Aktualisiert 28.07.2016 09:43

Gute NachbarschaftSechs Expertentipps für den Waschküchenstreit

Sich still ärgern, gleich ausziehen oder doch miteinander reden: Ein Mediator gibt Tipps für Waschküchenprobleme.

von
Daniela Gschweng
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Die Waschküche, ein Kampfplatz: Wenn Nachbarn aufeinandertreffen, kann es schnell zum Streit kommen.

Die Waschküche, ein Kampfplatz: Wenn Nachbarn aufeinandertreffen, kann es schnell zum Streit kommen.

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Zugegeben, die Lage hat sich seit der grauen Vorzeit wesentlich verbessert. Die Wäsche muss nicht mehr von Hand geschrubbt werden und je nachdem muss man die Kleider nicht mal zum Trocknen aufhängen - Tumbler sei Dank.

Zugegeben, die Lage hat sich seit der grauen Vorzeit wesentlich verbessert. Die Wäsche muss nicht mehr von Hand geschrubbt werden und je nachdem muss man die Kleider nicht mal zum Trocknen aufhängen - Tumbler sei Dank.

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Waschküchen sind meist nicht besonders schön, dafür effizient. Zumindest, solange sich die Nachbarn nicht in die Quere kommen.

Waschküchen sind meist nicht besonders schön, dafür effizient. Zumindest, solange sich die Nachbarn nicht in die Quere kommen.

Ecapone6, via Wikimedia Commons

Ob es das verdreckte Flusensieb ist oder zu lange hängengelassene Wäsche – der Waschküchenstreit ist so unerbittlich wie legendär. Kein Wunder: Die Waschküche ist oft der einzige Ort, an dem die Bewohner sich begegnen, und seine Nachbarn kann man sich meist nicht aussuchen.

Nach einer Umfrage des Immobilienportals Homegate von 2015 ärgern sich knapp 80 Prozent aller Mieter mehrmals im Jahr über Waschküchenprobleme. Ein Drittel aller Teilnehmer an der Onlineumfrage von 20 Minuten würde sich zumindest eine eigene Waschmaschine zulegen, um dem Streit aus dem Weg zu gehen, 5 Prozent gaben sogar an, dass sie ausziehen würden.

Immerhin ein Viertel der Umfrageteilnehmer würde das Gespräch mit dem Nachbarn suchen. Keine einfache Sache. Wer sich mit den Nachbarn anlegt, verschlimmert die Situation unter Umständen noch. Aber deshalb gleich zügeln?

«Das Gespräch suchen ist meist besser als gar nichts zu tun», sagt der Coach und Mediator Marc Joset, den wir um Tipps gebeten haben. Wie also den Showdown in der Waschküche angehen?

Das Gespräch vorbereiten

«Stattfinden sollte ein Gespräch möglichst nicht in der Konfliktsituation», sagt Joset. Gut ist ein Moment, in der niemand Stress oder Zeitdruck hat. Bereiten Sie sich nicht auf einen «Kampf» vor. «Man muss sich auch die eigenen Unzulänglichkeiten klarmachen», so der Tipp vom Coach. Wer hat nicht schon mal schnell die Sportklamotten gewaschen, wenn er gar nicht an der Reihe war (und gehofft, dass es keiner merkt)?

Nicht mit der Tür ins Haus fallen

Ein passender Zeitpunkt ist gefunden. Und jetzt? «Beginnen Sie mit Smalltalk». Also fragen, wie es den Kindern geht oder was die Balkonpflanzen machen. «Versuchen Sie sich für den Nachbarn zu interessieren, auch wenn Sie ihn nicht so gerne mögen», rät Joset. Was dann passiert, verlangt ein wenig Fingerspitzengefühl. «Im Grunde ist das eine allgemeine Konfliktsituation», sagt Joset und gibt vier Tipps, wie man sich dabei verhalten kann.

Die Situation sachlich beschreiben

Das klingt gut, also los. Zunächst in möglichst neutralen Worten sagen, wo der Schuh drückt. Beispielsweise: «Als ich letzten Mittwoch in die Waschküche kam, lagen drei leere Waschmittelflaschen auf dem Boden». Gar nicht hilfreich ist es, Vorwürfe zu machen, auch wenn das einiges an Selbstbeherrschung erfordert.

Die Situation aus seiner eigenen Sicht ausdrücken

«Sie sollten die Dinge aus der eigenen Sicht und als eigene Wahrnehmung beschreiben», so der zweite Tipp. Fachleute sagen dazu: «eine Ich-Botschaft senden». Auf Beschreibung des Tuns anderer sollten Sie dabei so weit wie möglich verzichten. Zum Beispiel: «Ich habe gerne einen sauberen Tumbler in der Waschküche» und nicht «Du hast dem Tumbler eingesaut». Selbstredend sind «immer» und «dauernd» auch nicht gerade hilfreich.

Die Forderung als Wunsch ausdrücken

Wünsche erfüllt jeder lieber als Forderungen. Auch wenn es Sie wirklich endlos nervt, dass die Waschküche immer ausgerechnet an ihrem Waschtag ein echter Saustall ist. «Ich würde mir wünschen, dass das Flusensieb immer gereinigt ist», klingt einfach wesentlich netter. Etwas umgangssprachlicher geht es auch, zum Beispiel «Ich fänds mega, wenn …» oder «ich hätte es

gerne, wenn …».

Empfindungen beschreiben

Statt gleich wieder wütend zu werden, hilft es, Empfindungen konkret zu beschreiben. Etwa «es macht mich sauer, wenn das Flusensieb nicht gereinigt ist» statt «es ist schlecht, wenn jemand die Wäsche so lange hängen lässt».

Natürlich klappt es auch mit diesen Kommunikationskniffen nicht immer, sich einig zu werden. Das schaffen auch Geübte nicht, sagt Joset. Vielleicht überlegt es sich der Nachbar auch später in aller Stille noch mal. Oder es hat gar nicht an Ihnen gelegen.

«Hinter den meisten Problemen steht etwas anderes», sagt der Kommunikationsexperte. «Vorurteile vielleicht, Pauschalisierungen oder etwas ganz anderes». Das beste Gegenmittel aus Sicht von Marc Joset: mehr miteinander reden. «Auch mir gelingt das nicht immer», sagt der Mediator. «Ich habe einen schlechten Tag, bin nicht gut gelaunt, die Situation ist ungünstig. Man kann das aber üben.»

Ein gutes Mittel ist übrigens auch Humor. Wenn sie die Erzählung «Der Waschküchenschlüssel» von Hugo Loetscher noch nicht kennen, ist es jetzt höchste Zeit sie zu lesen. Viel Vergnügen!

Und welche Erfahrungen haben Sie in der Waschküche gemacht?

Sie suchen eine Wohnung in der Schweiz?

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