Aktualisiert 15.07.2014 09:27

WHO-Empfehlung

Schwule sollen präventiv Anti-HIV-Pillen schlucken

Brisante neue Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO: Männer, die Sex mit Männern haben, sollen vorsorglich Anti-Aids-Medikamente einnehmen. Schwule sind konsterniert.

von
ram
In den USA ist das Anti-Aids-Medikament Truvada seit 2012 auch zur HIV-Prävention zugelassen. Nun empfiehlt die WHO, dass alle Schwulen die Pillen präventiv nehmen sollen.

In den USA ist das Anti-Aids-Medikament Truvada seit 2012 auch zur HIV-Prävention zugelassen. Nun empfiehlt die WHO, dass alle Schwulen die Pillen präventiv nehmen sollen.

Sie heisst auch «Pille davor»: Die sogenannte Präexpositions-Prophylaxe (PrEP), die bei täglicher Einnahme verhindern soll, dass man sich mit dem HI-Virus ansteckt. Das Medikament, das ursprünglich zur Behandlung von Infizierten entwickelt wurde, wird vielleicht schon bald von Schwulen weltweit vorbeugend geschluckt. So zumindest sehen es die neusten Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO vor, die vor wenigen Tagen publiziert wurden. Männer, die Sex mit Männern haben, sollen demnach - nebst der Benutzung von Kondomen - die Anti-Aids-Mittel einnehmen.

Als «Chabis» bezeichnet der Berner Immunologe Beda Stadler die neuen Richtlinien. «Für Pärchen, bei denen einer der Partner HIV-positiv ist, machen die Medikamente vielleicht Sinn - als generelle prophylaktische Massnahme aber sicher nicht.» Schliesslich hätten die Mittel teils gravierende Nebenwirkungen bis hin zu Nierenschäden oder brüchigen Knochen. Da spiele es auch keine Rolle, ob die Betroffenen die Pillen selbst bezahlen würden. «Die Folgekosten, die aus langjährigem Medikamentenkonsum entstehen, trägt immer die Gesellschaft.»

«Das kann verheerende Konsequenzen haben»

Zudem untergrabe die WHO mit diesen Empfehlungen sämtliche Präventionsbemühungen. «Wer die Mittel einnimmt, wiegt sich eventuell in falscher Sicherheit und verzichtet aufs Kondom», so Stadler. «Das kann verheerend sein.»

Vor trügerischer Sicherheit und explodierenden Kosten warnt auch der schwule Berner SVP-Grossrat Thomas Fuchs. «Es ist mir völlig unverständlich, wie die WHO solche Richtlinien herausgeben kann.» Das Thema HIV und Aids betreffe bei weitem nicht bloss Homosexuelle, sondern auch Hetero-Paare. «Will die Organisation nun etwa, dass jede und jeder vorsorglich Medikamente einwirft? Das kann doch nicht sein.» Beim Bundesamt für Gesundheit BAG ist noch keine Stellungnahme zu den neuen Richtlinien erhältlich. Sprecherin Katrin Holenstein: «Das BAG wird die Empfehlung und deren Begründung sorgfältig lesen, prüfen, und nach den Sommerferien mit der Kommission für sexuelle Gesundheit diskutieren.»

Keinerlei Schutz vor anderen übertragbaren Krankheiten

In den USA ist das entsprechende Mittel Truvada seit 2012 zur HIV-Vorbeugung zugelassen. Vor einigen Monaten erliess die amerikanische Regierung gar die offizielle Weisung, Ärzte sollten das Medikament «Menschen mit einem hohen Ansteckungsrisiko» präventiv verschreiben. Laut einer Studie verringert das Medikament eine Infizierung um 42 bis zu 73 Prozent. Andere übertragbare Geschlechtskrankheiten wie Syphilis, Gonorrhoe, Chlamydien oder Hepatitis C könne es allerdings nicht verhindern, geben Experten zu bedenken.

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