Bezirksgericht Zürich: Schwyzer Taliban terrorisierte Zürcher Schule
Aktualisiert

Bezirksgericht ZürichSchwyzer Taliban terrorisierte Zürcher Schule

Ein kosovarischer Gymnasiast hat an der Zürcher Minerva-Schule als angeblicher Terrorist Angst und Schrecken verbreitet sowie im Kanton Schwyz echte Sprengsätze gezündet.

von
Attila Szenogrady

Es war Anfang Dezember 2007, als an der Minerva-Schule in Zürich die nackte Angst umging. Drei Schülerinnen weigerten sich sogar, am Unterricht teilzunehmen. Der Grund für die Unruhe: Ein damals 18-jähriger Schüler hatte auf dem Pausenplatz martialische Fotos von sich herumgereicht. Darauf war er als Taliban-Terrorist abgebildet. Ausgerüstet mit einer Pistole und einem echten Sturmgewehr der Marke Kalaschnikow.

Angst vor Amoklauf

Dabei zeigte der junge Kosovare gegenüber seinen Mitschülern Verständnis für Selbstmordattentäter und erklärte, dass ein Telefon ausreiche, um Leute zu organisieren, welche ein Problem beseitigen würden. Mit der Folge, dass die Geschädigten reelle Angst vor einem Amoklauf ihres Schulkameraden bekamen.

Die aufgeschreckte Schulleitung schaltete schnell die Polizei ein. Diese nahm den jungen Taliban-Fan fest. Worauf dieser für sieben Wochen lang in der Untersuchungshaft verschwand.

Sprengsätze aus Schwarzpulver gezündet

Während den Ermittlungen kam heraus, dass der junge Waffennarr tatsächlich alles andere als harmlos war. So hatte er bereits zwischen dem 1. August und Oktober 2007 an seinem Schwyzer Wohnort Sprengsätze aus Schwarzpulver hergestellt und später in Waldstücken wiederholt gezündet. Dies vor einigen eingeweihten Schaulustigen, wobei er die Explosionen jeweils mit «Allah Akbar»-Rufen begrüsste.

Seine Aktion an der Schule benannte er als Akt der Selbstverteidigung. So sei er von den anderen immer fertiggemacht und als Versager bezeichnet worden. Mit den Fotos habe er erreichen wollen, dass er von den Klassenkollegen endlich in Ruhe gelassen und respektiert werde, erklärte er.

Ausgeprägte Rücksichtslosigkeit

Der Prozess gegen den 19-jährigen Täter fand im letzten Herbst aufgrund seines jugendlichen Alters unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Doch nun hat das Gericht seinen Entscheid eröffnet. Demnach hatte es den teilgeständigen Angeklagten wegen Schreckung der Bevölkerung sowie Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 30 Franken sowie 600 Franken Busse verurteilt. Zudem soll der Beschuldigte sämtliche Verfahrenskosten von rund 15 000 Franken tragen.

Im schriftlich begründeten Entscheid ist von einer ausgeprägten Rücksichtslosigkeit des Angeklagten gegenüber seinen Mitmenschen die Rede. Zudem von einer bedenklichen Geringschätzung gegenüber den elementaren Grundwerten unserer Gesellschaft. Mit den «Allah-Akbar»-Rufen habe er zudem einen Bezug zum aktuellen islamistischen Terror hergestellt, steht im Urteil. Aus diesem geht auch hervor, dass der Angeklagte inzwischen die Minerva-Schule verlassen musste und heute ein Gymnasium in Zürich besucht.

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