Aktualisiert 27.02.2019 15:18

LGBTQ-Proteste

Schwule und Fasnächtler begraben das Kriegsbeil

Nach der Hetze gegen die LGBTQ-Community in der Luzerner Fasnachtszeitung «Knallfrosch» zeigen die Herausgeber Grösse: Sie sagen öffentlich Sorry.

von
dag
1 / 4
Die Luzerner Wey-Zunft entschuldigt sich für einen Artikel in der Fasnachtszeitung «Knallfrosch». Man hätte nicht die Absicht gehabt, die LGBTQ-Community «wegen einer bestimmten sexuellen Orientierung zu diskriminieren».

Die Luzerner Wey-Zunft entschuldigt sich für einen Artikel in der Fasnachtszeitung «Knallfrosch». Man hätte nicht die Absicht gehabt, die LGBTQ-Community «wegen einer bestimmten sexuellen Orientierung zu diskriminieren».

Facebook/Knallfrosch
Anlass zur Debatte war dieser Text im «Knallfrosch». In den sozialen Medien sorgte dies für Empörung. «Satire gegen Minderheiten ist erbärmlich», kommentierte etwa ein Facebook-Nutzer.

Anlass zur Debatte war dieser Text im «Knallfrosch». In den sozialen Medien sorgte dies für Empörung. «Satire gegen Minderheiten ist erbärmlich», kommentierte etwa ein Facebook-Nutzer.

Knallfrosch
Zudem protestierte eine anonyme Gruppe mit einem Transparent gegen den Text: «Diskriminierung ist keine Satire», haben sie auf das Transparent geschrieben.

Zudem protestierte eine anonyme Gruppe mit einem Transparent gegen den Text: «Diskriminierung ist keine Satire», haben sie auf das Transparent geschrieben.

tst

«Ich bin schwul, pervers und arbeitsscheu. Wo gibt es Gleichgesinnte, mit denen ich meinen Laich teilen oder tauschen kann?»: So steht es in der satirischen Fasnachtszeitung «Knallfrosch» der fasnächtlichen Wey-Zunft geschrieben. Die Zeitung liefert auch die Antwort auf die Frage: «Es gibt in Luzern alles für LGBTQ-Freundinnen und Freunde. Zweimonatlich kannst Du im Neubad den Frosch markieren.»

Im Neubad, einem Kulturhaus in Luzern, finden tatsächlich regelmässig Treffen für Queers und Freunde statt. Eine anonyme Gruppe mit dem Namen REsolut hängte als Reaktion auf den homophoben Text im «Knallfrosch» ein Transparent an das Zunftlokal und verlangte öffentlich eine Entschuldigung.

«Wir bedauern die missglückte Wortwahl»

Am Mittwoch, einen Tag nach der Transparent-Aktion, folgt diese nun öffentlich: «Wir entschuldigen uns in aller Form für unseren Artikel über die LGBTQ und das Neubad. Die Redaktion des ‹Knallfrosch› hatte nie die Absicht, Personen wegen einer bestimmten sexuellen Orientierung zu diskriminieren», ist auf der Facebook-Seite der Fasnachtszeitung zu lesen. Zudem verschickte die Fasnachts-Zunft eine Medienmitteilung, mit der sie auf ihre Entschuldigung aufmerksam machte. Weiter schreibt die dafür zuständige Wey-Zunft, dass in diesem Bericht «über das Ziel hinausgeschossen wurde», was eigentlich so nicht passieren dürfe. «Wir bedauern die missglückte Wortwahl.»

Anonyme Gruppe freut sich über Entschuldigung

Künftig werde vermehrt darauf geachtet, dass so etwas nicht mehr passiere und die Fasnachtszeitung belustige und nicht Minderheiten angreife. Ausserdem stehe man mit der Organisation, die im Artikel angegriffen wurde, in Kontakt und werde den Dialog auch über die Fasnacht hinaus fortsetzen.

Bei der anonymen Gruppe ist man erfreut über die Reaktion der «Knallfrosch»-Macher: «Wir freuen uns über die Entschuldigung und darüber, dass sich die Wey Zunft in der Zukunft kritisch reflektieren wird. Diesbezüglich werden wir die Zünftler beim Wort nehmen und uns neue Publikationen genau anschauen», teilt die Gruppe auf Anfrage mit. «Die Fasnacht soll allen Spass machen. Dies funktioniert aber nicht, wenn Minderheiten diskriminiert werden», heisst es weiter.

Fehler gefunden?Jetzt melden.