Aktualisiert 10.04.2014 14:20

Pleitegeier«Se vende» – wer will den FC Valencia?

275 Millionen Euro beträgt die Schuldenlast des FC Valencia. Der Gegner des FC Basel in der Europa League steht zum Verkauf.

von
Sandro Compagno

Die Idee war bestechend und vor allem von anderen spanischen Fussballklubs erprobt: Man verkaufe das alte Stadion im Zentrum für einen Haufen Geld, saniere den Klub und baue mit dem Rest an einer weniger zentralen und damit weniger teuren Lage eine neue Arena.

So ähnlich hatte es Real Madrid 2003 mit seinem Trainingsgelände Ciudad Deportiva gemacht und knapp 500 Millionen Euro eingenommen. So wollte es auch der FC Valencia machen, der seit Jahren eine riesige Schuldenlast vor sich herschiebt.

Die Blase platzt

Doch dann kam die Krise. 2007 platzte die spanische Immobilienblase. Sie kostete Millionen den Job, sie riss Banken und Baufirmen in die Pleite und sie zerstörte auch die Hoffnungen des FC Valencia, einen gigantischen Schuldenberg auf elegante Art abzutragen. Die Arbeiten am Nou Mestalla im Norden der Innenstadt stehen seit fünf Jahren still. Dort, wo heute eine topmoderne Arena für 75'000 Fans stehen sollte, erinnert ein gigantisches Beton-Gerippe an Misswirtschaft und verpasste Gelegenheiten. Im alten Mestalla mit seinen dramatisch steilen Tribünen, wo schicke Stadtappartements hätten entstehen sollen, wird nach wie vor gekickt. Wohnungen baut niemand in Zeiten, in denen Schilder mit der Aufschrift «Se vende» (Deutsch: zu verkaufen) zahllose spanische Kommunen prägen.

Mit der spanischen Wirtschaftskrise begann auch eine sportliche Talfahrt des FC Valencia, historisch die Nummer 3 im Land. Teamstützen wie David Villa, David Silva, Juan Mata oder Jordi Alba wurden nach und nach verkauft. Trotzdem errechnete die Unternehmungsberatung KPMG im Sommer 2013 eine Schuldenlast von 275 Millionen Euro. Es sind Verpflichtungen, die der FC Valencia und dessen Stiftung bei der verstaatlichten Bankia haben, einem Zusammenschluss mehrere Pleitebanken. Bankia ist gleichzeitig die Hauptaktionärin des Vereins.

«Kein nachhaltiger Plan»

Im Januar 2014 informierte Präsident Amadeo Salvo an der Generalversammlung, dass ein Käufer für den maroden Klub gesucht werde. Man habe «keinen nachhaltigen Plan zur Refinanzierung der Schulden von Seiten des Vereins vorgelegt bekommen und sich deshalb zum Verkauf entschlossen», heisst es in einer Mitteilung der Bank – «Se vende».

Am 1. April endete die erste Phase des Verkaufsprozesses. Derzeit läuft die zweite Phase, die Identität möglicher Käufer soll erst danach bekannt gegeben werden. Spanische Medien orten mögliche Interessenten in China, Singapur, Russland und den USA. Klar ist, dass die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb den Verkauf erheblich erleichtern würde. In der Liga belegt der Finalist der Champions League 2000 und 2001 nur Platz 8, neun Punkte hinter den Rängen, die wenigstens zur Teilnahme an der Europa League berechtigen. Der Weg nach Europa führt für die «Blanquinegros» nur noch über den Triumph in der Europa League. Dazu müssen sie am Donnerstag gegen den FC Basel ein 0:3 umbiegen. Die Zeiten waren schon besser im Mestalla-Stadion.

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