#pfizerdocuments: Screenshot beweist nicht, dass Pfizer Covid-19-Impfstoff für unsicher hält
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#pfizerdocumentsScreenshot beweist nicht, dass Pfizer Covid-19-Impfstoff für unsicher hält

Auf Social Media kursiert die Behauptung, ein geleaktes Pfizer-Dokument beweise, dass der Covid-19-Impfstoff der Firma für schwangere und stillende Frauen nicht sicher sei. Doch das ist in mehrfacher Hinsicht falsch.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Dieser unter dem Hashtag #pfizerdocuments geteilte Screenshot sorgte in den letzten Tagen für Aufsehen. 

Dieser unter dem Hashtag #pfizerdocuments geteilte Screenshot sorgte in den letzten Tagen für Aufsehen. 

Screenshot Twitter
Einige Menschen werten ihn als Beweis dafür, dass die US-Pharmafirma Pfizer punkto der Sicherheit ihres Covid-19-Impfstoffs für Schwangere und Stillende gelogen hat. Sie liegen damit aber falsch – in mehrfacher Hinsicht.

Einige Menschen werten ihn als Beweis dafür, dass die US-Pharmafirma Pfizer punkto der Sicherheit ihres Covid-19-Impfstoffs für Schwangere und Stillende gelogen hat. Sie liegen damit aber falsch – in mehrfacher Hinsicht.

Pexels
So stammt das als Screenshot geteilte Dokument anders als von einigen Userinnen und Usern behauptet weder von Pfizer noch … 

So stammt das als Screenshot geteilte Dokument anders als von einigen Userinnen und Usern behauptet weder von Pfizer noch … 

REUTERS

Darum gehts

Die Corona-Welle ist zuletzt deutlich abgeflacht. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) meldete vergangene Woche 12'929 Infektionen, 198 Hospitalisationen und 21 neue Todesfälle (Stand: 10. Mai 2022). Dafür erhob sich eine Welle der Empörung. Grund dafür waren falsche Behauptungen, die unter dem Hashtag #pfizerdocuments und zusammen mit Screenshots (siehe Bildstrecke) in den sozialen Medien geteilt wurden.

Die falschen Behauptungen beziehen sich auf neue Dokumente (siehe Box), die von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA im Rahmen des sogenannten Freedom of Information Act (FOIA) veröffentlicht wurden, der jedem und jeder das Recht gibt, Zugang zu Dokumenten von staatlichen Behörden zu verlangen. Diese Dokumente gibt es zwar, sie zeigen aber nicht das, was unter dem Hashtag verbreitet wird.

Das steckt hinter der Freigabe der Dokumente

Daten sind überholt

Für Aufregung sorgten vor allem die Posts, die sich auf die Sicherheit des Impfstoffs während der Schwangerschaft und dem Stillen beziehen. In dem oft beigefügten Screenshot heisst es: «Der Covid-19 mRNA-Impfstoff BNT162b2 wird während der Schwangerschaft nicht empfohlen.» Und: «Es ist nicht bekannt, ob der Covid-19 mRNA-Impfstoff BNT162b2 in die menschliche Milch ausgeschieden wird. Ein Risiko für die Neugeborenen/Kinder kann nicht ausgeschlossen werden.» Die entsprechenden Stellen sind rot markiert.

Doch sie stammen weder, wie von einigen Userinnen und Usern behauptet, von Pfizer noch von der FDA. «In Wirklichkeit zeigt dieser Screenshot einen Teil einer Seite, die von der britischen Medicines and Healthcare Products Regulatory Agency (MHRA) im Dezember 2020 veröffentlicht wurde», schreibt unter anderem Snopes.com. Damit stammt die dort mitgeteilte Einschätzung aus der Phase, als der mRNA-Impfstoff gerade auf den Markt kam.

Seither sind jedoch jede Menge Daten – sowohl aus klinischen Studien als auch aus der realen Welt – hinzugekommen und die MRHA hat ihre Empfehlungen zur Impfung von Schwangeren und Stillenden den neuen Erkenntnissen angepasst und die Empfehlungen überarbeitet. Denn, so der Sprecher: «Über 104’000 Schwangere haben in England und Schottland mindestens eine Dosis des Impfstoffs erhalten, und es wurden keine Bedenken hinsichtlich der Sicherheit des Impfstoffs geäussert.»

Nutzen überwiegt mögliche Risiken deutlich

Zweifel an der Sicherheit des Comirnaty-Impfstoffs – und Modernas Spikevax – haben auch die verschiedenen Zulassungsbehörden nicht: Die Schweizer Impfkommission EKIF empfiehlt «eine Covid-19-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff für alle Frauen vor und während einer Schwangerschaft (idealerweise ab dem zweiten Trimester) sowie in der Stillzeit.» (PDF, Stand 13. April 2022.) Weiter sollten «insbesondere auch Frauen, die eine Schwangerschaft planen, eine Covid-Impfung durchführen.»

Die zunehmende Evidenz über die Sicherheit, Wirkweise und Wirksamkeit einer mRNA Covid-19-Impfung in der Schwangerschaft bestätige, dass der Nutzen einer Covid-19-Impfung in der Schwangerschaft mögliche Risiken deutlich überwiegt. «Schwangere Frauen haben ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe bei einer Covid-19-Infektion, insbesondere bezüglich Aufenthalts auf der Intensivstation sowie Intubation und Beatmung und ein erhöhtes Mortalitätsrisiko.» Zudem sei das Risiko, eine Frühgeburt zu erleiden – mit den möglichen Folgen für das Neugeborene – deutlich erhöht.

Babys profitieren

Auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und die US-Gesundheitsbehörde CDC sprechen sich für die Impfung von Schwangeren, Stillenden und Frauen mit späterem Kinderwunsch aus.

Die EMA führt aus, dass eine Vielzahl von Beobachtungsdaten von Schwangeren, die während des zweiten oder dritten Trimesters entweder den Biontech/Pfizer- oder den Moderna-Impfstoff erhalten hatten, keinerlei Schwangerschaftskomplikationen oder negative Folgen gehabt hätten. Bei der Gabe im ersten Trimester sei zudem kein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten festgestellt worden. Allerdings gebe es hierzu weniger Daten. Auch das Stillen ist laut der europäischen Behörde kein Problem: Bei beiden mRNA-Impfstoffen «sind keine negativen Auswirkungen auf den gestillten Säugling zu erwarten».

Laut zwei US-Studien profitieren Säuglinge sogar: In der einen wiesen die Forschenden nach, dass die Impfung der Mutter zu einem hundertfachen Anstieg an Antikörpern in der Muttermilch führt. In der anderen kamen die Autorinnen und Autoren zu dem Schluss, dass geimpfte Schwangere Antikörper an ihre Ungeborenen weitergeben können. Wie hoch der Schutz für Säuglinge ist, sei allerdings noch unklar, so die CDC. Klar sei dagegen, dass es keine Hinweise dafür gibt, dass die Covid-19-Impfstoffe unfruchtbar machen, wie manche Impfgegnerinnen und Impfgegner befürchten. Etwas, das auch schon die «Mutter der mRNA» und Senior Vice President bei Biontech, Katalin Karikó, gegenüber 20 Minuten erklärt hat.

Die Covid-19-Impfung macht unfruchtbar? Mitunter ist sogar das Gegenteil der Fall, erklärte Katalin Karikó im September 2021 bei einem Besuch in Bern.

20min/Matthias Spicher

Weitere Faktenchecks rund um das Coronavirus, Covid-19 und die Impfungen findest du hier.

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