SVP-Gemeinderat: Schwuler Politiker würde auf Regli folgen
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SVP-GemeinderatSchwuler Politiker würde auf Regli folgen

Nach den Aussagen von SVP-Gemeinderat Daniel Regli wird sein Rücktritt gefordert. Doch der Partei fehlt es an Alternativen.

von
Jennifer Furer

Reglis Rede im Originalton – seine Aussagen zum Thema Homosexuelle finden Sie ab Minute 6.

Homosexuelle zwischen 30 und 40 würden sich das Leben nehmen, weil «der Analmuskel nicht mehr hält, was er verspricht». So äusserte sich SVP-Gemeinderat Daniel Regli am Samstag im Stadtzürcher Parlament. Und er sagte weiter: «Weil viele sich nicht getrauen, mit Windeln rumzulaufen, gibt es Selbstmorde.» Dies sei ein Grund dafür, dass jeder fünfte Homosexuelle mindestens einen Selbstmordversuch gemacht habe.

Sein Votum löste im Gemeinderatssaal einen Tumult aus. Die SVP distanzierte sich von den Äusserungen ihres Parteimitglieds. Die Juso forderte Reglis Rücktritt. Und auch Marco Denoth, Co-Präsident der SP Stadt Zürich, findet gegenüber 20 Minuten scharfe Worte: «Ich persönlich will den Typen nicht mehr sehen. Er soll nicht mehr in den Gemeinderat kommen.» Doch er sieht bei einem Rücktritt von Regli ein Problem: «Die Personaldecke bei der Stadtzürcher SVP ist sehr dünn.»

Verzicht aus beruflichen Gründen

Wie Recherchen von 20 Minuten zeigen, ist es tatsächlich so, dass die ersten beiden Kandidaten auf der Nachrückliste der SVP für den Kreis 11 nicht infrage kommen würden. Zum einen ist das Marco Kiefer, der öffentlich zu seiner Homosexualität steht und in einer eingetragenen Partnerschaft lebt.

Er winkt aber ab – und das nicht wegen seiner Homosexualität: «Ich will nicht in den Gemeinderat, weil ich mich auf mein Amt als Präsident der Aufsichtskommission Seebach konzentrieren will», sagt der SVP-Politiker. Kiefer ist somit auch Mitglied der Geschäftsleitung der Kreisschulpflege.

Verurteilter Politiker an zweiter Stelle

Für die Aussagen seines Parteikollegen findet Kiefer dennoch klare Worte. «Ich bin von den Aussagen betroffen und finde es ein No-go. Es ist absurd und inakzeptabel.» Trotzdem, sagt Kiefer: «Ein Rücktritt von Regli wäre nicht sinnvoll.» Denn die Neuwahlen für den Gemeinderat fänden im März statt und Regli würde sowieso nicht wieder antreten.

An zweiter Position auf der Nachrückliste ist ein Politiker, der rechtskräftig wegen Unterschlagens von Geld aus einer Quartiervereinskasse verurteilt ist. Da er sich aus der Politik zurückgezogen hat und aus der Partei ausgetreten ist, wird er anonym behandelt. 20 Minuten weiss aber, dass der Betroffene eine Verzichtserklärung auf einen Sitz im Gemeinderat unterschrieben hat.

SVP fordert keinen Rücktritt

Daniel Regli selbst sagt auf Anfrage, dass der Rücktritt für ihn kein Thema sei. «Die Entscheidung liegt aber bei der Fraktion, ob ich parteilos oder zum Rücktritt aufgefordert werde», sagt Regli.

Mauro Tuena, Präsident der Stadtzürcher SVP, beurteilt die Wortwahl von Regli als daneben. Er sagt, dass Regli das Votum im eigenen Namen gehalten habe und es nicht abgesprochen gewesen sei. «Diese Wortwahl gehört nicht zur SVP», sagt Tuena. Dennoch erachtet er Rücktrittsforderungen als verfehlt. «Er hat sich nichts Strafbares zuschulden kommen lassen.»

«Die SP lenkt von eigentlichen Problemen ab»

Die Voten der linken Ratsmitglieder seien vielfach ebenfalls jenseits der Grenze. «Eine Grünen-Gemeinderätin betitelte die SVP auf einem öffentlichen Podium vor rund 120 Leuten als Rassisten-Partei», sagt Tuena.

Wie Kiefer findet auch er: «Es sind nur noch zwei Monate bis zu den Gesamterneuerungswahlen und bis dahin gibt es etwa noch sechs Gemeinderatssitzungen. Ein Rücktritt für diese kurze Zeit ist unsinnig.» Und dass ein verurteilter Ex-Parteikollege nachrücke , stehe sowieso nicht zur Debatte.

Die Rücktrittsforderungen von SP und Juso bezeichnet Tuena als Wahlkampf-Propaganda. Sie würden von den eigentlichen Problemen ablenken. «Die SP mit ihrer Stadträtin Claudia Nielsen ist verantwortlich für die ruinierten Stadtzürcher Spitäler – sie will nur von solchen Debakeln ablenken.»

Suizidgedanken? Hier finden Sie Hilfe

Beratung:

Dargebotene Hand, Tel. 143, (143.ch); Online-Beratung für Jugendliche mit Suizidgedanken: U25-schweiz.ch

Angebot der Pro Juventute: Tel. 147, (147.ch)

Kirchen (Seelsorge.net)

Anlaufstellen für Suizid-Betroffene:

Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils (Nebelmeer.net);

Refugium – Geführte Selbsthilfegruppen für Hinterbliebene nach Suizid (Verein-refugium.ch);

Verein Regenbogen Schweiz (Verein-regenbogen.ch).

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