Aktualisiert 31.07.2014 15:22

Kühne Ideen von links

Scientology soll Flüchtlingen Platz machen

Die Basler Jungsozialisten fordern die Regierung auf, Scientology zu enteignen. Eine Unterkunft für syrische Flüchtlinge sei viel sinnvoller als ein Sektentempel.

von
lha

Um eine Provokation sind die Jungsozialisten nie verlegen. Die Platznot in den kantonalen Asylunterkünften wollen sie mit Kreativität beheben. In Basel-Stadt sind zurzeit alle 47 Plätze belegt, das Empfangszentrum Bässlergut wird dabei nicht miteingerechnet, weil das vom Bund betrieben wird. Provisorisch hat das Baselbiet schon angeboten, in die Bresche zu springen.

Dauerhaft wird dies aber keine Lösung sein. Angesichts der Millionen Syrer, die derzeit vor den Kriegswirren in ihrer Heimat auf der Flucht sind, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis das Baselbiet seine Kapazitäten nicht mehr seinem Nachbarkanton anbieten kann. Die Juso Basel-Stadt liefert der Regierung ein paar Anregungen, wie kurzfristig mehr Flüchtlinge aufgenommen werden können.

Scientologen sollen Syrern weichen

In einer Mitteilung vom Donnerstag schreiben sie: «Unterkünfte sollen in Form von Wohncontainern auf ungenutztem Gelände im Hafen- und Wolfquartier realisiert werden.» Eine weitere Möglichkeit wäre auch die Umnutzung leerstehender Gewerbeflächen. Und dann folgt ein ganz kühner Gedanke. Die Regierung solle auch eine Enteignung von Scientology prüfen, um deren Räumlichkeiten für syrische Flüchtlingsfamilien nutzbar zu machen.

«Das ist natürlich eine Provokation», sagt Juso-Präsident Beda Baumgartner. Aber man müsse sich schon fragen, ob es im Interesse des Kantons sei, dass eine Sekte ein riesiges Gebäude für sich nutze. Der Basler Ableger von Scientology hat an der Burgfelderdstrasse eine 4000 Quadratmeter grosse Parzelle für den Bau einer sogenannten «Ideal Org»-Kirche erworben. Dagegen hat sich im Quartier bereits viel Widerstand gebildet.

Kanton ringt um Platz

Der Kanton schaut sich zurzeit auf dem Wohnungsmarkt nach geeigneten Objekten um, wo Flüchtlinge untergebracht werden können. «In Zusammenarbeit mit Immobilien Basel ist die Sozialhilfe kontinuierlich und intensiv daran, Wohnraum zu suchen und alle erdenklichen Möglichkeiten zu evaluieren, um Asylsuchenden geeignete Unterbringungsmöglichkeiten bereitstellen zu können», sagt Nicole Wagner, Leiterin der Sozialhilfe Basel-Stadt auf Anfrage.

Baumgartner fordert die Regierung auf, sich darüberhinaus noch weiter Gedanken zu machen, wie die Platznot behoben werden kann. Vor dem Hintergrund der radikalen Asyl-Reformpläne der SVP verlangt er von ihr ein Zeichen. Basel könnte die Botschaft aussenden, dass die Flüchtlinge hier willkommen seien. «Und viel echtere Flüchtlinge als jene aus Syrien gibt es wohl nicht», sagt er mit Verweis auf die Diskussion um sogenannte Scheinasylanten.

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