Aktualisiert 03.11.2009 22:12

Nürensdorf ZHSechs Jahre Freiheitsentzug für brutalen Neonazi

Ein gewaltbereiter Rechtsradikaler aus Nürensdorf hat immer wieder diverse Personen angegriffen. Mit dem Tritt in den Kopf eines Opfers ist er nun endgültig zu weit gegangen.

von
Attila Szenogrady

Der Hauptvorwurf der Anklage ging auf den 11. August 2006 zurück. Damals hielt sich der heute 26-jährige Skinhead aus Nürensdorf am Bahnhof Oerlikon auf. Am Abend traf er auf einen ihm verhassten Ex-Kollegen aus der Hooligan-Szene und schlug diesem heftig mit den Fäusten ins Gesicht. Als das Opfer benommen am Boden lag, trat der Angreifer mit seinen Springerstiefeln mehrmals gegen dessen Kopf. Der erheblich verletzte Geschädigte erlitt ein Schädelhirntrauma, einen Kieferbruch, einen Zahnschaden sowie einen Nasenbeinbruch. Dass er ohne bleibende Schäden davon kam, bezeichnete einer der Oberrichter als ein kleines Wunder.

Dunkelhäutige Psychotherapeutin abgelehnt

Schockierend war nicht nur das brutale körperliche Vorgehen des x-fach vorbestraften Angeklagten. Ebenso erschreckend klar offenbarte er vor Gericht seine politische Gesinnung. So seien im Dritten Reich diverse Sachen gut gewesen. So der Wirtschaftsaufschwung und die gute Organisation der Deutschen, belehrte er den Gerichtsvorsitzenden Rainer Klopfer. Es zeigte sich an der Verhandlung auch, dass er bis heute „Jugos, Juden und Schwarze" verachtet.

Laut Anklage schwang er in einem Tramzug der Linie 4 mit einer Naziarmbinde am Arm lauthals Hitlerreden und forderte, dass man die Juden ausrotten sollte.

In einer Massnahme für junge Erwachsene verweigerte er der für ihn zuständigen Psychotherapeutin jegliches Gespräch. Der einzige Fehler der Medizinerin: Sie war dunkelhäutig. Eine Zürcher Oberrichterin titulierte er in einem Schreiben an einen Kollegen gar als „Scheiss-Judensau".

Siebeneinhalb Jahre gefordert

Die Anklageschrift lastete dem wenig einsichtigen und seit Februar 2008 inhaftierten Neonazi 13 Sachverhalte an. Darunter auch mehrere Körperverletzungen zum Nachteil von willkürlich verprügelten Personen. Die meisten Vorwürfe stellte der kräftige Angeklagte in Abrede oder verharmloste sie. Beim Hauptvorwurf der versuchten schweren Körperverletzung wollte er nicht einmal dabei gewesen sein. Allerdings hatte ihn das Opfer zu hundert Prozent identifiziert.

Der Staatsanwalt sprach von einem schweren Verschulden und forderte eine Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren. Im Gegensatz zum Verteidiger, der Teilfreisprüche verlangte und sich für eine erheblich mildere Strafe von 18 Monaten einsetzte.

Nicht tolerierbare Gewalt

Das Obergericht kam im Wesentlichen zu Schuldsprüchen. Wegen versuchter schwerer Körperverletzung, einfachen Körperverletzungen, Angriffs, Drohung, Nötigung, Rassismus und wegen Gewaltdarstellung. Diese betraf einen auf seinem Handy sichergestellten Kurzfilm. Darin wurde ein zu Boden gedrückter Mensch von arabisch aussehenden Personen geköpft.

Die Strafe fiel mit sechs Jahren Freiheitsentzug hoch aus. Die leichte Strafsenkung führten die Richter auf die nicht einfache Jugend des früheren Heimkindes zurück. Der Angeklagte habe ein absolut aggressives und gewalttätiges Verhalten gezeigt. Was die Gesellschaft nicht tolerieren könne, sagte Präsident Klopfer zum Abschluss.

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