Homophobie: Schwuler Politiker wird aufs Übelste beleidigt

Aktualisiert

HomophobieSchwuler Politiker wird aufs Übelste beleidigt

GLP-Politiker Michel Rudin und sein Begleiter wurden bei einem Abendessen in Lyss BE Opfer von verbalen Beleidigungen. Der Grund: ihre Homosexualität.

von
km
1 / 4
Michel Rudin, GLP-Politiker, wurde Opfer von Homophobie in einem Restaurant.

Michel Rudin, GLP-Politiker, wurde Opfer von Homophobie in einem Restaurant.

Keystone/Lukas Lehmann
Eine Gruppe von acht Männern dinierte am Tisch neben dem Lysser Politiker und seinem Begleiter. Die jungen Männer hätten die beiden den ganzen Abend lang intensiv verbal beleidigt.

Eine Gruppe von acht Männern dinierte am Tisch neben dem Lysser Politiker und seinem Begleiter. Die jungen Männer hätten die beiden den ganzen Abend lang intensiv verbal beleidigt.

Google Maps
Nachdem die Gruppe das Restaurant verlassen hatte, meldete Rudin das Geschehene dem Wirt. Auch dieser sei schockiert gewesen.

Nachdem die Gruppe das Restaurant verlassen hatte, meldete Rudin das Geschehene dem Wirt. Auch dieser sei schockiert gewesen.

Es hätte eigentlich ein gemütlicher Samstagabend in einem Restaurant in Lyss werden sollen. Doch für Michel Rudin, GLP-Politiker und Co-Präsident der Schwulenorganisation Pink Cross, und einen guten Freund verlief dieser alles andere als harmonisch.

Die beiden Homosexuellen wurden den ganzen Abend von Tischnachbarn verbal belästigt und mussten Beleidigungen über ihre Homosexualität ertragen. Am nächsten Tag teilte Rudin sein Erlebnis in den Sozialen Medien und erhielt viel Unterstützung, wie Tele Bärn berichtete.

Ganzen Abend beleidigt

Eine Gruppe von acht Männern dinierte am Tisch neben dem Lysser Politiker und seinem Begleiter, wie Rudin gegenüber 20 Minuten ausführt. Die jungen Männer hätten die beiden den ganzen Abend lang intensiv verbal beleidigt. «Ich möchte nicht genau wiedergeben, was sie zu uns gesagt haben», sagt Rudin, «die Beleidigungen gingen um unsere sexuelle Ausrichtung und Sexualpraktiken.» Die ihm nicht bekannten Männer seien um die 20 Jahre alt gewesen. Nachdem die Gruppe das Restaurant verlassen hatte, meldete Rudin das Geschehene dem Wirt. Auch dieser sei schockiert gewesen, konnte jedoch nicht mehr reagieren, da die Gruppe das Lokal bereits verlassen hatte.

Ohrfeige im Gasthof

Nachdem der Politiker den Vorfall publik machte, meldeten sich auch andere Opfer von Übergriffen. So erzählt ein 37-jähriger Homosexueller, am Freitag in einem Gasthof im Entlebuch ebenfalls Opfer von Homophobie geworden zu sein. Er sei mit einem Freund etwas trinken gegangen, als plötzlich eine Gruppe Arbeiter laut geworden sei: «Sie beschimpften uns, weil ich schwul bin. Es eskalierte schliesslich und einer der Männer ohrfeigte mich», so der Mann.

Was ihn besonders schockiert habe: «Das Gasthaus war gut besucht, aber niemand hat reagiert. Noch schlimmer, mehrere Personen haben gelacht und waren amüsiert», so der Luzerner. Auch die Angestellten oder der Wirt hätten sie nicht in Schutz genommen: «Ich stellte den Wirt danach zu Rede. Er verurteilte das Verhalten zwar, aber meinte: ‹Es sind Stammgäste und hier auf dem Land ist das halt so›.»

«Zunahme von Übergriffen»

Bei Pink Cross, dem Dachverband für schwule und bisexuelle Männer*, zeigt man sich schockiert darüber, dass am gleichen Wochenende gleich zwei Männer in Gaststuben Opfer von Homophobie wurden. Überraschen würde es ihn jedoch nicht, sagt Florian Vock von Pink Cross: «Wir verzeichnen in letzter Zeit eine deutliche Zunahmen an Übergriffen gegen LGBT-Menschen.» Es sei jedoch unklar, ob tatsächlich mehr Übergriffe geschähen oder ob Schwule und Lesben die Belästigungen einfach nicht mehr hinnehmen würden.

Er rät Menschen, die Opfer von Homophobie geworden sind: «Sich immer Hilfe holen, etwa bei der Opferhilfe.» Diese würde dann auch in Sachen Anzeige beratend zur Seite stehen.

Urnengang gegen Diskriminierung

Bei der Organisation sieht man Handlungsbedarf. Aus diesem Grund hat sie mit Partnern eine Erweiterung des Diskriminierungsartikels vorgeschlagen (siehe Box). Das Volk wird im Februar darüber abstimmen. Vock: «Im Einzelfall, wenn man Opfer von Übergriffen wurde, nützt einem der Artikel nichts, aber es ist wichtig, als Gesellschaft Stopp zu sagen und Diskriminierung abzulehnen.»

Wurden sie auch schon diskriminert, zum Beispiel wegen ihrer sexuellen Orientierung? Erzählen Sie uns davon.

Gesetz gegen Diskriminierung

Am 9. Februar 2020 soll in der Schweiz über das Antidiskriminierungsgesetz abgestimmt werden. Die bestehende Bestimmung im Strafgesetzbuch (Art. 261bis) gegen die Rassendiskriminierung aufgrund der Rasse, Ethnie oder Religion, soll um die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung erweitert werden. Öffentliche Homophobie soll somit unter Strafe gestellt werden und mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft. km

Deine Meinung