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Obergericht ZürichSechs Jahre für versuchte Tötung im Rausch

Das Obergericht hat die Strafe gegen einen Mann verschärft, der mit einem grossen Messer zwei Personen angegriffen hatte. Er wurde zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt.

Der Klingenpark in Zürich - hier kam es im August 2015 zu der Messerattacke.

Der Klingenpark in Zürich - hier kam es im August 2015 zu der Messerattacke.

Keystone/Walter Bieri

Laut brüllend und mit einem Messer in der Hand rannte der Beschuldigte in der Nacht vom 11. August 2015 auf zwei Personen zu, die vor einem Restaurant am Rand des Klingenparks im Kreis 5 standen. Einer von ihnen wollte weglaufen, verlor seinen Schlüssel und bückte sich danach.

Der mit schätzungsweise über 1,7 Promille stark alkoholisierte Angreifer versuchte auf den Gebückten einzustechen. Dessen Begleiter stiess den Bewaffneten zur Seite. Während der eine die Flucht ergriff, versuchte laut Anklageschrift der Angreifer den Mann am Hals zu treffen, der in gestossen hatte. Reflexschnell wich der Mann aus und wurde nur vom Unterarm am Hals getroffen. Dann rannte der Angreifer dem anderen Mann nach.

Beschuldigter bestritt die Tat

Der Beschuldigte bestritt diesen Tathergang, wie er es bereits vor Bezirksgericht getan hatte. Er gab an, im Klingenpark von einer Gruppe von etwa zehn Personen angegriffen worden zu sein. Die Männer hätten ihn geschlagen und ihm seine Tasche mit wichtigen Unterlagen gestohlen. Er sei geflüchtet und später nochmals zurückgekehrt, um seine Tasche zu suchen. Ein ankommender Polizeiwagen habe ihn in Angst versetzt und er sei geflüchtet. Er habe niemanden angegriffen.

Die Oberrichter konfrontierten ihn zum Beispiel mit der Tatwaffe, an der DNA-Spuren des Beschuldigten gefunden wurden. Jedoch nicht an der Klinge, sondern nur am Griff. Der Mann sagte, die Spuren müssten wohl im Handgemenge mit den zehn Personen an den Griff gekommen sein.

Der Staatsanwalt forderte neun Jahre Haft für versuchte Tötung. Die Staatsanwaltschaft hatte Berufung eingelegt gegen das Urteil des Bezirksgerichts. «Die Messerattacken waren von einem klaren Verletzungswillen geprägt», sagte der Staatsanwalt.

Verteidiger forderte Freispruch

Der Vertreter der Privatkläger, der eine Genugtuung von 5000 Franken für eines der Opfer forderte, sagte: «Man kennt solche Szenen nur aus Horrorfilmen.» Es sei reiner Zufall, dass niemand tödlich verletzt worden sei.

Die Verteidigung forderte einen vollumfänglichen Freispruch vom Vorwurf der schweren Körperverletzung, der Drohung und der Hinderung eine Amtshandlung. In allen Einvernahmen habe er die Tat bestritten, die ihm vorgeworfen werde. Er sei vollkommen betrunken gewesen, deshalb vermindert steuerungsfähig und vermindert schuldfähig. Er könne sich wegen des Alkohols an nichts erinnern und nichts dazu sagen.

Sechs Jahre für eventualvorsätzliche Tötung

Das Obergericht schenkte der Schilderung des Beschuldigten keinen Glauben und schätzte sie als Schutzbehauptung ein. Das Gericht hatte keinen Zweifel daran, dass der Iraker der Täter war, der die beiden Privatkläger mit dem Messer angegriffen hatte.

Das Obergericht entschied auf eine Strafe von sechs Jahren für versuchte eventualvorsätzliche Tötung. 639 Tage in Untersuchungshaft und vorzeitigem Strafvollzug werden dem Beschuldigten angerechnet. Das Gericht ordnete eine ambulante Behandlung an und verhängte eine Geldstrafe von zehn Tagessätzen à 10 Franken. Dem Geschädigten muss er 3000 Franken bezahlen. Die Gerichtsgebühr und weitere Kosten schlagen zusammen mit 15'000 Franken zu Buche und wurden dem Beschuldigten auferlegt.

Oberrichter: «Den Tod in Kauf genommen»

Wer mit einem Messer in den Brust- und Halsbereich eines Menschen sticht, müsse mit dem Tod des Gegenübers rechnen, begründete das Obergericht seinen Entscheid, dass es sich im vorliegenden Fall um versuchte eventualvorsätzliche Tötung handle. Der Grund für die Tat blieb auch nach der Berufungsverhandlung im Dunklen.

Das Gericht berücksichtigte auch, dass der Iraker mehrfach vorbestraft ist - unter anderem für einen Angriff mit einem Messer auf einen Türsteher in Zürich. (sda)

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