteikollege und Ständerat Claude Janiak ergänzt: «Da beklagen wir uns, dass es zu wenig Blut hat und schliessen gleichzeitig eine ganze Menschengruppe vom Spenden aus», so Janiak, der in einer eingetragenen Partnerschaft lebt. Er selbst habe persönliches Interesse an Recordons Anliegen. «Als ich vor zwei Jahren mit anderen Parlamentariern Blut spenden wollte, habe ich extra kurz vorher einen HIV-Test gemacht und diesen mitgebracht. Blut spenden durfte ich trotzdem nicht», so Janiak.

Auch wenn man bei Blutspende SRK Schweiz das Engagement der Politiker in allen Ehren hält, an eine Lockerung der Ausschlusskriterien mag Direktor Rudolf Schwabe nicht glauben: «Der Entscheid von Swissmedic war deutlich. Uns sind so die Hände gebunden – vorest zumindest.» Denn das letzte Wort ist laut Schwabe bei dieser Thematik in den nächsten Jahren noch nicht gesprochen.

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