Zürcher Unterland: Sechs Bohrgesuche für Atommüll eingereicht

Aktualisiert

Zürcher UnterlandSechs Bohrgesuche für Atommüll eingereicht

Stadel, Weiach, Glattfelden, Eglisau und Bülach: An diesen Standorten will die Nagra Bohrungen für ein mögliches Atommüll-Tiefenlager durchführen. Die Gesuche werden heute gestellt.

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Ein Nein-Plakat zu einem allfälligen Endlager fuer radioaktive Abfälle bei Weiach ZH. In dieser und vier weiteren Ortschaften im Gebiet Nördlich Lägern will die Nagra Bohrungen durchführen.

Ein Nein-Plakat zu einem allfälligen Endlager fuer radioaktive Abfälle bei Weiach ZH. In dieser und vier weiteren Ortschaften im Gebiet Nördlich Lägern will die Nagra Bohrungen durchführen.

Keystone/Steffen Schmidt
...dazu zählt auch das Städtchen Eglisau...

...dazu zählt auch das Städtchen Eglisau...

Keystone/Gaetan Bally
...und Glattfelden. Das Gebiet gilt als geeignet für ein Endlager.

...und Glattfelden. Das Gebiet gilt als geeignet für ein Endlager.

Keystone/Gaetan Bally

«Voraussichtlich werden nicht alle Bohrungen durchgeführt», sagte Maurus Alig, Geschäftsleitungsmitglied Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra), am Donnerstag vor den Medien in Stadel. In dieser Gemeinde haben die Verantwortlichen zwei Bohrplätze ausgesucht, in den anderen Gemeinden jeweils einen.

Das Gebiet, das die Geologen für ein Tiefenlager geeignet halten, befindet sich unter weiten Teilen der Gemeinden Glattfelden und Stadel. Die geplanten Bohrplätze liegen im Kreis darum herum.

Die Sondierbohrungen erlauben den Geologen, präzise Aussagen über den Aufbau und die Eigenschaften der Gesteinsschichten zu machen. Damit soll sich zeigen, ob sich die Schichten eignen, um ein Tiefenlager für Atommüll zu bauen. Vorangegangen war eine Untersuchung der Region Nördlich Lägern mit der 3D-Seismik-Methode. Mittels Schallwellen sucht man dabei nach geeigneten Gebieten.

Im Gebiet Nördlich Lägern soll die Anlage wie in den Gebieten Zürich Nordost und Jura Ost im Opalinuston eingerichtet werden, einer wasserundurchlässigen Schicht. Diese Schicht befindet sich unter Glattfelden und Stadel in einer Tiefe von 800 bis 900 Metern. Die Sondierbohrungen werden voraussichtlich bis in 1400 Meter Tiefe reichen. Die Geologen wollen auch die darunterliegenden Gesteine prüfen.

Bohrungen rund um die Uhr

Die Bohrplätze werden über ein Jahr bestehen: Drei Monate dauern die Vorbereitungsarbeiten, mehrere Monate bis zu einem Jahr wird gebohrt. Die Bohrungen werden rund um die Uhr, sieben Tage in der Woche durchgeführt - die Maschine steht nie still.

Weil die Bohrarbeiten für die Anwohner mit Umtrieben verbunden ist, wird sich die Nagra an den Lärmgrenzen für Industrie- und Gewerbezonen orientieren anstelle der weniger strengen Auflagen für Baustellen.

In den Gemeinden rumort es nicht

An der Medienkonferenz anwesend waren auch Vertreter der Regionalkonferenz und der betroffenen Gemeinden. Von ihnen war kein Widerstand gegen die Pläne der Nagra zu spüren. Ernst Gassmann (FDP), Gemeindepräsident von Glattfelden, sagte: «Wir sind regelmässig informiert worden, das hilft, die Emotionen zu entschärfen.»

Der parteilose Weiacher Gemeindepräsident Stefan Arnold sagte, der Gemeinderat habe für Oktober einen Ausflug für die Weiacher ins Zwischenlager in Würenlingen und in das Felslabor Mont Terri organisiert. Damit sollen die Einwohner an das Thema herangeführt werden.

In Stadel gab es laut Gemeindepräsident Dieter Schaltegger (SVP) bisher keine Kritik aus der Bevölkerung. Der Gemeinderat fragt sich aber, wie die Logistik für ein allfälliges Tiefenlager gelöst werden solle. Nach Stadel führt keine Bahnlinie.

(sda)

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