Mars500: Sechs Freiwillige fliegen zum Mars
Aktualisiert

Mars500Sechs Freiwillige fliegen zum Mars

Über 500 Tage lang eingepfercht in eine fensterlose Kapsel, Kontakt nach aussen nur per E-Mail: Sechs Männer simulieren den Flug zum Mars.

von
Susanne Lüthi

In einem grossangelegten Experiment mit dem Namen Mars500 wollen die russische Weltraumagentur Roskosmos und die Europäische Raumfahrtsbehörde ESA einen bemannten Flug zum Mars simulieren.

Die Übung startet am kommenden 3. Juni im «Institute of Biomedical Problems» in der Nähe von Moskau: Sechs Freiwillige werden dann in eine Kapsel eingeschlossen. In dieser fensterlosen Enge werden sie zwischen 520 und 700 Tage lang ausharren müssen.

Gesucht: Naturwissenschaftler und Ingenieure

Wie viele Freiwillige sich für das Langzeitprojekt gemeldet haben, ist nicht bekannt. 2008 hatten sich für ein ähnliches, allerdings «nur» 105 Tage lang dauerndes Experiment, 5600 Personen bei der ESA gemeldet. Vier von ihnen zogen schliesslich den Test durch, der am 14. Juli 2009 endete. Für jeden durchgestandenen Tag erhielten sie 120 Euro.

Der Erfolg von Mars500 wird entscheidend von der Wahl der Kandidaten abhängen. Gemäss Stellenbeschrieb werden folgende Eigenschaften verlangt: Die Bewerber sollten Englisch und Russisch sprechen und zwischen 25 und 50 Jahre alt, gesund und körperlich fit sein. Ein Studium ist Bedingung. Gesucht sind vor allem Mediziner, Physiker, Biologen oder aber Ingenieure, die auf Lebenserhaltungssysteme, Computertechnik, Elektronik oder Mechanik spezialisiert sind.

Da warens nur noch zwei

Die Europäer werden für das Mars500-Experiment zwei «Astronauten» stellen. Ausgewählt wurden der Italo-Kolumbianer Diego Urbina (26) und der Franzose Romain Charles (30). Ein weiterer Franzose und ein Belgier waren in der Endausscheidung noch rausgefallen.

Die Crew komplettieren werden vier Kandidaten von Roskosmos, drei Russen und ein Chinese. Am kommenden 3. Juni werden die sechs Kandidaten ihr rund 18-monatiges Experiment starten, wie BBC Online meldet.

Kontakt nach aussen nur per E-Mail

Der simulierte Flug zum Mars soll möglichst realistisch sein, um die physischen und psychischen Auswirkungen der schier endlosen Reise auf die Menschen testen zu können.

Die Kapsel, in welche die sechs Männer bis zu 720 Tage lang eingepfercht sein werden, hat keine Fenster und die Kommunikation mit der Erde ist nur per E-Mail möglich. Dabei müssen die Raumfahrer nach zwei Monaten Reisezeit Verzögerungen von bis zu 20 Minuten hinnehmen.

Ausflug inklusive Marsspaziergang

Nach rund 250 Reisetagen, während denen die Crew simulierte Zwischenfälle meistern muss, werden drei der «Astronauten» in eine «Landekapsel» steigen und auf dem «Mars» aufsetzen. Dieser wird in einer weiteren Kapsel simuliert. Für ihren Landgang tragen die Kandidaten Raumanzüge, die so modifiziert wurden, dass sie die Anziehungskraft der Erde ignorieren.

Welche drei Raumfahrer mit dem Gang auf dem Mars belohnt werden, steht noch nicht fest. Hingegen weiss man, dass sie einen hohen Preis dafür zahlen: 30 Tage lang müssen sie ruhig im Bett liegen, um einen Muskelschwund herbeizuführen, wie er in der Schwerelosigkeit auch auftritt.

Und was geschieht, wenn ein Crew-Mitglied den Koller bekommt? Wenn jemand mit der Isolierung wirklich nicht mehr klarkomme, könne er die Kabine verlassen, wie die ESA und Roskosmos mitteilten. Allerdings werde nichts unversucht gelassen, um allfällige Wackelkandidaten zum Bleiben zu bewegen.

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